23.12.2011

Ewiges Problem der Interpretation


Gerade lese ich in Bernhardt, Rüdiger: Rilke. Das lyrische Schaffen. Hollfeld 2009 folgenden Satz:
"Lyrik ist jene Gattung der Literatur, die den größten Freiraum der Interpretation bietet, weil es ihre Eigenart ist, dass nicht jedes Wort, jeder Vers und jede idiomatische Wendung eindeutig und vollkommen erklärbar sind." (Seite 51)
Das ist natürlich großartig falsch. Nicht zuletzt hat Umberto Eco in seinem Buch Das offene Kunstwerk von der unendlichen Semiose gesprochen, das heißt von einem Bedeutungsprozess, einem Prozess der fortwährenden Bedeutungszuweisung, der eben kein Ende hat. Und dieser gilt für jede Zeichenkonstellation, selbst für zunächst recht schlichte Sätze.
In der Dekonstruktion kommt es zu einer produktiven Interpretation, die herkömmliche Lesarten über den Haufen wirft, entkanonisiert, resignifiziert. (Siehe z. B. von Jacques Derrida: Restitutions, in ders.: La vérite en painture. Paris 1978. "Une analyse veut toujours délier." (p. 389), wobei Derrida mit der triple inutilité (p. 390) die Unentscheidbarkeit der Analyse (woher kommt die Analyse? was analysiert, was nicht?) betont.)
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