30.12.2011

Atlantean Kodex: Pilgrim

Weil Wolfgang auf seinem Blog Pilgrim von Atlantean Kodex als geile Musik angepriesen hat, habe ich mir das Lied mal besorgt. Hier könnt ihr es in einem typischen Ich-bin-zu-doof-um-ein-Video-zu-sein-Video ansehen:
Und tatsächlich: die Musik ist garnicht so schlecht. Zieht man die quengeligten Gitarren raus, lässt es dreimal so schnell ablaufen und pitcht es um eine Oktave höher, erhält man Staying alive. Und das Lied ist ja wirklich nicht schlecht.

Was ich besonders faszinierend an dem Video (von Staying Alive) finde, ist, ob diese Unmasse an Zähnen von Barry Gibb seinen Gesang beeinflusst hat. Manche Menschen glauben ja, dass es eher an einem Loch in seinem Kopf liegt (wie bei einem Delfin), das für seine Töne knapp unter dem Bereich des Ultraschalls verantwortlich ist.
Hat Erich von Däniken dieses Phänomen eigentlich schon mal gründlich untersucht?

Intelligenz siegt

Bettina und ich vergleichen in unseren Telefonaten gerne mal die Verkaufszahlen unserer E-Books. Sie: Vampirporno (sorry, Bettina, aber das muss mal gesagt werden), ich: systemische Theorie. Heute habe ich sie deutlich überholt. Ich war so frei.

29.12.2011

Die Hyperbel

Bei meiner Arbeit an der Rhetorik des Humors habe ich zumindest einen der Bösewichte, die diese Arbeit so schwierig machen, identifiziert: die Hyperbel (die Übertreibung). Ich hatte dazu vor einigen Wochen bereits einen kurzen Artikel veröffentlicht, der mehr eine Anmerkung zu Judith Butler war, denn eine richtige Auseinandersetzung.
Jedenfalls ist die Interpretation von Hyperbeln deshalb problematisch, weil diese sich immer auf eine Norm beziehen. Diese Norm, so wird behauptet, werde durch die Hyperbel übertrieben. Doch der Interpret muss sich immer entscheiden, ob er die Norm anerkennt oder nicht und damit natürlich, ob er die Hyperbel für unsachlich oder für kritisch hält.

Dahinter allerdings steckt noch ein ganz anderes Problem. Es gibt neben der Produktion und der Konsumption von Wissen auch noch die Verteilung, die Distribution von Wissen. Dieser Aspekt wird häufig nicht beachtet, gerade auch, weil er schwierig zu entschlüsseln ist. Durch die Hyperbel habe ich vor einiger Zeit damit begonnen, die Normen dieser Distribution zu untersuchen (allerdings bisher sehr rudimentär) und festgestellt, dass es hier offensichtlich keine Lösung gibt. Zumindest ist das mein bisheriger Stand.
Dann aber stellt sich die Frage, ob man sich über die Verteilung von Wissen überhaupt lustig machen kann. Oder anders gesagt: ob man die Verteilung von Wissen kritisieren kann. (Da die Kritik immer eine Kritik an Werturteilen ist, kann sie auch nur an Gebieten ausgeübt werden, die Werturteile implizieren.)
Dies ist auch mit ein Grund, warum Deleuze und Guattari den Nomaden so stark in ihrer Philosophie thematisieren: der Nomade kritisiert nicht (er müsste die Produktionsbedingungen der Distribution kritisieren), sondern erschafft neu, wodurch er der Distribution etwas hinzufügt und diese dadurch verschiebt.

(Jetzt ist gerade mein Sohn gekommen und wird gleich meinen Computer besetzen. Deshalb hier: Ende des Kommentars.)

27.12.2011

Einführung in die systemische Kommunikation

Aber vielleicht darf ich noch einen persönlichen Erfolg vermelden. Mein Buch Einführung in die systemische Kommunikation wurde im Dezember bisher 255 mal verkauft.

Es ist eigentlich ein Stück sperrige Theorie, die ich (hoffentlich) recht salopp formuliert habe, so dass die Einführung nicht nur informativ ist, sondern auch Spaß macht. Jedenfalls hat sich bisher kein Käufer beschwert.

Für Beschwerden, allerdings auch für Lob, stehe ich natürlich per E-Mail zur Verfügung.

Neidrezensionen und Gralshüter der deutschen Unterhaltungsliteratur

Kindle halte ich weiterhin für eine ganz hervorragende Neuerung auf dem Buchmarkt. Leider gibt es auch Schattenseiten und dazu gehören so genannte Neidrezensionen (bösartige Rezensionen, die nur vernichtend sind und einen Stern vergeben, wohl mit der Absicht, ein Buch madig zu machen), aber auch die (vermutlichen) Selbstlobe (also Selbstbewertungen des Autors unter einem anderen Namen).
Wie das im einzelnen tatsächlich ist, lässt sich kaum feststellen, außer, man unterstellt zusätzliche Informationen. Denn es gibt natürlich die Möglichkeit zu Pseudonymen und es gibt natürlich auch recht dümmliche Rezensionen, deren Absicht nicht die Bewertung, sondern die Denunziation ist.

Vampire weinen nicht von Bran Stark
Mir ist nun auch die Ehre zuteil geworden, in diese Praxis der Unterstellung hineingeraten zu sein.
Zu dem Buch "Vampire weinen nicht" von einem Bran Stark schrieb ein Stefan S.:
Ein Vampir-Rockstar, der neben einer Vampirdame und 2 Werwölfen als Opfer aus militärischen Genmanipulations-Experimenten hervorging und nach Jahren der Ahnungslosigkeit von seinen Leidensgenossen für den lang geplanten Rachefeldzug herhalten soll ...
Auf (gedruckten ca. 150) Seiten brennt der Autor hier ein Feuerwerk an Abstrusitäten ab. Zudem spricht der Autor die sowieso schon mehr als platten Anspielungen auf Filme wie "The Fantastic Four" oder "Die Hard" auch noch selbst aus und jubelt dem Leser zudem ganz "subtil" irgendwelche abstrusen Weltverschwörungstheorien unter.
Platte Dialoge, dünne Sprache, flache Charaktere und eine absolut lächerliche Story ... zudem runden zahlreich vorhandene Tipp- und Rechtschreibfehler das entäuschende Gesamtbild ab ... sorry, aber schade um jede Minute und jeden Cent.
Er vergab einen Stern.

Neidrezension?
Darauf antwortet ein Andre Mertens (von mir gekürzt):
Ach, es geht doch nichts über eine nette Neidrezension, nicht wahr? Mit Ihrer Kritik stellen Sie mich - ich habe das Buch sehr gut rezensiert - als Idioten dar. Das würde mir wenig ausmachen, denn jeder hat ein Recht auf seine Meinung, allerdings suche ich vergeblich die vielen Rechtschreibfehler und Vertipper. Ist ein Volkssport bei Kindle-Romanen geworden, dem Autor (oder Verlag) in der Hinsicht Schlamperei zu unterstellen, vermutlich weil man selbst kdp-Autor ist und weniger erfolgreich. Dieser Roman ist schlicht und einfach originell. Mal was anderes.
Ihre Zusammenfassung bringt es auf den Punkt: Eine außergewöhnliche, turbulente und spannende Handlung. Dass Sie allerdings so viel verraten, werden Leser Ihrer kritik weniger schön finden.
[...]
Sie kritisieren die einfache Sprache? Genau das hat mir gefallen. Cool, locker und lesbar. Wenn ich Anspruch suche, lese ich nicht so einen Roman, sondern Klassiker. Wenn ich Unterhaltung suche, kaufe ich mir VAMPIRE ...
[...]
In meiner eigenen Rezension zu diesem Buch habe ich übrigens ähnliche Argumente ins Feld geführt: der Roman will nicht "hochliterarisch" sein und wer mit diesem Anspruch rezensiert, ist weltfremd. Man kann genau diese Art der Literatur erwarten und darf sich nicht darüber beschweren, wenn man sie bekommt.

1-Sterne-Bewertungen
Ein Herr Letcis bemerk dann dazu:
ich selbst habe gerade zu einer 1-Sterne-Bewertung, die ein anderer Roman von Frau Farmer bekommen hat, ein paar Sätze gesagt. Ich beobachte diesen 1-Sterne-Trend auch bei anderen 'kleinen' Romanen, die günstig angeboten werden. Es sind stets wenige Zeilen, und Bewertungen, die sich nicht im mittleren Bereich befinden, sondern stets einen Stern ausmachen. Ich habe den Eindruck, hier handelt es sich um gesteuerte Bewertungen, um die günstigen Anbieter von den oberen Plätzen der Charts zu vertreiben. Dies wird auch dadurch deutlich, dass die 1-Sterne-Rezensenten i.d.R. nur diese eine bis max 3 Rezensionen geschrieben haben und diese meistens an einem Tag, also ganz zielgerichtet vorgehen.
Was zumindest eine plausible Befürchtung ist. Der Kindle-Markt verunsichert tatsächlich die großen Verlage sehr und treibt natürlich auch die selbsternannten Besserkönner aus ihren Löchern hervor (ähnlich wie bei den Blogs, weshalb ich ja einige Zeit die Kommentar-Funktion auf meinem Blog abgestellt hatte).

5-Sterne-Bewertungen
Das wiederum hat mich dazu veranlasst, auch die Praxis der 5-Sterne-Bewertung zu hinterfragen. Ich schrieb also folgenden Kommentar zu der Anmerkung von Herrn Letcis:
Es sind aber leider auch die 5-Sterne-Rezensenten, die häufig nur 1-3 Rezensionen geschrieben haben. Man lässt eben Freunde erstmal rezensieren. Ist auch nicht so toll, oder?
Wohlbemerkt habe ich nicht (sic!) dem Herrn Stark unterstellt, sich hier willentlich mit 5-Sterne-Rezensionen zu schmücken, sondern dies allgemein als eine "falsche" Praxis des Kommentierens in die Runde geschmissen. Die Leser werden das schon spitz kriegen, welchen Kommentaren sie vertrauen wollen und werden. Auffällig ist jedenfalls, dass bestimmte Autoren ihre Bewertungen von wenigen Rezensenten bekommen, die nur genau diese Bücher bewerten und diese Bewertungen dann besonders "prachtvoll" ausfallen, was dem Buch meist nicht "gerecht" wird.

Gralshüter deutscher Unterhaltungsliteratur
Auf meinen Kommentar hin schrieb dann ein morris folgendes:
Upps! Der gute Herr Weitz, Sprach-Coach, etc., schwingt sich nun zum Gralshüter deutscher Unterhaltungsliteratur auf? Das haben wir noch gebraucht.- Wie wäre es mit einem eigenen Roman, Herr Weitz, um Ihre Kompetenz zu beweisen? Oder handelt es sich hier um einen ausgelebten Fall von Profineurose? Ich hoffe nicht ...
Das überspitzt meinen Kommentar in einer geradezu unerträglichen Weise und unterstellt mir eine Meinung, die sich nur mit einiger Blindheit und Boshaftigkeit finden lässt. Mich als Gralshüter der deutschen Unterhaltungsliteratur zu bezeichnen ist jedenfalls eine dümmliche Übertreibung, die wenig über mich aussagt.
Folglich habe ich verschärft geantwortet:
Lieber Morris!
Das ist dämlich und bösartig. Ihr "Missverständnis" ist verräterisch und tendenziös. Ich habe Herrn Stark nicht vorgeworfen, dass er sich die Bewertungen erbeten hat und ich habe auch nichts gegen "niedere" Literatur. Ich habe nur auf eine Praxis hingewiesen, die ich kenne. Von Unterstellungen halte ich nichts, und wenn Herr Stark mit seinen Büchern sein Geld verdienen kann, soll mir das recht sein. Dass ich persönlich andere Literatur mag, soll nicht verschwiegen werden. Ich muss auch meine Kompetenz nicht beweisen; ich denke, dass ich Ihnen gegenüber, der mein doch recht simpel gehaltenes Argument nicht versteht, nichts rechtfertigen muss. Es gibt auch eine Lesekompetenz, die ein Leser zu haben hat. Außerdem haben Sie bisher ebenfalls keinen Roman geschrieben, wie also wollen Sie davon Ahnung haben, was es heißt, ein Buch zu schreiben? Wie also steht es mit Ihrer Profilneurose (mit einem L, denn es heißt Profil, nicht Profi), die Sie auf blödsinnigste Art in mich hineinprojezieren?
Mit freundlichen Grüßen,
Frederik Weitz
Die Antwort von Morris interessiert mich eigentlich garnicht mehr, da er mich nicht kritisiert hat, sondern nur irgendetwas rausgeplärrt hat. Trotzdem bin ich natürlich neugierig, wie diese Diskussion weitergeht. Ich habe Morris hier angegriffen; ich bin gespannt, ob Amazon diesen Kommentar stehen lässt.

... und eine E-Mail: die Wahrheit!
Gestern bekam ich noch folgende E-Mail:
Sehr geehrter Herr Weitz,

sorry, dass ich Sie unbekannterweise einfach so anschreibe und eigentlich ist es auch überflüssig... ich habe mich nur gerade bei Amazon amüsiert, als ich mal wieder die Bewertungen für die e-books von Bran Stark (alias Volker Ferkau bzw. Vanessa Farmer etc.) las.  : )

Falls Sie der Herr Frederik Weitz sind, der in einem Kommentar zu diesem Buch als "Gralshüter deutscher Unterhaltungsliteratur" bezeichnet wird, wollte ich einfach mal Danke sagen, dass endlich mal jemand ausspricht, dass diese ganzen 5-Sterne-Bewertungen keine Leser-Bewertungen sind.

Schon seit Monaten verfolge ich mit Verwunderung und (Entsetzen!), wie ein Autor alle seine positiven Bewertungen selber schreibt und die paar Leser, die ihre ehrliche, schlechte Meinung schreiben, beschimpft.

Na ja, es gibt sicher wichtigeres im Leben. Fand ich trotzdem interessant.

Mit freundlichen Grüßen
K.
Auf diese Mail habe ich mit einer Mail geantwortet:
Sehr geehrte Frau K.!

Genau dieser Herr Weitz bin ich.

Diesem Morris habe ich eine recht böse Antwort gegeben. Mich stört die Aufgeregtheit, die bei "Fans" existiert, dieses maßlos Hysterische. Dabei habe ich garnichts gegen "niedere" Literatur, die ich vorsichtshalber schon nicht so benenne, wie ich es aus der Kulturpsychologie gewohnt bin, nämlich als folkloristische Literatur (wobei ich diese Bezeichnung auch wirklich als unglücklich empfinde). Aufgabe der Literaturwissenschaft ist nicht die Bewertung der Literatur, sondern die Struktur eines Werks zu erörtern und mit der Struktur anderer Werke zu vergleichen.

Übrigens wollte ich den Vergleich zwischen Vanessa Farmer und Bran Stark ebenfalls ziehen, habe es aber unterlassen, weil ich nicht noch einen Topf öffnen wollte. Aber die Schreibweise, insbesondere die Satzlogik und manche Vokabeln, und die Plotstruktur sind gar zu ähnlich, nicht wahr?

Ebenfalls kopfschüttelnd,
und mit freundlichen Grüßen,
Frederik Weitz
Ich möchte nicht so weit gehen und behaupten, dass diese hervorragenden Rezensionen alle vom Autor selbst kommen, doch zumindest wirken sie durch Freundschaften "erkauft", da andere Bücher desselben Genres (die in großen Verlagen veröffentlichten) meist keine in diesem jubilierenden Stil gehaltenen Rezensionen bekommen.
Ich widerspreche Frau K. nicht, bestätige aber auch nicht die Behauptung, die Rezensionen seien vom Autor selbst.

Lehrstück Kindle
Jedenfalls ist es literatursoziologisch interessant, was derzeit mit dem Kindle Publishing geschieht. Wenn ich mal Zeit habe, schaue ich mir an, wie das im englischsprachigen Raum läuft. Ich möchte behaupten, angenehmer, sachlicher.
Die Deutschen offenbaren sich - zumindest die, die an die Öffentlichkeit treten - in puncto Kritik und Diskussion als unvorsichtig, zum Teil eben auch profilneurotisch.

Schöne Weihnachten!

Die Feiertage sind vorüber. Ich räume gerade meine E-Mails auf, die ich in den letzten Tagen erhalten habe. Mit Antworten usw. wird das wohl noch einige Zeit dauern, bis ich damit fertig bin.

Vom 23.-24. war mein Sohn bei mir. Am 23. abends auch mein jüngster Bruder Wieland. Cedric hat mir eine nette Karte gemalt, mit seinen typisch witzigen Figuren. Zu essen hatten wir Putenbruststücke, die ich mit einer Kräuter-Hackfleisch-Farce gefüllt habe (sehr lecker).

Ab dem 24. bis gestern (26.) war ich bei meinem Onkel. Wieland war da (natürlich!) und ab dem 25. auch Matthias, worüber ich mich besonders gefreut habe, da wir uns jetzt schon einige Jahre nicht gesehen haben. Weihnachten gab es Lachs, am 1. Feiertag Käse-Chili-Ravioli mit einer Avocado-Creme, am 2. Feiertag Ente.
Wir haben Wizard gespielt, und Siedler von Katan.
Außerdem habe ich in den Mußestunden Stephen King Duma Key weitergelesen.

Als ich nach Hause kam, fand ich eine etwas aufgeheizte Diskussion auf Amazon. Dazu aber gleich mehr.

23.12.2011

Gute Dialoge schreiben

Und für alle, die sich im Schreiben guter Dialoge üben wollen, sei dieses Buch empfohlen. Es ist leider nur auf Englisch, aber einfach geschrieben, so dass auch Menschen mit nicht so guten Englisch-Kenntnissen damit arbeiten können.
Ich lese es zur Zeit parallel zur Gesprächsanalyse von Klaus Brinker und Sven Sager, und diese wiederum parallel zu einigen Romanen, die ich, wie immer, möglichst heterogen ausgewählt habe. Großartig sind immer wieder die Dialoge bei Raymond Chandler.

Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe

Dieses Buch, dessen 5. Auflage ich besitze, hat mich während meines Studiums begleitet. In den letzten Wochen habe ich mir die Grundlagen literaturwissenschaftliche Arbeitens wieder einmal genauer angesehen. Dabei habe ich festgestellt, dass dieses Werk mittlerweile vergriffen ist. Sehr schade, denn ich halte es für ziemlich praktisch.

Ewiges Problem der Interpretation


Gerade lese ich in Bernhardt, Rüdiger: Rilke. Das lyrische Schaffen. Hollfeld 2009 folgenden Satz:
"Lyrik ist jene Gattung der Literatur, die den größten Freiraum der Interpretation bietet, weil es ihre Eigenart ist, dass nicht jedes Wort, jeder Vers und jede idiomatische Wendung eindeutig und vollkommen erklärbar sind." (Seite 51)
Das ist natürlich großartig falsch. Nicht zuletzt hat Umberto Eco in seinem Buch Das offene Kunstwerk von der unendlichen Semiose gesprochen, das heißt von einem Bedeutungsprozess, einem Prozess der fortwährenden Bedeutungszuweisung, der eben kein Ende hat. Und dieser gilt für jede Zeichenkonstellation, selbst für zunächst recht schlichte Sätze.
In der Dekonstruktion kommt es zu einer produktiven Interpretation, die herkömmliche Lesarten über den Haufen wirft, entkanonisiert, resignifiziert. (Siehe z. B. von Jacques Derrida: Restitutions, in ders.: La vérite en painture. Paris 1978. "Une analyse veut toujours délier." (p. 389), wobei Derrida mit der triple inutilité (p. 390) die Unentscheidbarkeit der Analyse (woher kommt die Analyse? was analysiert, was nicht?) betont.)

06.12.2011

Stilistik

Stilistik ist die Lehre vom sprachlichen Ausdruck der Gedanken. Zumindest war sie das einmal und kommt von dort her. Heute müsste man auch die Werke von Michel Foucault und Judith Butler diesem Teilgebiet der Rhetorik anrechnen, insofern sie auch die sprachliche Struktur in der Gesellschaft untersuchen, die solche Gedanken erst möglich machen und ihnen Halt geben.

Jedenfalls habe ich mich mit der Stilistik in den letzten Tagen noch einmal gründlich befasst. Mein Lieblingsbuch ist seit meines Studiums die Strukturale Stilistik von Riffaterre; und zudem habe ich "den" Sowinski.
Stilistik ist ein Teilgebiet der Rhetorik, vielleicht ihr wichtigstes. Weitere Teilgebiete, bzw. angrenzende Gebiete sind: die Topik, die Argumentationslehre, die Aufsatzlehre, die Poetik, die Erzählforschung.

Hintergrund dieser Beschäftigung sind zahlreiche Anmerkungen, die ich zu Walter Moers, Matthias Pöhm, Botho Strauß, Osho und einigen weiteren in den letzten Tagen geschrieben habe. Daraus sollen kleine Bücher entstehen, die über den Sprachgebrauch der betreffenden Autoren aufklären.

01.12.2011

Christa Wolf ist tot

Schade! Eine große Schriftstellerin. Ich hätte bei ihr gerne den Literaturnobelpreis gesehen (obwohl ich mit Hertha Müller auch sehr einverstanden bin) und hätte ihr diese Auszeichnung zu Lebzeiten sehr gegönnt.

23.11.2011

Großartig, Herr Richling!

SPIEGEL ONLINE: Herr Richling, Sie haben mal gesagt: Bildung ist Selbsterniedrigung – wer gebildet ist, merkt schneller, was er alles nicht weiß. Lebt sich’s dümmer wirklich besser?
Richling: Man könnte meinen, nichts zu wissen, ist sehr angenehm. Ich bin meine Welt, lehrt uns der Philosoph Ludwig Wittgenstein. Mit anderen Worten: Was ich weiß, ist meine Welt. Je weniger ich weiß, umso dominanter bin ich in dieser Welt. Und umgekehrt: Je mehr ich weiß, umso mehr umgibt mich – und umso kleiner werde ich. Nichtwissen kann zu einer gewissen trügerischen Größe verhelfen.
...
SPIEGEL ONLINE: Ein Wissen, das Sie in Ihrem späteren Leben wohl kaum anwenden konnten. Empfinden Sie es als vertane Zeit, dass Sie Latein gelernt haben?
Richling: Die Frage ist nicht, wozu lerne ich etwas. Sie hätten Recht, wenn Sie sagen: an keiner Tankstellentafel wird das Benzin auf Latein angeboten. Es geht darum, wie mich diese Sprache über den Tag hinaus formt. Durch Latein habe ich zum Beispiel gelernt, logisch zu denken.
...
SPIEGEL ONLINE: Verspüren Sie als Kabarettist einen Bildungsauftrag?
Richling: Ich würde lieber von einem Entzerrungsauftrag sprechen: Ich will Dinge in ein anderes Licht rücken. Wenn ich Sie fotografiere und das Licht kommt von oben, sieht es anders aus, als wenn das Licht von rechts kommt. Es ist aber nicht meine Aufgabe, Leute von meinen Ansichten zu überzeugen. Deswegen habe ich es auch immer abgelehnt, Werbung zu machen für eine Partei, auch wenn ich mit ihr sympathisiere.

22.11.2011

Meine absolut superneue, geniale Rhetorik!

Eins darf ich euch nicht vorenthalten. Ein momentaner Geistesblitz (und ich bestehe darauf, dass es ein momentaner Blitz war, also kurz, und nicht wie sonst, wenn ich nachdenke, ein stundenlanger) — ein momentaner Geistesblitz kam mir, als ich das Wort "Wortschatzerweiteren" auf dem Blog von Frau Torma (unterhalb des Artikels, direkt über der Werbung) gelesen habe. Dieser bezaubernde Neologismus (die Wortneuschöpfung) hat mich dazu angeregt, eine ganz eigene Spielart der Rhetorik zu kreieren, den Schwedismus.

Wie funktioniert der? — Eine Art Schwedisch für Rhetoriker, weil die rhetorikener aus einer nörd-oeropaeischsken traditioner heraus entstandelen sind.
Soviel Rhetorik muss sein.

Nebellig. Oder einfach nur nebulös.

Liebe Rhetorik-Trainerin Judith Torma!
Finden Sie es nicht auch peinlich, dass ein Blog-Eintrag so voller Rechtschreibfehler und nichtssagender Aussagen vollgestopft ist? Nein? - Ich schon!
Zu Ihrer Freude hier meine Verbesserungsvorschläge und Einwände (in rot):

Den Wortschatz aktiv und umfangreich zu halten(,) ist ein wichtiger Aspekt für Redner. Viele Menschen schwimmen, denn sie suchen nach den richtigen Worten (häh? - Lest diesen Satz bitte zweimal langsam durch und überlegt, was er eigentlich sagen will). Nuancen sind wichtig. Adjektive helfen uns hier. Sie verfeinern unsere Sprache und unterstützen unsere Wortwahl.
Übungen rund um Adjektive und Verben stärken unseren Wortschatz...

Hier meine 10 Adjektive, die mit “n” beginnen:

  • nachahmenswert
  • nachteilig
  • neutönerisch
  • netig (kennt jemand dieses Wort?)
  • niedlich
  • nutzlos
  • normativ
  • nichtssagend
  • nebellig (soll wohl nebelig heißen)
  • narzißtisch (narzisstisch, nicht zu verwechseln mit nazistisch)

Auch in Ihren sonstigen Artikeln, liebe Frau Torma, wimmelt es von Fehlern der Zeichensetzung. Besonders lustig fand ich: "Papandreou der Redner" (Artikel hier). Was eine Beifügung sein soll und deshalb mit Komma geschrieben wird (Papandreou, der Redner), kommt wie ein genitivus subiectivus oder ein genitivus obiectivus daher.

Grusel: Banken und Regierungen

Simon Johnson, the former International Monetary Fund economist, in his book 13 Bankers, argued that Goldman Sachs and the other large banks had become so close to government in the run-up to the financial crisis that the US was effectively an oligarchy. At least European politicians aren't "bought and paid for" by corporations, as in the US, he says. "Instead what you have in Europe is a shared world-view among the policy elite and the bankers, a shared set of goals and mutual reinforcement of illusions.

aus: The Independent. What price the new democracy? Goldman Sachs conquers Europe.

Paraphrase

"Ja, es ist traurig, denn die beschämende Wahrheit ist: auch Deutschland hat den Mann [Mubarak] immer unterstützt ... hier wie heißen nochmal diese fiesen Dinger, die Aua machen? … Ach ja, mit Waffen."

Die Paraphrase ist eine Umschreibung. Sie ersetzt das "eigentliche" Wort durch eine Definition; dabei ist diese Definition häufig nicht eine "gute Definition", sondern tendenzhaft und subjektiv, wie in diesem Fall. Die Definition bedient sich eines Jargons (eines Infantilismus, also mehr oder weniger einer Babysprache); dadurch entsteht eine unterschwellige Opposition von niedlich/schrecklich, die euphemistisch (verharmlosend) wirkt.

Als rhetorischeres Muster bezeichne ich ein Geflecht aus rhetorischen Figuren, die sich ihre Wirkungen gegenseitig zur Verfügung stellen. Mit dieser schwammigen Formulierung soll also noch nichts gesagt sein, außer, dass es diese Verflechtung gibt.

Hier noch einmal das ganze Video:


14.11.2011

Wer lacht, schläft nicht

Und da ich den ganzen Nachmittag die Themen für mein neues Büchlein herumgeschoben habe, jenes erste ominöse Buch über die Rhetorik des Humors und mir Beispiele ausgedacht habe, bis(s) ich dachte, ich heiße Mario Barth, ... ne, ne; ich schreibe also dieses Buch über die Rhetorik des Humors und gehe recht kleinschrittig vor. Manche Stellen von "Käpt'n Blaubär" (das ist meine Primärliteratur) habe ich mehrmals zerpflückt, einmal, um die verschiedenen rhetorischen Figuren zu analysieren, zum anderen, um die Verflechtung dieser Figuren zu zeigen.
Da mein Buch über "Abenteuergeschichten" offensichtlich zu abstrakt ist, schreibe ich jetzt ohne die großen Oberbegriffe. Ich entwerfe zahlreiche Witze. Witze zu entwerfen macht übrigens nicht halb so viel Spaß, wie sie zu hören. Dabei bringe ich auch laue oder schlechte. Das habe ich schon im Vorwort vermerkt. Mal sehen, ob sich wieder so ein Sch***kerl einfindet, der die Grenzen meiner Darstellung, wie ich sie formuliere, als selbst herausgefundene Kritik nimmt, wie dies bei den Abenteuergeschichten geschehen ist.

13.11.2011

Sehr genial, Herr Gysi!

... und mehr muss man auch nicht sagen.

Westerwelle (laut Pispers)

"Ich frage mich ja, was treibt diesen Mann [Westerwelle]."
Pisper: "Den treibt überhaupt nichts. Der hat einfach die letzte Tollwutimpfung geschwänzt."


Analogien

Seit über zwei Jahren beschäftige ich mich mit dem Zusammenhang von Analogien und Humor. In Walter Moers' Käpt'n Blaubär findet sich folgende schöne Stelle zur wilden, bzw. kreativen Analogie:

"»Wissen«, brüllte Professor Nachtigaller in den Klassenraum und riss dabei seine Augen auf, bis sie so groß wie Untertassen waren, »Wissen ist Nacht!« Das war ein Lehrsatz der eydeetischen Philophysik, ein Fach, dass nur an der Nachtschule gelehrt wurde.
Professor Nachtigaller sagte öfter solche Sachen, wahrscheinlich um uns aus der Fassung zu bringen. Es steckte Methode in diesen scheinbar sinnlosen Behauptungen: Bevor man dahinter kam, dass sie völlig blöde waren, hatte man in alle möglichen Richtungen gedacht. Und das war genau, was Professor Nachtigaller wollte: Wir sollten denken lernen und zwar in möglichst viele verschiedene Richtungen." (Seite 127)

11.11.2011

Humor ist anstrengend

Ich habe seit gestern eine Unmenge an Notizen zu Käpt'n Blaubär eingesprochen. Abgesehen, dass Moers nicht wirklich meine Art des Humors schreibt, ist die rhetorische Analyse von Humor anstrengend, schwierig. Humor ist das einzige Genre, das gut geschrieben sein kann und rhetorisch trotzdem sehr kniffliger ist. Ansonsten sind es eher die esoterischen Werke und die politischen Reden, die so viel Aufwand erfordern.

Übrigens ist es lustig, dass ich eben geschrieben habe, Moers sei nicht meine Art von Humor. So langsam finde ich eine wirklich gute Systematisierung der Humortechniken und ein allzu großer Spielraum lässt sich nicht finden. Heute habe ich nebenher von Max Goldt das Buch "Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau" zu lesen begonnen (mal wieder) und zumindest auf den ersten Blick überschneiden sich die genutzten Techniken.

Auch Rabelais unterscheidet sich von Moers nicht in den Techniken (zum gegenwärtigen Stand meiner Arbeit).

Wer sich viel mit Humor beschäftigt, muss deshalb noch lange nicht witzig sein. Heute Abend wäre ich kein Partylöwe.

Kindle-Kategorien

Mein Buch Einführung in die systemische Kommunikation hatte ich unter Systemtheorie eingestellt. Erschienen ist es bei Kindle dann in der Rubrik Chaosforschung, die wiederum eine Unterrubrik der Physik ist. Das war nicht ganz das, was ich haben wollte.

 

Auch sonst sind die Kategorien befremdlich seltsam. So gibt es unter der Rubrik Körper, Geist und Seele die Unterrubriken Okkultismus, Parapsychologie, Spiritualismus und Spiritualität. Ebenso findet man dort die Rubriken übernatürlich und unerklärliche Phänomene.

 

Schwierig dagegen ist es die Kommunikation einzuordnen. Ich habe sie jetzt bei den Sprach- und Literaturwissenschaften gefunden, wo die Kommunikation natürlich hingehört, nur nicht, wenn sie in dieser alltäglichen Beratung gemacht wird. Dann gehört sie eher in die Fortbildung hinein. Meiner Meinung nach.

 

Dafür fehlen in den Literaturwissenschaften die üblichen Einteilungen nach Germanistik, Anglistik, Romanistik und so weiter und sämtliche Epocheneinteilungen. Wollte ich ein Buch über Goethe schreiben, fände ich keine Rubrik zur klassischen Epoche. Auch die Betrachtung von Rabelais und dem Lachen in der Volkskultur könnte ich hier keiner Rubrik zuordnen.

 

Ich glaube, ich muss einen Beschwerdebrief an Amazon schreiben und mal die ganzen Kategorien umändern.

10.11.2011

Böser Witz

Zu dem Brandanschlag auf Charlie Hebdo:

Burn-Out der Satire

Das Groteske. Walter Moers

Ich bin übrigens immer noch an meinem Walter Moers. Wie immer, wenn ich rhetorische Mittel untersuche, wuchern meine Anmerkungen, obwohl Moers, wie zahlreiche Autoren des Humors, auf eigentlich nur sehr wenige rhetorische Mittel zurückgreifen. Jedoch ist hier die Verflechtung faszinierend, die immer sehr spezifisch abläuft.

 

Nebenher entstehen weitere Zettelhaufen, unter anderem Bemerkungen zu dem ganz wundervollen Buch von Bachtin über Rabelais.

 

Anmerkungen zu Wilhelm Fraenger: Das Groteske

"Drängen wir diese ausführlich analytische Betrachtung nun einer kurzen Formel zu, so dürfen wir die groteske Wirkung dieser Beispiele darauf zurückführen: Der freizügige Wille erfährt hier durch den Widerstand der Materie eine solche Vergewaltigung, dass dieser Wille sich zur höchsten Elastizität beschwingen muss, um solchen Widerstand zu überwinden. Zwei einander völlig artfremde Energien, der frei bewegte Wille und die träge Schwerkraft der Materie, gerieten in den aufregendsten Streit; ein Organisches ist mit einem Anorganischen in ungewisse Verwicklungen und ränkevolle Verstrickungen geraten." (Seite 13)

 

Die groteske Wirkung ist eine Art Antimetapher, nicht die Belebung des Unbelebten, wie bei bestimmten Metaphern, sondern der Streit zwischen beiden.
Andererseits ist die Metapher natürlich eine Art von Besessenheit; das metaphorischem Wort übernimmt die Kontrolle, ja ersetzt das eigentliche Wort. Wie bei manchen Parasiten in Horrorfilmen ist der "Mensch" nicht mehr er selbst; ebenso beim Vampirismus und beim Zombiefilm.

 

"Grotesk ist eine Darstellung zu nennen, welche artfremde Daseinsformen zu fantastischer Einheit verbindet." (Seite 13)

 

Tätigkeiten des Grotesken:

  • transformieren
  • vermischen
  • durcheinanderschlingen
  • verzerren

(Zu Seite 14)

 

Das Groteske hat eine eigenartige Beziehung zu Metapher. Es nutzt die Metapher und nutzt sie zugleich nicht. Das Groteske schildert gleichsam das Eindringen der Metapher in die Sprache. (Dies müsste weiter ausgearbeitet werden.)
(Zu Seite 14)

 

Das Groteske hat eine Sonnenseite und eine Nachtseite:
"Um das Doppelgesicht des Grotesken — das eine Antlitz ist einem fantastischen Humor zugekehrt, während das andere in den Bereich eines monströsen Satanismus starrt — zu enthüllen, … zeige [ich] an dem Sonderbeispiel der grotesken Ornamentik, wie schnell sich die scheinbar tagesklare Straße dieses Kunstgebietes in einer Dämmerung der monströsen und grauenvollen Fantastik verlieren kann." (Seite 14)

 

Auf diese Weise, durch die Transformation und durch die Nähe des üppigen und des unnatürlich wuchernden Lebens, gibt es zwischen der komischen und der grauenvollen Groteske eher eine Abstufung, denn einen Gegensatz.
Bei dem einen wie bei dem anderen ist der Mensch in den Genuss verschlungen. Die grauenhafte Seite zeigt allerdings, wie der Mensch in die Passivität hineinrutscht, nicht mehr genießt, sondern genossen wird.
Die Perversion ist ein typisches Beispiel dafür. Alle Bedürfnisse von der Maslowschen Bedürfnispyramide können auf diese Weise umgedreht werden.
Der Fetischismus ist diese unvorstellbare Liebe für ein Detail.
Die synthetischen Gefühle von Plutchik könnte umkippen in eine Besessenheit. Die Freude, die ein Objekt erringen will, wird pervertiert, wenn dieses Objekt den Menschen beherrscht, ihn besitzen will.
(Seite 14)

Tastatur

Ich bin gerade etwas unleidig.

 

Ich habe mir heute eine neue Tastatur und eine neue Maus gekauft. Meine alte funktioniert zwar noch tadellos, aber da die hinteren Klappen abgebrochen waren, ich gerne meine Tastatur etwas höher stelle und ich zur Zeit so viel englische Wörter schreibe, dass mir mein Spracherkennungsprogramm nichts nützt, habe ich mir eben eine neue Tastatur gekauft.

 

Fantastisch ist, dass die neue Funkverbindung über ein kleines Stiftchen funktioniert und nicht, wie bei der alten, über einen dicken, ständig blinkenden Bobbel, der zwischen meinen beiden Monitoren aufgestellt war.

 

Schick sind auch die vielen Funktionstasten, die ich mir gleich mit meinen wichtigen Programmen belegt habe.

 

Nicht ganz so toll ist, dass mir diese Tastatur zu hoch eingestellt ist, wenn ich die Stützen hinten runterklappe. Ich habe gerne dieses "Gefühl", wie ich beim Klavierspielen meine Stuhlhöhe ganz speziell einstellen muss, als handele es sich um Millimeter. Weil dieses Gefühl nicht da ist, bin ich unleidig.

09.11.2011

Bushido und sein Bambi

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) protestiert dagegen, dass der Burda-Verlag dem erklärten Homosexuellenfeind Bushido den Bambi 2011 in der Kategorie Integration verleihen will. Burda leistet sich damit einen krassen Missgriff. Bushido hetzt seit Jahren gegen Homosexuelle und ruft in Liedtexten unverblümt zur Gewalt gegen Schwule auf. Ist Burda blind gegenüber Hasstexten und Gewaltaufrufe, wenn sie sich gegen Schwule richten?

In der Begründung des Verlages heißt es, der Musiker setze sich ein „gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander“. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.

Wir erwarten von den Burda-Verantwortlichen eine deutliche Stellungnahme gegen die Gewalt verherrlichenden Tendenzen der Bushido-Inszenierungen. Gewalt und Hass verdienen keine Ehrungen, sondern müssen klipp und klar verurteilt werden.

Der 31-jährige Rapper findet Vergnügen daran, abfällige Bemerkungen über Frauen und Schwule zu machen. 2005 hatte der Rapper in einem Zeitungsinterview gesagt: “Ihr Tunten werdet vergast”. In mehreren seiner Stücke ruft er zur Gewalt gegen Schwule auf. Zuletzt bezeichnete er Schwulsein als “nicht normal”.

Im Stück „Berlin“ singt er: „Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel.“ Selbst ein Konzert gegen Jugendgewalt am Brandenburger Tor 2007 nutzte er, um seinen Hass und seine Verachtung gegenüber Homosexuellen zu dokumentieren. Bushido sagte ihnen von der Bühne herab: “Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß drauf”. Stellt sich Burda so „respektvolles Miteinander“ vor?

Und weiter:

Bei Julia Korn (Burda-Verlag) kann man sich jetzt darüber beschweren, dass ausgerechnet Bushido diesen Preis entgegen nehmen soll. Euren Einspruch und eure Beschwerde solltet ihr direkt an Julia Korn mailen: julia.korn@burda.com richten.

(aus einer Facebook-Nachricht)

Caro-Kaffee

Vorhin war ich bei Kaisers einkaufen. Vor dem Regal mit dem Caro-Kaffee debattierten drei junge Frauen, ob dieser für ihre WG zuträglich wäre.

Nicht ohne meine Schleife!

Gestern war ich auf einem Kindergeburtstag von einem dreijährigen Mädchen. Als ich mein Geschenk überreichte (ich hatte extra Blümchen-Geschenkpapier eingekauft), schaute die Kleine das Geschenk an, reichte es mir dann zurück und sagte: "Jetzt musst du nochmal nach Hause fahren und eine Schleife draufmachen."

Nachtrag:
Ich bin natürlich nicht nach Hause gefahren. Die Kleene hat mir noch ein Gummibärchen von meinem Gummibärchenkuchen geklaut und später das Geschenk ausgepackt.
Ihr Kommentar dazu: "Du hast mir ja ein Mama Muh-Buch geschenkt!"
Ich: "Komisch, vorhin war's noch ein kleiner Hund!"
Sie (stutzt, dann gedehnt): "Nein!"
Und schon hat sie sich nicht mehr für mich interessiert.

07.11.2011

Larry Hagman: rassistische Rhetorik

Man hatte uns schon als Kind beigebracht, dass Menschen mit Schlitzaugen nicht menschlich sind, dass sie ihre Kinder nicht lieben, dass sie kalt sind wie Insekten. Es übertrug sich von Feind zu Feind, von den Japanern auf die Koreaner auf die Vietnamesen. Das waren Leute, die nicht zählten, deshalb konnte man sie abknallen. Auch heute bekämpfen wir keine Menschen, sondern: »Afghanistan«.

Soviel zur Rhetorik, in diesem Fall dem Euphemismus. Und er fährt fort:

Und Iraker, denn die sind nicht wie wir. Wir bekämpfen Leute, die andere Augen, eine andere Sprache, einen anderen Glauben haben. Aber wir müssen die Religion endlich loswerden. Weg damit! Sie hat schon genug Unheil angerichtet.

das ganze Interview mit Larry Hagman findet sich in: Zeit: "Arschlöcher gibt es immer"

Neues Buch

Systemische Kommunikation
Ein kleines und etwas lockerer gestricktes Buch über Bedingungen, unter denen Kommunikation stattfindet.

Mütter

haben mir schon immer gelegen. Der Trick besteht darin, sie als Aliens aus einer entfernten Welt zu betrachten.

Kommunikation und Rhetorik

Ich habe noch den ganzen Nachmittag an einer kleinen Schrift über die Kommunikation herumgebastelt. Das, was mir am schwierigsten gefallen ist, war, was ich weglassen möchte. Es soll nur eine Einführung in zentrale Aspekte sein.

 

Außerdem sammle ich im Moment fleißig zur Rhetorik des Humors. Meine Artikel bei suite101 werden wenig gelesen, wohl auch, weil sie zu kompakt sind. Zudem sind es kleine Zwischenergebnisse. Erst in den letzten Wochen, vor allem durch Bachtins Buch über Rabelais, komme ich wieder gut voran.

 

Mittlerweile ist es ganz schön spät (2:00 Uhr morgens). Ich gehe mal schlafen (interessant!).

05.11.2011

Weiterhin seltsame Sätze

Ich bin gerade fleißig dabei, den neuen, gemeinschaftlichen Blog zu bewerben. Und natürlich schaue ich mich ein wenig bei der Konkurrenz um. Gerade habe ich mich, wegen Robert, mit den "schwulen" E-Books auf Amazon beschäftigt. Dabei finde ich folgenden Satz (von Inka Loreen Minden):
Die Hitze seines Körpers schien seinen Rücken zu versengen.
Warum nur den Rücken? fragt man sich. Der nächste Satz ist stilistisch auch etwas seltsam.
Sein Herz pochte schon wieder schneller und ein köstliches Ziehen in seinen Lenden erinnerte ihn an heute Nacht.
Das Wort "heute" liest sich wie eine fehlende Abstraktion auf die Leserführung. Es müsste korrekt "letzte Nacht" heißen. Insgesamt bleibt Minden abstrakt. Zwei Sätze später schreibt sie:
Da Naska breitbeinig auf dem Pferd saß, war sein Lendenschurz nach oben gerutscht. Auf der Innenseite seiner Schenkel waren zarte Abdrücke zu erkennen.
Was für "zarte Abdrücke" das sind, lässt die Autorin offen. Nun ist es zwar notwendig, in einer Geschichte über Andeutungen Rätsel aufzubauen, doch müssen diese "ordentlich" in der Wirklichkeit verankert werden. Das heißt vor allen Dingen, dass eine Geschichte zu 95% aus konkreten Objekten und nur zu 5% aus schwammigen Begriffen, Zweideutigkeiten bestehen darf und nicht umgekehrt.

Robert dagegen schreibt mir fast zu konkret. Manchmal erinnert sein Schreibstil eher an ein Ablichten von sinnlichen Wahrnehmungen. Ich finde allerdings faszinierend, wie daraus trotzdem ein Bild der Menschen entsteht, die er schildert. Gestern abend habe ich einen unveröffentlichten Kurzroman von ihm gelesen, den ich spannend fand. Und besser als seine Kurzgeschichten.

02.11.2011

Autoren auf Kindle

Nebenher habe ich einen neuen Blog eingerichtet, Autoren auf Kindle. Heute morgen habe ich mich durch die dynamischen Ansichten, die Blogger anbietet, durchgewühlt, war aber mit keiner zufrieden. Außerdem möchte ich das Design für den Blog noch ändern.

Schön aber, dass es mittlerweile zehn Mitstreiter gibt.

30.10.2011

Psycho-Holmes

Über den Blog meines sehr geschätzten Kollegens Udo Seelhofer bin ich auf den Blog von Reziratte gestoßen und dort auf eine Hörspielserie, in der Sigmund Freud die Hauptfigur darstellt. Leider ist das ganze eine Art von Krimi, eine Verwurstung der historischen Figur und zeigt (zumindest lassen die Rezensionen darauf schließen) starke Ähnlichkeiten mit der literarischen Figur des Sherlock Holmes.


28.10.2011

Arroganz des Sozialwissenschaftlers

Eine Lernstrategie muss immer reduktiv vorgehen: Sie muss über Zusammenhänge vereinfachen. (Mit Lernstrategien umzugehen gehört also dicht an die Strukturwissenschaften herangetragen: an die Mathematik und die Logik. Zusammenhänge erkennen ≠ nachahmen/nachplappern; dies die Arroganz der Sozialwissenschaftler: Sie ersetzen die ungleich komplexere (diffusere) Logik des sozialen Lebens durch die Nachahmung von "demokratischen"/"kritischen" Meinungen.)

(Dies ist ein Kommentar, den ich vor anderthalb Jahren geschrieben habe. Da ich gerade etwas zu Lernstrategien schreibe, kam er mir wieder auf den Schreibtisch. Später, ich glaube diesen April, habe ich nochmal Notizen zu dem Thema gemacht, wie mimetisch die Meinung sein darf und wie "hilfreich" es ist, mit Meinungen zu brechen oder zu provozieren.)


27.10.2011

Frustriert

Frustriert bin ich, weil ich mich heute mit einem Kollegen unterhalten habe. 

Er wollte mit mir Inhalte eines Fortbildungstages absprechen, kam dann mit einer recht seltsamen Interpretation der Neurophysiologie und als ich ihm sagte, dass das so nicht richtig sei und dass er in seinen Schlussfolgerungen für die Praxis lieber auf Erfahrungswerte zurückgreifen solle, sagte er fast wörtlich zu mir: 

Das sei doch egal. Das könnten die [also die Teilnehmer] eh nicht überprüfen und Gehirn verkaufe sich immer gut.

Liebes Leben! Wie war das mit den griechischen Schauspielen? Erst kam die Tragödie, dann der Bocksgesang. Nicht umgekehrt.


Araberweg

Heute bin ich ziemlich frustriert. Dabei war ich vorher noch lustig. Bleiben wir bei der zeitlichen Reihenfolge.

Ich fuhr heute zu einer Besprechung. Auf dem Weg dorthin haben drei junge Araber den ganzen Gehweg samt Fahrradweg versperrt.


Ich: Das ist ein Fahrradweg, kein Araberweg.


Eins: Was willst du? (im besten klischeehaften Tonfall)


Ich: Fahrradweg.


Eins: Warum sagst du dann Araberweg?


Zwei (zu Eins): Der hat doch gesagt, dass das kein Araberweg ist.


Eins: Warum machst du Witz, über den man nachdenken muss?


26.10.2011

Lesekompetenz

Ich habe gestern Abend meine ganze Schrift zur Lesekompetenz noch einmal in eine Mindmap umgesetzt und diese begonnen, neu zu verschriftlichen. Ich bin jetzt bei knapp 10.000 Wörter. Wahrscheinlich schreibe ich heute nochmal 5000 dazu. Das hört sich viel an, ist aber nicht so viel, wenn man bedenkt, dass ich mich mit diesem Thema gut auskennen. Zudem habe ich den Text ja schon einmal geschrieben und möchte nur ein wenig die Struktur und die Atmosphäre verändern. Neulich sagte ein Kunde zu mir, meine Texte läsen sich wie ein schöner Vortrag. Das liegt natürlich auch daran, dass ich über das Spracherkennungsprogramm sehr dicht an der Mündlichkeit bleibe, auch mit allen ihren Schwächen, Wiederholungen zum Beispiel oder alltagssprachlichen Wendungen, die man in (populär-)wissenschaftlichen Texten nicht erwartet.

25.10.2011

Close encounter of ...

... the Herd Hind. Or: Ruby, the rednosed reindeer.
Grins.



Hyperbeln bei Thomas Bernhard

Insbesondere wird aber die von ihm virtuos-aggressiv gehandhabte Übertreibung zu einer sprachlichen Massenvernichtungswaffe, die großflächig ihre diskursiven Angriffspunkte mit Superlativen und Verallgemeinerungen auszulöschen vermag, indem sie ihre Differenzen tilgt oder sie zum Implodieren bringt, zugleich aber auch den Standort des Sprechers zu sprengen droht; denn Bernhards Hyperbeln sind selbstreflexiv und zeigen im Rahmen seiner “Sprache der Ausschließlichkeit” die totalitäre “Anmaßung” hinter jeder sich allgemein gerierenden Aussage.
aus Ruthner, Clemens: Macht-Spiele
Besonders fasziniert bin ich von den ähnlichen Schlussfolgerungen, die der Autor über die Hyperbel/Übertreibung aufstellt.


Außerdem mein Tag:

Lektoriert (nichts aufregendes), ein Cover gemacht, geschrieben.
Etwas Lustiges oder Sinnvolles zu erzählen gibt es nicht.


Habe ich eigentlich …

… schon erzählt, dass ich mir ein weiteres Buch von Roland Barthes gekauft habe? Das Reich der Zeichen. Frankfurt am Main 1981. Jetzt fehlt mir eigentlich nur noch Über mich selbst.


24.10.2011

Schlechte Charaktereigenschaften und Führungsqualität

Schlechte Charaktereigenschaften bringen Menschen in die Chefetage. Das haben Forscher der University of Nebraska herausgefunden. "Wir haben uns die dunkle Seite des Charakters angeschaut und wie sie die Leistung und Entwicklung von Führungspersönlichkeiten beeinflusst", berichtet Studienautor Peter Harms. Das Ergebnis: Menschen, die zum Überdramatisieren und zu Narzissmus neigen, die häufig andere kritisieren und die extrem auf die Einhaltung von Regeln achten, steigen eher in Führungspositionen auf als solche, die diese negativen Charaktereigenschaften nicht haben. Die Wissenschaftler hatten 900 Soldaten der US-Offiziersschmiede West Point über Jahre untersucht. "Zusammengenommen spielten die negativen Eigenschaften eine wichtige Rolle dabei zu bestimmen, welche Kadetten Führungsqualitäten entwickelten", sagt Harms. Waren die negativen Eigenschaften allerdings zu stark ausgeprägt, behinderten sie den Aufstieg. Übergroße Skepsis erschwerte in jedem Fall den Weg nach oben. Das Fazit der Forscher: In Maßen ist ein schlechter Charakter gut für die Karriere.
Eigentlich ziemlich erschreckend.

Aber ich kann es nachvollziehen. Ich bin zum Beispiel kein Mensch, der überdramatisiert. Gerade in Bezug auf mich neige ich eher zur Untertreibung und zu Rücksicht und Höflichkeit. Gedankt wird einem das selten. Und wenn ich einen Kunden anpflaume (zum Beispiel, weil er seine Übungen nicht macht und über das, was er schreibt, nicht nachdenken möchte), habe ich doch relativ häufig einen guten Erfolg damit. Nicht, dass ich das gerne tun würde. Aber es wirkt.

Warum ich mich gerade damit beschäftige? Immer noch wegen der Hyperbel. Mittlerweile aber auch: Humor. Ich systematisiere gerade alle meine Anmerkungen im Zettelkasten zum Thema Humor und Witz. Systematisieren heißt in diesem Falle nicht: ordnen; sondern aufdecken, wo und wie die rhetorische Figur der Hyperbel gebraucht wird. Ansonsten springe ich (wie es mir mein Zettelkasten vorgibt) von Camilleri (Commissario Montalbano) über Wilhelm Busch über Liechtenstein und Heine, Bastian Sick, Eoin Colfer (Artemis Fowl). Selbst Schopenhauer! Doch wer Schopenhauer gelesen hat, wird das nicht so ungewöhnlich finden. Er ist ein brillanter Spötter!



23.10.2011

Hyperbel und Pornografie

In den letzten drei Tagen (ich sagte es ja schon) habe ich mich mit der Hyperbel beschäftigt. Jetzt habe ich dazu drei Artikel geschrieben:
Ein Artikel allerdings fehlt noch: der zur masochistischen Hyperbel. Dieser bezieht sich auf Gilles Deleuze und seinen Aufsatz "Sacher-Masoch und das Problem des Masochismus". Im Moment bin ich aber von der vielen Denkerei etwas abgeschlafft. Außerdem reichen ja wohl drei Artikel zu Rhetorik und zur Gender-Theorie.


22.10.2011

Gute Parade

Aus der Krimiserie "Life", erste Staffel, erste Folge:
"Haben Sie nichts besseres zu tun?"
"Nein, im Moment nicht."
Ebenfalls sehr schön:
"Machen Sie sich lustig über mich?"
"Das ganze Universum macht sich lustig über uns."
"Warum sollte sich das Universum über uns lustig machen?"
"Vielleicht ist es unsicher."

20.10.2011

Das Problem von Hyperbole oder Hyperbel:

Selbst wenn die Hyperbel als "falsch" angesehen wird, suggeriert sie unter der Hand nicht nur, dass es ein richtiges Maß gäbe, sondern vor allem auch, dass es EIN Maß sei.

Und hier müsste man dann auch noch zahlreiche andere, zum Teil recht pragmatische Aspekte mit dazu nehmen, zum Beispiel wie sich der Sprechende durch eine Hyperbel inszeniert.

Eventuell: die Hyperbel als Paralogismus, als eine Extrapolation. Natürlich ist die Extrapolation bereits eine Übertreibung, da sie einen Aspekt bevorzugt und alle anderen möglichen Aspekte vernachlässigt. Sie bezeichnet auf der logischen Ebene das falsche Lesen, das tendenziöse Lesen.


Das tendenziöse Lesen kann auch polemisch gemeint sein.


Zum Beispiel:
"Er [die triadische Form des Ödipus] beruht auf dem Paralogismus der Extrapolation, der die formale Ursache von Ödipus begründet und dessen Illegitimität insgesamt auf folgender Operation lastet: von der signifikanten Kette ein transzendentes ganzes Objekt, gewissermaßen als despotischen Signifikanten, von dem in der Folge die ganze Kette abzuhängen scheint, herauszuziehen, einer jeden Wunschposition einen Mangel zuzuschreiben, den Wunsch an das Gesetz zu schmieden, die Illusion einer Ablösung zu erzeugen."
(Deleuze/Guattari: Anti-Ödipus, Seite 142)

Dabei geht es aber nicht nur darum, ein positives Objekt zu erstellen (das wohl am wenigsten), sondern vor allem ein interessantes (der Ödipus, die Weiblichkeit, um zwei typische Beispiele von Freud zu zitieren) oder ein gefährliches (wie Scholz in den Spielregeln des Lebens die Wissenschaft als ein nur scheinbar hilfreiches Objekt, in Wirklichkeit aber ein verlogenes, neurotisches und irreführendes Objekt einführt).


Das Problem von Aufzählungen: auch sie setzen gleich, allerdings setzen sie Funktionen gleich. Man kann dies ab Seite 7 bis Seite 9 gut studieren: beispielhaft werden Fehlentwicklungen unserer Gesellschaft gebrandmarkt und dabei unterstellt, dass alle die gleiche Wurzel haben. Hier werden nicht nur einzelne Symptome miteinander vermischt, sondern diese Symptome auch als Einheit gesehen. Tatsächlich aber sind es metaphorisch arbeitende Textabschnitte, die zwei Beispiele in einer ähnlichen Art und Weise gleichsetzen, wie die Metapher zwei Wörter "gleichsetzt".

Solche metaphorischen Gleichsetzungen sind alleine deshalb schon gefährlich weil zum Beispiel die Unzufriedenheit, auch die zielelose Unzufriedenheit, so der psychiatrischen Erkrankung ähnlich erscheint. Zumindest könnte man beim Lesen des Textes darauf kommen (Seite 7).


Die metaphorische Gleichsetzung von Textpassagen stellt auf der Ebene der Textrhetorik das dar, was auf der Ebene der Argumentation entweder einen Bruch oder eine Parenthese ist.

(Die Parenthese müsste ich auch noch einmal genauer untersuchen, bzw. den Exkurs. Gerade hier erscheint mir Robert Walser seit Jahren als ein mögliches zentrales Forschungsobjekt.)


Im übrigen ist das Zitat von Deleuze/Guattari schon allein deshalb klasse, weil auch Scholz (ähnlich wie Freud) mit dem Mangel arbeitet, mit einem (wissenschaftlichen) Wissen, das sich als Vollständigkeit behauptet, in Wirklichkeit aber die wichtigen Aspekte des Lebens nicht thematisiert, ja diese sogar verdrängt.

Die Spielregeln des Lebens

Ich habe gerade einen Artikel (Rezension) zu dem Buch Die Spielregeln des Lebens. 12 Gesetze, die unser Schicksal lenken verfasst; neben meiner ersten Lektüre, die der Rezension galt, folge ich einer zweiten, die der Rhetorik gewidmet ist, mit der dieses Buch arbeitet. Damit nehme ich eine alte Arbeit auf, in der ich mich mit der Rhetorik von Osho (also der Praxis, nicht der Theorie des Darstellens) beschäftigt habe.

Ein Fragment aus meinen Anmerkungen möchte ich euch hier zu lesen geben, weil es auch für die Politik einige bedeutsame rhetorische Mechanismen anspricht.


Wie baut man ein Bedrohungsszenario auf?
Die durchaus gute Schreibweise dieses Autors (viele aktive Verben) suggeriert, dass abstrakte Begriffe handlungsfähig seien: die Wissenschaft zum Beispiel; und handlungsfähig suggeriert weiter, dass dahinter eine Absicht, eine Art strukturell böser Willen stecke.

Wie also baut man ein Bedrohungsszenario auf?

Indem man (1) ein heterogenes Phänomen wie die Wissenschaft vereinheitlicht; dies geschieht vor allem grammatisch, indem es immer DIE Wissenschaft heißt (also immer im Singular); (2) indem diese abstrakte Einheit Handlungen ausführt; dies wird durch aktive Verben erreicht; (3) durch übertreibende oder verabsolutierende Adjektive, die entweder durch das Prädikat, durch ein beigefügtes Modalwort ("angeblich gesichertes Wissen" (Seite 6)) oder durch einen nachfolgenden Widerspruch disqualifiziert werden.

Dabei wird die Wissenschaft personifiziert, als eine Art tragischer Protagonist. Der Leser dagegen wird in die Position eines Zuschauers gerückt, der die Geschehnisse auf der Weltbühne jetzt distanziert betrachten kann und das Scheitern des Protagonisten aufgrund seiner Blindheit moralisch beurteilen kann.

So wiederholen die esoterischen (oder spiritualen) Texte die grundlegenden Mechanismen der Aufklärung und des aufklärenden Theaters.



19.10.2011

Facebook, Bundes-Trojaner ...

Über den Bundes-Trojaner muss ich wohl nichts sagen. Hier noch ein Artikel über Facebook; genauso schlimm (in den letzten Tagen bin ich kaum noch auf Facebook gewesen).
Das Problem ist allerdings auch, dass die Unterscheidung öffentlich/privat immer eine öffentliche Entscheidung ist, eine sprachliche. Der Streit um sie ist auch nicht neu, siehe zum Beispiel Vergewaltigung in der Ehe oder die Gefährdung des Kindeswohls. Es gibt also aus der Struktur heraus ein Ungleichgewicht, wo und wie über die Differenz öffentlich/privat entschieden wird.
Allerdings gibt es hier auch eine Alternative, nämlich diese Bedeutungen zu vervielfältigen und streitbar zu machen. Es scheint mir, dass das zur Zeit der große Sinn der Piraten-Partei ist.
(Der gläserne Bürger ist übrigens eine wunderschöne Metapher. Ich frage mich, was sie bedeuten soll.)

17.10.2011

mein Montag wird mein neuer Sonntag

Wieder einmal entgegen meinen Vorsätzen, am Sonntag nicht mehr zu arbeiten, habe ich natürlich am Sonntag gearbeitet. Zum Teil sind das Kommentare zur Lesekompetenz und zur Metapherntheorie, die ich in meinem Zettelkasten eingepflegt habe. Beides möchte ich gerade in meinem Blog nicht veröffentlichen, da sie für zwei Bücher gedacht sind.
Dafür bin ich heute leicht kränklich, nicht schlimm, aber es reicht, um meine Aktivitäten zu hemmen.


16.10.2011

Tommy Jaud

steht unter Belletristik mit seinem Buch "Hummeldumm" auf Platz 3 der Spiegel-Bestseller-Liste.
Kommt Belletristik nicht von "schön und traurig"?


15.10.2011

Werbefilmchen

Mein zweiter Monitor ist sehr angenehm. Derzeit arbeite ich mich in AfterEffects ein, ein Programm, um Filme zu erstellen, vor allem Werbefilme oder kleine Animationsfilme (ein typisches Beispiel ist South Parc). Ich habe das schon einmal gemacht, allerdings in einer Zeit, in der ich wenig Ruhe hatte. Meine Ergebnisse damals waren lausig. Auch jetzt kann man nicht von irgendetwas Ansehbarem sprechen, aber es geht zumindest in die richtige Richtung.

Nebenbei: solche Filme herzustellen ist anstrengend und zeitaufwändig. Gestern habe ich irgendwann dann den Computer ausgeschaltet und mich mit einem Buch aufs Sofa verkrochen.


12.10.2011

Vampirromane rezensieren

Es ist mir egal ob der Vampir Deutsch, Englisch oder Französisch spricht, solange er sich irgendwann für eine Sprache entscheidet.
Joelle zu dem Buch Tochter der Dunkelheit von Tanya Carpenter auf amazon
Und ich mag euch dieses hier nicht vorenthalten. Ebenda zu finden, Hervorhebung von mir:
Charakterbeschreibung - unglaubwürdig. Ein Vampir, der nachts nackten Frauen in ihrem Schlafzimmer auflauert, ausgerechnet Armand heißt, lange schwarze Haare hat, einen Umhang trägt, ihnen in einem schwülstig-französischen Akzent bereits in der ersten Nacht gesteht, dass er ein Vampir ist (zugegeben, ich musste zwanghaft an Pepe, das Stinktier aus den Bugs-Bunny-Filmen denken), sie direkt als Gefährtin fürs Leben angräbt, sich dann quer durch die Weltgeschichte schläft und seinem potentiellen Opfer erklären muss, dass er nicht als Fledermaus dreimal nachts um den Kirchturm flattert (kein Scherz), braucht dieses inzwischen sehr ausgereifte und vielschichtige Genre nicht.
AngelicBeast



11.10.2011

Kleine Monatsstatistik

Vielleicht bin ich über Twitter etwas zu penetrant. Jedenfalls twittere ich einige gute Artikel recht regelmäßig, z.B. den zu Metaphern, was mir ein Plus von fast 300 Besuchern und eine um etwa hundert Stellen bessere Google-Platzierung gebracht hat.

Der Blog wurde im letzten Monat von 110.000 Usern besucht, was umso erfreulicher ist, als das im Gegensatz zum Vormonat ein Plus von 20.000 Besuchern darstellt.

In der Platzierung meiner am häufigsten besuchten Seiten ändert sich aber nicht viel. Aktuelle Einträge tauchen eine Woche lang auf und verschwinden dann wieder. Meinen (hervorragenden) Artikel zum semantischen Gedächtnis liest niemand, weil ihn niemand sucht. Bei Google steht er auf Rang 9, also erste Seite.


Buchcover: Nacht des Begehrens

So, jetzt habe ich meine Facebooker bereits mit dem Cover beglückt, jetzt zeige ichs auch nochmal im Blog. Das habe ich heute tagsüber zusammengebastelt. (Vorher: zwei Stunden lektoriert, eine Stunde selbst geschrieben.)

Nicht schlecht. Jedenfalls nicht schlecht für meine Photoshop-Kenntnisse. Diesmal sind sogar die Farben ganz in Ordnung.


Wortumfang bei E-Books

Um hier mal einen kleinen Service zu liefern (und gleichzeitig zu gestehen, dass ich einige Bücher, die es noch nicht elektronisch gibt, bereits vor langer Zeit eingescannt habe): hier folgen einige bekanntere Titel plus Anzahl der Wörter (in fett) und Anzahl der Zeichen (mit Leerzeichen).

Der Räuber Hotzenplotz 16.268 - 101.734

Charlie und die Schokoladenfabrik 27.845 - 177.418

Pippi Langstrumpf 25.024 - 149.611

Harry Potter und der Stein der Weisen 81.162 - 502.835

Harry Potter und der Feuerkelch 196.845 - 1.234.437

Needful things (Stephen King) 256.070 - 1.590.814

Herr der Ringe: Die Gefährten 184.427 - 1.133.565

Die Rebellin (Trudi Canavan) 134.159 - 834.991

Tanz mit dem Schafsmann (Murakami) 148.057 - 936.997

Negative Dialektik 118.381 - 853.947

Rahmen-Analyse 174.566 - 1.213.294

Tausend Plateaus 239.133 - 1.685.941

Soziale Systeme 169.114 - 1.281.137

Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse
139.137 - 949.866


10.10.2011

Drollig: Romane schreiben

Den halben Tag habe ich an meinen Fragmenten weiter gebastelt, genauer gesagt, seit 14:00 Uhr (ungefähr). Um kurz nach fünf hatte ich dann keine Lust mehr (oder war einfach von der langen Arbeit schon zu unkonzentriert) und habe mich (wieder einmal) an dem kleinen Proberoman ausgetobt, den ich gar nicht weiter schreiben wollte. Mittlerweile war diese Geschichte allerdings so weit gediehen, dass ein Ende in Sicht war. Und jetzt habe ich innerhalb von anderthalb Stunden über 6000 Wörter geschrieben und ihn abgeschlossen. Das hätte ich nun nicht gedacht. Allerdings ging es auch deshalb so flott, weil ich dieses letzte Kapitel schon zu Beginn gut entworfen habe und ich nicht mehr nachdenken musste, welche Wendungen und welche Drehs die Geschichte nehmen muss. Zudem sind solche letzten Konfrontationen fast immer völlig konventionell. Und hier habe ich nun gar nichts Neues überlegt, sondern mich einfach auf diese Konventionalität verlassen.

Insgesamt sind es fast 60.000 Wörter geworden. Geschrieben vom 10. September an, mit zwei Wochen Pause mitten drin und weiteren drei Tagen, an denen ich nichts hinzugefügt habe. Zu einem größeren Teil habe ich auch schon die Rechtschreibung überprüft. Irgendwie tut mir das ganze jetzt gut. Dass ich eine so umfassende Geschichte geschrieben habe, ist schon fast vier Jahre her. Zum Vergleich: der erste Band von Harry Potter umfasst 80.000 Wörter.

Zweifel sind angebracht

Heute sind 13 Schriften bekannt, die Hildegard als Verfasserin angeben, wobei deren Identität mit der Äbtissin angezweifelt wird.
aus: wikipedia, Hildegard von Bingen
Ich schließe mich diesem Zweifel an. (1) ist deren zweideutig reflexiv; (2) ist die Angabe eines Verfassers nicht identisch mit einer realen Person. Besser wäre hier von einer begründeten Urheberschaft zu sprechen.
Als ich den Satz zuerst las, musste ich erstmal lachen, so missgestaltet kommt er daher.




09.10.2011

Sonstiges vom Tage

Den Morgen habe ich damit verbracht, meine Notizen der letzten Tage durchzulesen und Rechtschreibfehler, bzw. falsche Erkennungen (durch das Spracherkennungsprogramm) zu korrigieren.


Emotionale Intelligenz
Was mir im Moment Kopfzerbrechen macht, ist die Systematisierung funktionaler kognitiver Prozesse anhand von Emotionen. Meine intensiven Bemühungen um dieses Thema sind offensichtlich nicht ausreichend gewesen, um hier eine Klärung zu erreichen.
Besonders unfruchtbar erscheinen mir heute all diese Sudelbücher, die sich den Begriff emotionale Kompetenz oder emotionale Intelligenz in den Titel kleben. Meist unterhalten sie nur mit netten Anekdoten, betonen die Wichtigkeit von Gefühlen und arbeiten nichts, aber auch gar nichts aus. Weder neurophysiologisch noch philosophisch sind diese Bücher ein Gewinn, allen voran natürlich der Bestseller Emotionale Intelligenz von Goleman. Das ist nur Bodennebel.


Kompetenzaufbau
Genau dieser Punkt hält mich allerdings auch auf. Mein Buch zum Kompetenzaufbau liegt fertiggeschrieben auf meinem Computer; da es aber nur die kognitive Seite beachtet und ich die emotionale Seite aus Bequemlichkeit, allerdings auch ein wenig aus der Furcht, nicht verstanden zu werden, bereits in ein zweites Buch ausgelagert habe, kämpfe ich mit dem Gefühl des Mangels.


Roman

Im Roman, den ich eigentlich nicht fertig schreiben wollte, habe ich eine weitere Szene eingefügt. Es ist eben zu angenehm, zwischendurch einfach darauf los zu schreiben und sich nicht darüber Gedanken zu machen, wie sinnvoll das ist. Selbstverständlich ist dieser Roman nicht zur Veröffentlichung geeignet.
1300 Wörter. 8000 Zeichen. Der Erfolg einer halben Stunde.



Eigenbewegungen des Geistes

Bei Kant gibt es eine Eigenbewegung der Vernunft, die nach den Gesetzen der Vernunft aus den Reizen Begriffe formt. (Das ist natürlich eine Kurzform.)

Uexküll ersetzt in seinem Buch Theoretische Biologie diese von Kant postulierte Eigenbewegung der Vernunft durch ein sensualistisch-kognitivistisches Modell. An deren Basis stehen die so genannten Lokalzeichen, die hier nicht einen wahrgenommenen Ort bezeichnen, sondern eine Stelle auf einem Reize aufnehmenden Organ (zum Beispiel das Auge oder die Haut), die in der Lage ist, genau einen Reiz zu liefern.

Der Witz an dieser ganzen Überlegung ist, dass die Sinnesausstattung des Menschen (aber auch jedes anderen Tieres) selbst eine räumliche, da körperliche ist. Im Unterschied zum geometrischen Raum wird allerdings dieser sinnliche Raum durch verschiedene Qualitäten ganz anders aufgeteilt, eben sinnlich qualifiziert.

Diese je spezifische Qualifizierung, die zugleich den Raum einteilt, als auch erschafft, diese Qualifizierung also, die zugleich konstruiert und produziert, versteht Uexküll als die Basis der  Eigenbewegungen des Geistes. Von hier aus bewegt er sich über eine differenzierte Abfolge bis hin zur Handlungsregulation bei komplexen lebenden Wesen.

Anders gesagt könnte man die Abfolge seiner Argumentation mit dem Weg von der Anschauung zu den Begriffen vergleichen, die man bei Kant und Schopenhauer findet. (Das ist natürlich nichts verwunderliches, da man Uexküll getrost zu den Neokantianer rechnen darf und er an markanten Stellen auch Kant zitiert.)


Emotionen
Ich hatte ja schon in den vergangenen Tagen geschrieben, dass ich die Verbindung zwischen Plutchik und Uexküll suche.
Emotionen sind, und die Lektüre von Uexküll bestätigt mich in dieser Vermutung, so etwas wie alternative Richtlinien für eine Eigenbewegung des Geistes. Das bedeutet, dass die Vernunft sich von allen Gefühlen leiten lassen kann. Und auf dieser abstrakten, d.h. inhaltsleere Ebene sind alle Gefühle auch gleichwertig, oder besser gesagt gleich funktional.

In Bezug auf die Interaktion mit der Umwelt oder Objekten in der Umwelt werden Gefühle allerdings spezifisch. Dies ist nun keine Qualität der Gefühle selbst, sondern eine nachträgliche Qualifizierung durch kognitive Ergebnisse gefühlsgesteuerter Prozesse.

(Es ist auch dieses Ineinander von Kognitionen und Emotionen, dieser dynamische und iterative Prozess, der mich interessiert. Neben Kant und Uexküll war ich heute bei Freud und Adler (Menschenkenntnis), bei Leon Wurmser (Die Maske der Scham, Flucht vor dem Gewissen) und bei dem wunderschönen und leider wenig bekannten Buch Labyrinth Kindheit von Dorothy Burlingham. Zudem habe ich im Buch Coaching-Tools II (herausgegeben von Christopher Rauen, Verlag: managerSeminare) herumgestöbert, welches mir persönlich viel zu psychoanalytisch ist und zwar psychoanalytisch in einem fast schon pejorativen Sinne, weil inhaltlich sehr eingeschränkt, sehr begrenzt, das aber ganz gut zu den psychoanalytischen Büchern passt. Nebenher, allerdings wirklich nur im Überflug, Bachelard. Seine Interpretation kultureller Symbole stellen schon fast so etwas wie eine Eigenbewegung des kollektiven Geistes dar, also etwas, das Canguilhem deutlicher, Foucault weniger deutlich an Kant zurück bindet.)


Modellieren
Auf jeden Fall ist mein eigener Arbeitsprozess, in dem ich mich gerade befinde, ein deutlich modellierender und d.h. auch spekulativer. Es geht mir nicht um eine empirische Abstützung meiner Arbeit durch Wahrscheinlichkeiten, sondern um eine Sensibilität für die "Reibungshitze" (man entschuldige mir diese ungenaue Metapher) zwischen Sinnesdaten (Wahrnehmung) und Ordnungsaufbau (Begriffsbildung).



08.10.2011

Sollte Mathematik an den Schulen unterrichtet werden?

Miss Arizona sagt (in einem Video, das ich leider nicht aus Facebook heruntergeladen kriege):
Oh, das ist eine schwere Frage. Es gibt hier zwei Seiten der Geschichte. Auf der einen Seite haben wir Mathematik und auf der anderen Seite haben wir ... äh ... Nicht-Mathematik.
Miss Idaho sagt:
Wir sind in Amerika, nicht in Russland.
Und Miss Montana behauptet:
Zahlen sind großartig. Doch sie sollten ebenso Farben, Gerüche und Vibrationen lernen.
Miss Delaware:
Nicht den Mädchen.
Miss Alabama:
Mathematik? Nein. Ich glaube nicht an Mathematik und wir sollten niemanden dazu ermutigen.
Miss Vermont allerdings fragt:
Ja, das ist Mathe. Soll das jetzt ein Witz sein?
Allerdings sollten wir uns jetzt nicht auf die Schultern klopfen. Eine mir bekannte, quantitative Sozialforschung unterrichtet habende wissenschaftliche Mitarbeiterin scheiterte an der sogenannten Päckchenrechnung (auch: schriftliche Addition). Von Statistik und Stochastik hat sie gar keine Ahnung. Wie bitteschön will so jemand ordentlich Daten quantifizieren und interpretieren?

Fingerübungen

Geschrieben (gesprochen). Dragon NaturallySpeaking läuft im Moment ohne Probleme und erkennt selbst den Dativ gut. Normalerweise macht das m am Ende von Adjektiven und Pronomen einige Probleme. Wenn man sich angewöhnt, alle Korrekturen mithilfe des Spracherkennungsprogramms vorzunehmen, stellt es sich nach und nach darauf ein. Allerdings ist das am Anfang erstmal umständlich. Und wenn man mitten in einem Gedankenfluss steckt, in einem Schreibfieber, dann kann es einen ziemlich aus dem Prozess reißen, wenn man solche Korrekturen vornehmen muss oder gar ungewöhnliche Wörter eintrainiert.
Hilfreich ist auch, viel einzudiktieren. Für mich war es in den letzten Tagen sehr bequem, nur kurze Texte einzusprechen, meist Fragmente für den Zettelkasten oder kurze Anmerkungen für Kunden. So sind die Texte überschaubarer und Fehler schneller zu korrigieren. Ansonsten war das in den letzten zwei Jahren tatsächlich ein größeres Problem für mich. Durch das Einsprechen waren die Texte noch dichter an mir dran, als wenn ich sie geschrieben hätte. Normalerweise mache ich keine Grammatikfehler. Zumindest äußerst selten. Derzeit finde ich relativ viele, auch in älteren Blogartikeln.
Auf der anderen Seite gewöhne ich mich jetzt daran, bestimmte Stellen für mögliche Fehler sofort zu überprüfen und dadurch zu vermeiden.
Von allen Anschaffungen, die ich mir letztes Jahr geleistet habe, ist das Spracherkennungsprogramm jedenfalls ein Highlight.
Nachdem ich meinen Computer wechseln musste und der Datenbank noch zahlreiche Wörter eingefüttert habe, läuft alles wie am Schnürchen. Gerade heute Morgen merkte ich, dass ich komplett intuitiv kommentiere, ganz anders, als ich es früher in meinem Tagebuch getan habe. Derzeit werden meine Texte auch länger, auch meine Anmerkungen zu Büchern.
Heute Morgen habe ich noch ein wenig Uexküll kommentiert (zu meinen Kommentaren in den letzten Tagen habe ich mein Leben nach "Beispielen" und "Illustrationen" durchforscht); vor allem habe ich fünf Dialoge geschrieben, alles Fragmente, alle in irgendeiner fiktiven Situation verortet. Fingerübungen, nur eben am Mikrofon.


06.10.2011

Shakespeares Sisters - Stay

Immer noch ein richtig geiles Lied.


neue Zusammenhänge

Wie immer, wenn ich mir die Zusammenhänge neu erarbeitete, bzw. neue Themengebiete oder Theorien vergleiche, verwischen sich für mich die großen Strukturen. Nach den letzten anderthalb Jahren, die mich deutlich von meinen Themen weggeführt haben, kehre ich jetzt wieder zu diesen zurück, insbesondere auch zu der Narration.

Mathematikdidaktik
Als nachteilig empfinde ich, dass zum Beispiel die ganze Mathematik, bzw. Mathematikdidaktik nur halb verdaut in meinem Gehirn herum liegt. Schopenhauer hat hier einige interessante Sachen gesagt, Wittgenstein und — sehr bedingt — auch Leibniz, dessen Werk ich neulich erworben und gelesen habe (allerdings nur gelesen im einfältigsten Sinne des Wortes). (Übrigens gibt es hier eine weitere Verbindungslinie zu Uexküll. Friedhelm Zech hat mit seinem Grundkurs Mathematikdidaktik ein eigentlich sehr schönes Werk vorgelegt. Insgesamt erscheint mir die Begriffsbildung zu kompliziert, nicht scharf genug gegeneinander ausgeprägt. Noch habe ich dazu nichts geschrieben, aber in letzter Zeit nehmen Uexküll und Schopenhauer, auch Kant und Mach diese Mathematikdidaktik immer mehr in die Mangel, zumindest in meinen Gedanken.)

Kreatives Schreiben
Mein kleines Romanprojekt ist ins Stocken geraten. Erstens habe ich nicht sonderlich viel Zeit dafür und zweitens habe ich erfahren, was ich erfahren wollte.
Geschichten lassen sich, zumindest, wenn man sie vorher gut durch geplant hat, mit dem Spracherkennungsprogramm recht flott einsprechen. Das mir diese Geschichte auch als Beschäftigung für zwischendurch nicht mehr reicht, liegt tatsächlich an einem Planungsfehler. Typischerweise.
Einer der wichtigsten Handlungsstränge in Spannungsromanen wird oft vergessen, gut auszuarbeiten, weil gerade junge Autoren glauben, dass dieser nicht so wichtig sei, weil man so wenig von ihm erzählt. Dieser Handlungsstrang betrifft den Antagonisten.
Irgendjemand sagte mal zu mir (oder schrieb es, ich weiß es nicht mehr genau): der Böse sei doch nicht so wichtig, der würde erst gegen Ende auftauchen. — Doch genau das ist falsch. Ein Spannungsroman muss doch von Anfang an eine Bedrohung aufbauen, mindestens das Übel durch seine Symptome (Leichen, verschwundene Menschen, gestohlenes Geld, usw.) einführen. Und Symptome entstehen natürlich nicht aus dem Nichts. Irgendjemand oder irgendetwas muss dafür gesorgt haben, dass diese erscheinen. Und im Falle eines Antagonisten kann dieser das nur durch Handlungen. Da diese Handlungen, selbst wenn sie im Roman nicht geschildert werden, für die Annäherung an den zentralen Konflikt so wichtig sind, müssen diese präzise ausgearbeitet sein. Anderenfalls passiert häufig das, was junge Autoren so gut kennen: der Roman wird von seiner Konfliktlosigkeit absorbiert und der Autor schildert das als Schreibblockade. Ich nenne so etwas Ziellosigkeit und Ziellosigkeit entsteht, wenn man nicht gut geplant hat.
Jedenfalls habe ich diesen Fehler auch begangen. Das war mir eigentlich schon vorher klar. Aber es ging ja auch nicht um das Fertigstellen.

Mein Spracherkennungsprogramm
Was mir besonders Spaß macht, ist, dass ich während des "Schreibens" (Sprechens) viel mehr gestikulieren kann. Gerade auch die Dialoge sind dadurch für mich einfacher geworden, weil ich zum Teil die entsprechenden Personen nicht nur stimmlich nachahme, sondern auch gestisch. Das sieht tatsächlich etwas seltsam aus, zumindest ungewohnt. Ich hoffe, dass mich meine Nachbarn nicht beobachten.