28.07.2008

Erholung & "Coaching-Tools"

In den letzten Tagen habe ich noch Überbleibsel längerer Überlegungen in den Blog gestellt. Letzte Woche hat dann das neue Projekt auf meiner Arbeit viel Kraft geraubt, und am Wochenende war ich dann etwas lustlos, noch viel für den Blog zu schreiben.

Zudem habe ich vier neue Bücher zum Rezensieren bekommen, alle aus dem managerSeminare-Verlag, und nach der ersten Durchsicht scheinen auch alle mindestens gut zu sein. Die vier Bücher sind:
  • Rachow, Axel: SICHTBAR. Die besten Visualisierungs-Tipps für Präsentation und Training
  • Methodensammlung für Trainerinnen und Trainer
  • Rauen, Christopher (Hrsg.): Coaching-Tools I + II
Coaching: Dramatisierung = praktische Relevanz & Narration
Im übrigen wird bei amazon.de die Sammlung mit Coaching-Tools als Kraut und Rüben bezeichnet, und die einzelnen Artikel als zu oberflächlich. Das ist mithin ein recht verfälschendes Bild dieser beiden Bücher, denn erstens hat Rauen nicht den Anspruch, hier tief in die Materie einzusteigen, und seine Mitstreiter natürlich auch nicht, zweitens kann er den Anspruch auch garnicht haben, denn sechzig Tools auf 348 Seiten lassen wenig Platz für tiefgreifende Darstellungen. Insofern wendet sich dieses Buch auch nicht an Einsteiger, sondern an solche, die über den Tellerrand des systemischen oder des humanistisch orientierten Coachings hinausschauen wollen.
Mich stört eher etwas anderes an den beiden Büchern: wie das Coaching selbst ist der Umgang mit Coaching-Werkzeugen ein Lernprozess. Hier aber bleibt das Buch, bzw. Rauen sehr vorsichtig bei einem Nehmen Sie sich, was zu Ihnen passt (einer Art hedonistischer Feyerabend: anything goes, as long as it is comfortable for you). Das verleitet geradezu zur methodischen Faulheit. Nun kann es aber nicht die Pflicht von Herrn Rauen sein, die Leser seiner Bücher zu einem intensiveren Einarbeiten zu bewegen, bzw. einem Sich-Selbst-Umarbeiten. So viel Lese- und Lernkompetenz sollte jeder Coach selbst mitbringen, schließlich hat man es doch mit gewissermaßen erwachsenen Menschen zu tun. Und mit einigen Grundkenntnissen anderer theoretischer Zugänge sollte dann auch ein Abschätzen eines Artikels möglich sein, und sei dieser aus dem psychoanalytischen Coaching (das es tatsächlich gibt).
Tools im Titel verleitet zu einer solchen Annahme: man packt einen Werkzeugkoffer aus, sucht sich das passende Tool heraus und arbeitet dann damit. Grundsätzlich kann man vom Werkzeugcharakter solcher Tools aber nicht sprechen, und insofern ist das Wort irreführend. Es handelt sich eher um kleine Dramatisierungen, die einer halbwegs geordneten kleinen sozialen Situation (also der Coaching-Sitzung) eine neue Wendung geben. Man hat es, mit einer Vergleich gesprochen, mit ähnlichen Prozessen zu tun wie beim Romanschreiben, beim Plotten: hier sind es die Szenen, die Wendungen einführen und so die Geschichte weitertreiben, und ähnlich den Szenen sind diese Tools geordnete Abläufe, die im Coaching dasselbe tun.
Man kann darin dann eine doppelte Einheit jedes Coaching-Tools sehen: einmal durch die Zielorientierung innerhalb der Dramatisierung, also ihrer praktischen Relevanz; und einmal durch die Einordnung in einen Prozess der Wandlung und des Entdeckens, also in eine Narration - Coaching ist doch schließlich nichts anderes als ein Bildungsroman ohne Buch.
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