29.10.2012

Kleines Eigenlob: Besucherzahlen

Ich bin mir nicht so ganz sicher, woher meine Rubrik Beliebteste Posts ihre Daten erhält. Meine interne Statistikanzeige von Blogger erzählt etwas anderes.
Auf jeden Fall erfreue ich mich einer immer größeren Anzahl an Besuchern. Ich weiß, dass meine Artikel manchmal schwierig zu lesen sind. Meine Arbeit an dem, was gutes Erzählen sein könnte, ist ein fortlaufendes Projekt. Und mein Versuch, dies wissenschaftlich auszudrücken, wird durch den unsicheren Horizont oftmals konterkariert.

Mein beliebtester Post im letzten Monat ist mein Artikel über die Katachrese. Er hat mittlerweile fast 2000 Besucher gehabt, ein Rekord, den ich bei meinen Anmerkungen zur politischen Rhetorik gar nicht gewohnt bin. Ich habe zu diesem Artikel bisher sieben E-Mails bekommen, was auch ein Rekord ist. Und ein nächster Rekord ist, dass alle sieben E-Mails freundliche E-Mails waren. Ich weise noch einmal darauf hin, dass ich diesen Artikel zwar nicht für schlecht halte, aber wie jede Argumentation ist sie nur ein Zwischenhalt und kann durch eine differenziertere Argumentation auch wieder ausgehebelt werden. Das ist Schicksal. Damit muss man rechnen, wenn man argumentiert. Es freut mich, dass gerade dieser Artikel anscheinend sehr beliebt ist. Aber behalten Sie bitte im Blick, dass ich keine absoluten Aussagen treffe. Ich bin kein Gott, sondern nur ein „Irgendjemand“, der sich bei seinem Nachdenken über die Schulter blicken lässt, in der Hoffnung, dass das für andere interessant und eventuell praktisch und nützlich sein kann.

Über meinen zweitbeliebtesten Post in diesem Monat bin ich gar nicht so glücklich. Es handelt sich um den zu Andreas Adlon. Natürlich halte ich es für wichtig, darauf hinzuweisen und dies auch öffentlich zu machen, dass ein Wort wie „Hassprediger“ deutlich zurückgewiesen werden muss; genauso, wie man die Argumentation zurückweisen muss, jemand habe keine Ahnung vom Rezensionen schreiben, nur weil die Rezension das Buch nicht gut bewertet. Ich habe für diesen Artikel sehr viel Zuspruch bekommen. Immerhin auch bisher 1500 Besucher.
Aber an dieser Stelle muss ich trotzdem deutlich meinen Ärger loswerden. Ich habe das Verhalten von Adlon beurteilt. Ich habe dies in deutlichen Worten getan. Und sicherlich hätte ich dezenter und freundlicher vorgehen können. Ich stehe auch zu meinem Urteil, das Adlon in seinem Roman geradezu eine Inkompetenz zeigt, was gute Erzähltechniken angeht. Vergleicht man das aber mit meiner beständigen Warnung davor, solche Erzähltechniken in Form eines Kanons oder einer Absolutheit zu sehen, dann sollte schon deutlich sein, dass es sich um ein Geschmacksurteil handelt. Da ich dieses Geschmacksurteil nicht weiter ausgeführt habe, handelt es sich um ein nicht begründetes Geschmacksurteil. Nun kann man sich zwar diese Begründung insofern erschließen, als ich anderswo an ähnlichen Fehlern tatsächlich herumkritisiere und dies begründe. Höflicher wäre es gewesen, wenn ich dies noch einmal deutlich ausgeführt hätte. Und zwar tatsächlich am Text von Adlon selbst.
Gelöscht habe ich zum Beispiel einen Kommentar, der durchaus für mich zustimmend gemeint war, aber eigentlich nur Beleidigungen über den Autor geäußert hat. Krank war noch das mildeste.
Ich möchte doch bitten, Kritik und Häme nicht für gleichwertig zu halten. Häme: das darf man mal in einem emotional aufgeladenen Moment. Diese wird aber nicht den Moment überdauern dürfen. Kritik dagegen gilt so lange, bis sie argumentativ zurückgewiesen worden ist. Und ich möchte auch noch einmal darauf hinweisen, dass man, wie ich in meinem vorhergehenden Artikel geschrieben habe, die Sphären trennen muss. Dass ich die Aussage „Hassprediger“ zurückweise, gehört einer gänzlich anderen Sphäre an, als mein Urteil, Adlon könne nicht ordentlich erzählen. Und sie müssen argumentativ je für sich getrennt ausgeführt werden.
Deshalb bin ich über den Zuspruch zu diesem Artikel nicht glücklich. Und möchte noch einmal alle bitten, dass Sie, wenn Sie einen Menschen beurteilen, sein Verhalten beurteilen, nicht das „Wesen“ seiner Existenz. Selbst wenn Adlon das auch getan hat: ich muss das ja nicht nachmachen. Wenn er von einem Hochhausdach springt, springe ich doch nicht hinterher.

Drittbeliebtester Artikel: Mimikry (209 Klicks). Der am wenigsten gelesene Artikel: Evolution, allerdings nur arbeitstechnisch (6). Viele meiner neue Artikel haben übrigens keine hohen Besucherzahlen. Allerdings rutschen sie häufiger, so ungefähr nach einem Jahr, auf eine günstige Position bei Google (mittlerweile). Das halte ich im Moment für einen durchaus äußerst angenehmen Zustand.

Etwas verwundert hat mich, dass mein Artikel zur Langeweile wieder so weit oben steht. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum das so ist. Immerhin scheint er aber ganz populär zu sein. Seit Blogger seine neue Statistik eingeführt hat (vor wohl ungefähr zwei Jahren), hat er 15.000 Klicks erhalten. Ein Traumergebnis!
Allerdings ist das zum Beispiel nichts gegen meinen Artikel über die Metapher. 300.000 Klicks. Das finde ich geradezu unglaublich. Nicht ganz so häufig besucht, aber ebenfalls über 300.000 Klicks, mein Artikel zum Plotten von Krimis. Der Artikel über das sinnentnehmenden Lesen liegt bei etwa 250.000 Klicks. Dieser Artikel enthält übrigens einen auch sehr traurigen Rekord: er ist mindestens fünfmal in Teilen und ohne dies kenntlich zu machen in eine wissenschaftliche Arbeit eingefügt worden. Mein Artikel über die rhetorischen Figuren: ebenfalls um die 250.000 Klicks (den müsste ich dringend überarbeiten, um ihn meinem aktuellen Kenntnisstand anzupassen). Weit abgeschlagen folgt dann wohl (ich habe aber nicht wirklich gründlich nachgeschaut) mein Artikel über den Grammatikunterricht: über 90.000 Klicks. Das freut mich insofern, als dieser Artikel zeigt, wozu wir die formale Seite des Satzes, also seine Grammatik, brauchen: für die inhaltliche Seite, also für die Logik der Bedeutung. Grammatik ist kein Selbstzweck. Sie dient zu etwas und dieses Etwas ist nicht das „richtige Sprechen“.
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