20.10.2011

Die Spielregeln des Lebens

Ich habe gerade einen Artikel (Rezension) zu dem Buch Die Spielregeln des Lebens. 12 Gesetze, die unser Schicksal lenken verfasst; neben meiner ersten Lektüre, die der Rezension galt, folge ich einer zweiten, die der Rhetorik gewidmet ist, mit der dieses Buch arbeitet. Damit nehme ich eine alte Arbeit auf, in der ich mich mit der Rhetorik von Osho (also der Praxis, nicht der Theorie des Darstellens) beschäftigt habe.

Ein Fragment aus meinen Anmerkungen möchte ich euch hier zu lesen geben, weil es auch für die Politik einige bedeutsame rhetorische Mechanismen anspricht.


Wie baut man ein Bedrohungsszenario auf?
Die durchaus gute Schreibweise dieses Autors (viele aktive Verben) suggeriert, dass abstrakte Begriffe handlungsfähig seien: die Wissenschaft zum Beispiel; und handlungsfähig suggeriert weiter, dass dahinter eine Absicht, eine Art strukturell böser Willen stecke.

Wie also baut man ein Bedrohungsszenario auf?

Indem man (1) ein heterogenes Phänomen wie die Wissenschaft vereinheitlicht; dies geschieht vor allem grammatisch, indem es immer DIE Wissenschaft heißt (also immer im Singular); (2) indem diese abstrakte Einheit Handlungen ausführt; dies wird durch aktive Verben erreicht; (3) durch übertreibende oder verabsolutierende Adjektive, die entweder durch das Prädikat, durch ein beigefügtes Modalwort ("angeblich gesichertes Wissen" (Seite 6)) oder durch einen nachfolgenden Widerspruch disqualifiziert werden.

Dabei wird die Wissenschaft personifiziert, als eine Art tragischer Protagonist. Der Leser dagegen wird in die Position eines Zuschauers gerückt, der die Geschehnisse auf der Weltbühne jetzt distanziert betrachten kann und das Scheitern des Protagonisten aufgrund seiner Blindheit moralisch beurteilen kann.

So wiederholen die esoterischen (oder spiritualen) Texte die grundlegenden Mechanismen der Aufklärung und des aufklärenden Theaters.



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