28.10.2012

Ist Marah Woolf die größte Schriftstellerin Deutschlands?

Marah Woolf sei, so schreibt mir eine Kommentatorin zu meinem Beitrag über Mikrologik, die größte Schriftstellerin Deutschlands. Und behauptet dann, ich habe keine Ahnung von guter Literatur.

Ich möchte darauf mal folgendermaßen antworten:
(1) Ich weiß nicht, welche Qualitäten man haben muss, um die größte Schriftstellerin Deutschlands zu sein. Sie mögen Frau Woolf anscheinend sehr gerne und das kann ich gut nachvollziehen. Ich habe den Roman nun gelesen und stellenweise auch genauer durchkommentiert. Beim Lesen ist es mir nicht schwer gefallen, der Geschichte zu folgen, im Gegenteil. Und das ist schon ein sehr gutes Zeichen. Bei einer genaueren Analyse der Schreibtechniken zeigt sich, dass Frau Woolf sehr genau weiß, wie man gute Schreibtechniken einsetzt. Das ist ein zweites Zeichen dafür, wenn auch ein subjektiveres, dass sie eine gute Autorin ist.
(2) Vermutlich stützen Sie Ihre Aussagen auf meine Wünsche nach Verbesserung ihres Schreibstils. Hier muss ich Ihnen natürlich insofern recht geben (falls Sie diese Stelle gemeint haben), dass ich davon ausgehe, welchen Schreibstil ich gerne mag und wo dieser mir in den Büchern von Frau Woolf nicht konsequent genug beachtet wird. Es ist also, wie ich immer predige, ein Geschmacksurteil. Ich lehne mich damit weit aus dem Fenster und entschuldige mich an dieser Stelle bei der Autorin und allen ihren Fans. Ich weiß, wie ich es gemeint habe. Aber ich habe es nicht deutlich genug erklärt und die Reichweite meiner Argumentation nicht deutlich genug eingegrenzt.
(3) Schließlich habe ich eher generell auf den Roman von Woolf verwiesen. Zwar halte ich meine Argumentationen erstmal für sehr brauchbar, aber zu einer wirklich guten Argumentation gehören präzise Argumente. D. h. ich müsste an ganz konkreten Stellen belegen, also zitieren, was ich dann argumentativ ausführe. Das habe ich nicht getan. Und damit kann natürlich die ganze Argumentation hinterfragt werden. Sie ist deshalb ja auch, so, wie ich sie geäußert habe, nicht wirklich konstruktiv. Auch in diesem Sinne kann ich Ihre "Meckerei" also nachvollziehen.
(4) Ich weise Sie noch einmal darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen guter und schlechter Literatur eine seltsame, bedingt auch schlicht unwissenschaftliche Unterscheidung ist. Deshalb halte ich mich eigentlich von solchen Urteilen fern. Der Kürze halber nutze ich sie dann doch. Ich setze dann einfach voraus, dass die Leser meines Blogs in etwa wissen, wie ich das meine. Sie dürfen sich natürlich trotzdem beschweren.

Deshalb noch einmal:
Wie Sie persönlich den Roman von Frau Woolf einschätzen, das dürfen Sie halten, wie Sie wollen. Ich finde ihn weitestgehend gut geschrieben und durchaus besser geschrieben als manches, was in offiziellen Verlagen veröffentlicht wird. Insofern handelt es sich nicht darum, den Roman generell abzulehnen, sondern eher um Feinheiten.
Und selbst, wenn ich hier komplett Recht hätte (was auch immer das bedeutet): ohne ein Geschmacksurteil, also ohne Ihre persönliche Bewertung, könnten Sie garnicht an der Kultur teilnehmen. Sie sollen natürlich an der Kultur teilnehmen. Nur so werden Sie für andere Menschen wertvoll. Und wertvoll sollen Sie sein, für sich und für andere.
Kommentar veröffentlichen