Wenn ich mir eine Art Mensch ausdenke, die allen meinen Instinkten zuwiderläuft, so wird immer ein Deutscher daraus.Nietzsche, Friedrich: Ecce homo, Der Fall Wagner

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Wenn ich mir eine Art Mensch ausdenke, die allen meinen Instinkten zuwiderläuft, so wird immer ein Deutscher daraus.Nietzsche, Friedrich: Ecce homo, Der Fall Wagner

»Der Begriff der ›Struktur‹ ist vermutlich nichts weiter als ein Zugeständnis an die Mode: ein Begriff mit klar umrissenem Sinn übt plötzlich für ein Dutzend Jahre eine einzigartige Anziehungskraft aus - so wie das Wort ›Aerodynamik‹: man fängt an, es zu verwenden, ob es passt oder nicht, nur weil es angenehm klingt. Ohne Zweifel kann eine typische Persönlichkeit unter dem Gesichtspunkt ihrer Struktur betrachtet werden. Aber man verwendet den Ausdruck auch für einen physiologischen Befund, für einen Organismus, für irgendeine beliebige Gesellschaft oder Kultur, für einen Kristall oder eine Maschine. Alles mögliche - sofern es nicht völlig amorph ist - besitzt eine Struktur. Daher scheint es, als füge der Begriff ›Struktur‹, wenn wir ihn verwenden, dem, was wir in unserer Vorstellung haben, absolut nichts hinzu, außer einem angenehmen Kitzel.«Kroeber, zitiert bei Lévi-Strauss, Claude: Strukturale Anthropologie I, S. 300

Die von uns zitierten Beispiele zeigen, wie vergeblich es ist, eine Prioritätsbeziehung zwischen den Speiseverboten und den Vorschriften der Exogamie festlegen zu wollen. Die Verbindung zwischen beiden ist nicht kausal, sondern metaphorisch. Sexuelle Beziehung und Nahrungsbeziehung werden unmittelbar als ähnliche gedacht, auch heute noch: um sich davon zu überzeugen, braucht man sich nur an Argot-Ausdrücke zu erinnern wie etwa »faire frire« oder »passer à la casserole« usw. Aber welches ist der Grund für diese Tatsache und für ihre Universalität?
Auch hier bedingt der Gewinn auf logischer Ebene einen Verlust auf semantischer: der »kleinste« gemeinsame Nenner für die Vereinigung der Geschlechter und die von Essendem und Gegessenem ist, dass beide eine Verbindung durch Komplementarität eingehen:
Was sich nicht bewegen kann, dient den Wesen, die sich fortbewegen können, als Nahrung; die Tiere ohne Reißzahn dienen den Tieren mit Reißzahn als Nahrung, die ohne Greifwerkzeuge denen mit Greifwerkzeugen, und der Zaghafte wird vom Mutigen gefressen. (The Laws of Manu, V, 30)Lévi-Strauss, Claude: Das wilde Denken

Oder ist es eine ZITTERWUT eine ZITIERWUT also daß man sich nur noch zeigen kann in der WORTVERKLEIDUNG : in der Sprache anderer, weil man sich zurückgenommen hat in die äußerste Lautlosigkeit Sprachlosigkeit Schweigsamkeit, weil man sich zurückgezogen hat in diesen äußersten Winkel aus welchem man nur noch hervorzulugen vermag, schon beinahe teilnahmslos das Geschehen ringsum betrachtend, die Vielzahl der Standpunkte der vibrierenden Welt usw.
Ist es eine ENTFLEISCHUNG frage ich mich frage ich dich, eine SELBSTAUFLÖSUNG, eine Zeit der Wirklichkeitsferne, ein treibender Schreibtisch mitten im Ozean meines Zimmers - jemand schüttelt plötzlich Pelztiere Pelztücher aus, ein milchiger Tag mit Schneepflügen in den Wolken, ein Strauch rieselt vorüber, Verstockungen in meinem Kopf / Vertrocknungen, die Umhüllungen sind abgefallen von meinem Korb eigentlich Kopf oder Korpus der nicht mehr zusammenhält sondern gemergelt leergedroschen geschrumpft und verwüstet ist - wie stehe ich
aus: Mayröcker, Friederike: Entfachung (in: Magische Blätter)
Jeder Leidende nämlich sucht instinktiv zu seinem Leid eine Ursache; genauer noch, einen Täter, noch bestimmter, einen für Leid empfänglichen schuldigen Täter, – kurz, irgend etwas Lebendiges, an dem er seine Affekte tätlich oder in effigie auf irgend einen Vorwand hin entladen kann: denn die Affekt-Entladung ist der größte Erleichterungs- nämlich Betäubungs-Versuch des Leidenden, sein unwillkürlich begehrtes Narkoticum gegen Qual irgend welcher Art.
Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral

Die gegenwärtige Welt eröffnet uns einen so unermesslichen Schauplatz von Mannigfaltigkeit, Ordnung, Zweckmäßigkeit und Schönheit, man mag diese nun in der Unendlichkeit des Raumes, oder in der unbegrenzten Teilung desselben verfolgen, dass selbst nach den Kenntnissen, welche unser schwache Verstand davon hat erwerben können, alle Sprache, über so viele und unabsehlich große Wunder, ihren Nachdruck, alle Zahlen ihre Kraft zu messen, und Selbst unsere Gedanken alle Begrenzung vermissen, so, dass sich unser Urteil vom Ganzen in ein sprachloses, aber desto beredteres Erstaunen auflösen muss. Allerwärts sehen wir eine Kette der Wirkungen und Ursachen, von Zwecken und den Mitteln, Regelmäßigkeit im Entstehen oder Vergehen, und, indem nichts von selbst in den Zustand getreten ist, darin es sich befindet, so weist er immer weiter hin nach einem anderen Dinge, als seiner Ursache, welche gerade eben dieselbe weitere Nachfrage notwendig macht, so, dass auf solche Weise das ganze All im Abgrunde des Nichts versinken müsste, nähme man nicht etwas an, das außerhalb diesem unendlichen Zufälligen, für sich selbst ursprünglich und unabhängig bestehend, dasselbe hielte, und als die Ursache seines Ursprungs ihm zugleich seine Fortdauer sicherte.Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft
Die Energie - und vor allem die sprachliche Energie - macht mich sprachlos: es ist für mich wie ein Zeichen von Wahnsinn.
Tatsächlich scheint mir, dass die Konversation den immerwährenden Charakter der Sprache vergegenwärtigt (ewige Anbetung): Kraft einer Form, auf der Ebene der Gattung: monströse Kraft, von der ich mich als einzelner ausgeschlossen fühle (es sei denn, ich machte mich selbst zum Schwätzer!). Um mich hingegen aus einer Situation herauszuziehen, mich zu retten, in der ich einem Gespräch ausgesetzt bin: nicht mehr zuhören, nur noch hören: es auf einer anderen Ebene als einen Romandialog, als ein Stück Sprechtheater aufnehmen, in künstlerischer Distanz zu mir. Deshalb ist die Konversation von Unbekannten (in einem Zug etwa) weniger ermüdend (für mich) als Gespräche von Freunden: Ich kann das Tableau von außen betrachten und dadurch mein Ausgeschlossensein wiedergewinnen.Barthes, Roland: Das Neutrum

Sprache wird als physei, nicht als thesei erfahren, >taken for granted<; am Anfang ist der Fetischismus, und dem bleibt die Jagd nach dem Anfang stets untertan. Freilich ist jener Fetischismus kaum zu durchschauen, weil schlechterdings alles Gedachte auch sprachlich ist, der besinnungslose Nominalismus so falsch wie der Realismus, der der fehlbaren Sprache die Attribute der geoffenbarten erteilt. Heidegger hat für sich, dass es kein sprachloses An sich gibt; dass also Sprache in der Wahrheit ist, nicht diese in der Sprache als ein von ihr bloß Bezeichnetes. Aber der konstitutive Anteil der Sprache an der Wahrheit stiftet keine Identität beider. Die Kraft der Sprache bewährt sich darin, dass in der Reflexion Ausdruck und Sache auseinander treten. Sprache wird zur Instanz von Wahrheit nur am Bewusstsein der Unidentität des Ausdrucks mit dem Gemeinten.
Adorno, Theodor: Negative Dialektik

Die Omaha-Indianer sehen einen der Hauptunterschiede zwischen den Weißen und sich selbst darin, daß »die Indianer keine Blumen pflücken«, das heißt: aus reinem Vergnügen; in der Tat, »die Pflanzen haben sakrale Verwendungen, die nur den Meistern der Geheimgesellschaften bekannt sind«. Selbst das Seifenkraut (»soapweed«), das jeder für das Dampfbad verwendet, um Zahn- und Ohrenschmerzen oder Rheumatismus zu heilen, pflückte man, als wäre es eine heilige Wurzel:Heute nachmittag versuchte ich der Kassiererin bei ALDI das Geld für meinen Einkauf in die Hand zu drücken, indem ich sagte, ich befriede den postmodernen Geist des Supermarkts. Daraufhin weissagte mir die holde Dame, dass ich immer verrückter werde.
... In das Loch, das die Wurzel hinterlassen hatte, legte man eine Prise Tabak, zuweilen auch ein Messer oder Geldstücke, und der Sammler sagte ein kurzes Gebet: Ich habe genommen, was du mir gegeben hast, und ich lasse dir dafür dieses. Ich wünsche mir ein langes Leben und dass mir und den Meinen nichts zustößt.
Lévi-Strauss, Claude: Das wilde Denken, S. 57



La prohibition de l'inceste, comme l'exogamie qui est son expansion sociale élargie, est une règle de réciprocité. [...] Le contenu de la prohibition de l'inceste n'est pas épuisé dans le fait de la prohibition : celle-ci n'est instaurée que pour garantir et fonder, directement ou indirectement, immédiatement ou médiatement, un échange.Und genau so ermöglicht Browns 'distinction' nicht nur ein 'marking' (das Bezeichnen der einen Seite), sondern ein 'crossing' (das Überschreiten der Unterscheidung).Lévi-Strauss, Claude: Les Structures élémentaires de la parenté, p. 64s.
Ich verabscheue Reisen und Forschungsreisende. Trotzdem stehe ich im Begriff, über meine Expeditionen zu berichten.Auch biographisch ist Haas unsicher. Lévi-Strauss flüchtete zwar 1941 in die USA, nachdem die Vichy-Regierung 1940 ihre Rassengesetze erlassen hatte, doch schon 1944 kehrte er auf Bitten des französischen Außenministeriums zurück und war 1946-47 Kulturattaché der französischen Botschaft in den Vereinigten Staaten.
Mit der Wahl eines bestimmten Totemtiers wolle eine Gemeinschaft vor allem Differenz herstellen zu anderen Gemeinschaften.dann ist dem entgegenzuhalten, dass eine totemistische Gemeinschaft sich gerade nicht an dieses Differenz ausprobiert hat, um sich zu unterscheiden, dass aber der Effekt natürlich ein Effekt der Unterscheidung ist. 'Draw a distinction' eben.




Clustering bildet für Rico allerdings immer nur einen Zwischenschritt. Er ist enorm wichtig, aber nie als Endprodukt zu verstehen. Fast jede Übung beginnt zwar mit einem Cluster, endet aber mit einem Text. Diese Texte und einzelne ihrer Elemente sind Inhalt des fünften bis neunten Kapitels. Dabei häufen sich in diesen Kapiteln Wörter, die zum Übersetzen gehören. Nichts anderes ist das Clustern: eine Übersetzung. Nicht in eine andere Sprache, sondern in eine andere Form. Und nichts anderes sind die Texte, die aus den Clustern entstehen: wiederum Übersetzungen.Es sind also Übersetzungsprozesse, die eigentlich das Clustern ausmachen. (Zur Übersetzung ist nicht nur Walter Benjamins Aufsatz 'Die Aufgabe des Übersetzers', GW Bd. IV,1 S. 9-21, interessant, sondern auch die Sammelbände 'Übersetzen: Walter Benjamin': Hart Nibbrig, Christiaan (Hrsg.), Frankfurt am Main 2001, und 'Übersetzung und Dekonstruktion': Hirsch, Alfred (Hrsg.), Frankfurt am Main 1997, spannend zu lesen.)
(gesamte Rezension siehe hier)




Vaibhav was pushed to take this step when his bai (maid) beat him with a broom when he tried to impress her by appearing naked in front of her after applying all the Axe products.Und hier der Rest.


Sehr geehrte Frau Lohmann!
Das ist mal ein sehr vernünftiger Kommentar. Der Thread war wirklich furchtbar. Zum einen aber bestätigt der Erfolg dieses Threads Luhmanns Ansicht, dass Konflikte gerade dadurch binden, weil sie auf der einen Seite hochselektiv sind, auf der anderen Seite höchst diffus. Beides geht deshalb zusammen, weil die Struktur eines Konfliktes primitiv ist, z.B. erfolgreich sein / nicht erfolgreich sein. Die Auflösung dieser Struktur jedoch läuft über ‘Verzeitlichung’ durch anderes und andere Themen, nicht durch Aktualisierung des Konflikts. (Im übrigens ist Ihr Beitrag wirklich klasse: die Majestät des Absurden betritt die Bühne, wenn ich mal mit Paul Celan so formulieren darf.)
Zum anderen erlebe ich diese Form der Diskussion immer wieder, gehe es nun um mailing-Listen zur Systemtheorie und zum kreativen Schreiben, um Nazi-Blogs, etc. Die Ursache finde ich unter anderem in der in der Linguistik altbekannten Spaltung zwischen formellen (grammatischen) und semantischen (bedeutsamen) Muster. Formelle Muster sind gleichsam Anordnungen der Materie, so, wenn ein Satz eine bestimmte Abfolge von Wörtern haben muss, um grammatisch korrekt zu sein. Semantische Muster sind gleichsam der Sinn, der entsteht, wenn ein Kopf mit diesem Satz zusammenstößt. Da wir zuerst den Sinn eines Satzes suchen, verwechseln wir gerne das semantische Muster mit dem formellen Muster. Doch wie heißt es so schon? “Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.” Mein Gegenüber sieht eben nicht mein semantisches Muster, sondern nur das formelle. Und über diesen Trugschluss heizen sich solche Diskussionen auf.
Sie hatten das übrigens, mit anderen Begriffen, vor einigen Monaten ähnlich formuliert. Ich finde bloß gerade nicht Ihren Eintrag (ich gestehe: ich bin zu faul zum Suchen).
Liebe Grüße,
Frederik Weitz


Im dritten Teil wird die eigentliche «Black Box» beleuchtet. Punktuell werden im Rahmen dieser Tiefenbohrung dem Leser Zugänge in die geheimnisvolle Welt der objektiven Hermeneutik ermöglicht. Besonders spannend ist die zentrale und auch provokative Aussage, dass Supervisionen nach aussen hohe Kompetenz ausstrahlen, es sich dabei aber oftmals mehr um Schein als um Sein handelt.So schreibt die NZZ über das Buch Black-Box Beratung? Empirische Studien zu Coaching und Supervision. Das ist ein Eindruck, der sich mir schon vor langer Zeit aufgedrängt hat. Es wird mehr auf die positive Außenwirkung geachtet als auf inhaltliche Fundierung.







Das Gutachten zeigt, wie das Subjekt darin tatsächlich in der Form des Begehrens nach dem Verbrechen präsent ist. Daher sagt der Gutachter in seinen Ausführungen, wie ich sie Ihnen vorhin vorgelesen habe, in bezug auf die Person, die schließlich zum Tode verurteilt wurde: »Er wollte alle Vergnügen kennenlernen, alles sehr schnell genießen, starke Empfindungen verspüren. Dieses Ziel hatte er sich vorgenommen. Nur vor der Droge schreckte er zurück, sagt er, von welcher er abhängig zu werden fürchtete, und vor der Homosexualität, nicht aus Prinzip, sondern aus Unlust. Von seinen Absichten und Launen ließ er sich nicht abhalten. Er konnte es nicht leiden, dass man sich seinem Willen widersetzte. Gegenüber seinen Eltern arbeitete er mit affektiver Erpressung; gegenüber Fremden und dem Milieu setzte er Drohungen und Gewalttätigkeiten ein.« Anders gesagt, die Analyse des andauernden Begehrens, ein Verbrechen zu begehen, ermöglicht dasjenige zu fixieren, was man die radikale Position der Illegalität in der Logik oder in der Bewegung des Begehrens nennen könnte. Die Zugehörigkeit des Begehrens des Subjekts zur Übertretung des Gesetzes: sein Begehren ist grundsätzlich schlecht. Aber dieses Begehren des Verbrechens - und das begegnet einem regelmäßig bei diesen Erfahrungen [richtiger: Gutachten] - hat immer mit einer Kluft, einem Riss, einer Schwäche, einer Unfähigkeit des Subjekts zu tun. Deshalb stoßen Sie regelmäßig auf Begriffe wie »Nichtintelligenz«, »Misserfolg«, »Unterlegenheitsgefühl«, »Armut«, »Hässlichkeit«, »Unreife«, »Entwicklungsfehler«, »Infantilismus«, »Primitivität des Verhaltens«, »Instabilität« usw. In der Tat ist diese substrafrechtliche, parapathologische Serie, aus der sich zugleich die Illegalität des Begehrens und die Ohnmacht des Subjekts ablesen lassen, keineswegs dazu da, die Frage der Verantwortung zu beantworten; sie ist im Gegenteil dazu da, nicht darauf zu antworten und den psychiatrischen Diskurs daran zu hindern, diese Frage zu stellen, die dennoch implizit im Artikel 64 enthalten ist. Auf der Grundlage dieser Serialisierung des Verbrechens mit dem Substrafrechtlichen und dem Parapathologischen, auf der Grundlage dieser Inbeziehungssetzung, wird man um den Urheber des Verbrechens herum einen Bereich juridischer Unentscheidbarkeit anlegen. Man wird aus seinen Abweichungen, seinen Undurchschaubarkeiten, seinen Misserfolgen, seinen unermüdlichen und unendlichen Wünschen eine Serie von Elementen bilden, von denen aus sich die Frage der Verantwortung gar nicht stellt oder nicht mehr stellen lässt, da in den Begriffen dieser Beschreibungen das Subjekt entweder für alles oder nichts verantwortlich ist. Es wird zu einer rechtlich nicht fassbaren Persönlichkeit, deren sich folglich die Justiz, nach Maßgabe ihrer Gesetze und Texte, zu entledigen gezwungen ist. Das Subjekt, welches die Justizbeamten und Geschworenen vor sich haben, ist kein Rechtssubjekt mehr, sondern ein Objekt: das Objekt einer Technologie und eines Wissens der Wiedergutmachung, der Wiederanpassung, der Wiedereingliederung und der Züchtigung. Das Gutachten hat, kurz gesagt, die Funktion, den Urheber des Verbrechens, ob verantwortlich oder nicht, mit einem delinquenten Subjekt zu doppeln, welches das Objekt einer spezifischen Technologie sein wird.Foucault, Michel: Die Anormalen, S. 39f.

Warum aber, wenn diese jugendlichen Amokläufer ein so komplexes Phänomen sind, hat man sich auf so simplifizierende Erklärungen wie Mobbing versteift?Die Erklärung Langmans (und des Spiegels) ist dagegen wahnsinnig hochkomplex. Obwohl ich ja sonst in ganz seichten Gewässern fische, möchte ich diesmal meinen Lesern etwas Intellektuelles nicht vorenthalten:
Der folgende Punkt scheint auf der Hand zu liegen, aber man muss ihn aussprechen: Schul-Amokläufer sind gestörte Individuen. [...] Etwas hat in den Köpfen der Schul-Amokläufer nicht gestimmt. [...] Nach meiner Forschung gibt es drei unterschiedliche Gruppen von Schul-Amokläufern: psychopathische, psychotische und traumatisierte.Noch Fragen?

Liebe Betroffene von den Sozialkürzungen in Berlin, liebe AktivistInnen!
Seit Wochen leisten wir gemeinsam mit großer Solidarität untereinander Widerstand gegen geplante Kürzungen, unerwünschte Bebauungspläne, Schließungen und Stellenstreichung. Am 15. Oktober wollen wir berlinweit gemeinsam auf die Straße gehen und deutlich machen, dass wir die Kürzungen und Vorgaben der Politiker, die unsere Lebensqualität in Berlin weiter einschränken sollen, nicht hinnehmen.
Was ist genau am 15.10 geplant und wie soll es danach weitergehen? Um diese Fragen zu diskutieren, trifft sich das Bündnis "zur Rettung der Kinder- und Jugendarbeit" bzw. Widerstand Mitte am Samstag, den 10 Oktober im Linkstreff in der Malplaquetstraße 12, 15:00 Uhr
Gemeinsam mit euch wollen wir überlegen, was wir der Berliner Kürzungs- und Kommunalpolitik entgegensetzen können. Bitte leitet die Mail an weitere Betroffene weiter und kommt zahlreich!
Mit solidarischen Grüßen,
Anne Engelhardt
Bündnis zur Rettung der Kinder- und Jugendarbeit in Mitte, BV V (Verordnete der LINKE in Mitte)



Zu lernen, ein Wissenschaftler zu sein, ist nicht dasselbe, wie eine Wissenschaft zu lernen: Es bedeutet vielmehr, sich eine Kultur anzueignen, mit all den damit verbundenen, »nicht-rationalen« Sinnbildungen und Bedeutungskonstruktionen, die zu einer kulturellen Praxis gehören.Bruner, Jerome S.: Vergangenheit und Gegenwart als narrative Konstruktion, S. 51f. in Straub, Jürgen: Erzählung, Identität und historisches Bewusstsein, Frankfurt am Main 1998


Wenn man die Macht ausdrücklich als abstoßend, gemein, ubuesk oder einfach lächerlich vorführt, geht es, wie ich denke, nicht darum, deren Wirkungen zu begrenzen und durch Magie denjenigen zu entthronen, dem man die Krone verleiht. Mir scheint es im Gegenteil darum zu gehen, eindeutig die Unumgänglichkeit und Unvermeidbarkeit der Macht vorzuführen, die auch dann noch in aller Strenge und in einer äußerst zugespitzten gewaltsamen Rationalität funktioniert, selbst wenn sie in den Händen von jemandem liegt, der tatsächlich disqualifiziert wird.Was den seltsamen Widerspruch erklären könnte, mit dem manche Menschen wählen gegangen sind. Siehe dazu auch - im Umfeld - Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien, S. 82ff.Foucault, Michel: Die Anormalen, S. 29



Der Zuwachs der FDP kennzeichnet damit auch einen gesellschaftlichen Wechsel. Früher war die Ausbeutung der Arbeiterklasse durch den Kapitalisten das Erkennungsmerkmal der Epoche. An ihre Stelle ist die Ausbeutung von Angestellten und Mittelständlern durch den Staat getreten, wogegen die Geschröpften genauso rebellieren wie einst die geknechteten Arbeiter.
