18.10.2012

Ereignissexualität

Ich hatte eben, im vorhergehenden Artikel, auf den Unterschied zwischen Gegenstandslogik und Ereignislogik hingewiesen. Dieselbe Unterscheidung kann man auch für die Sexualität einführen und durchdenken: ich weiß nicht, ob man diesen Schnitt so hart machen kann, aber zumindest perspektivisch kann man doch sagen, dass das biologische Geschlecht der Gegenstandslogik zuzurechnen ist, das kulturelle Geschlecht (gender) der Ereignislogik und dass so diese beiden Begriffe auf komplett unterschiedlichen logischen Ebenen funktionieren. 
Wäre das so, dann dürfte es eigentlich gar keinen Streit zwischen Biologie und gender-Theorie geben. Sie müssten sich ineinander verzahnen lassen, wie sich Gegenstände und Ereignisse in Geschichten verzahnen lassen. Und trotzdem könnte man sie trennen und ihnen einen je eigenständigen Raum zuweisen, so dass die eine Position die andere Position nicht absorbieren kann.

Das wäre natürlich „ideal“, wenn nicht zahlreiche Bereiche der Biologie mit einer Logik der Ereignisse erklärt werden müssten. Dazu gehören zum Beispiel die Ökologie und die Neurophysiologie in ihrer praktischen Anwendung. Es ist nämlich dieser Fuchs, der diese Maus frisst (ein Ereignis), und es ist dieser Reiz, der auf die Netzhaut trifft.
Und damit wäre die schöne Trennung, die ich eben suggeriert habe, auch schon wieder hinterfragt.

Zumindest aber kann man damit präzise angeben, warum Sexualität nicht gleich Sexualität ist. Es gibt eine biologische Sexualität. Und es gibt natürlich eine Sexualität der Ereignisse: die passiert immer genau dann, wenn Sex Spaß macht (davon haben Sie ja wohl schon gehört!).
Übrigens ist diese Tatsache, dass Sex Spaß macht, etwas, was die „Biologisten“ komplett übersehen: dabei spielt die Überlegung, ob dabei Kinder entstehen, überhaupt keine Rolle. Man könnte zumindest so argumentieren: hätte Mutter Natur gewollt, dass der Geschlechtsverkehr Spaß macht und zur Zeugung von Kindern führt, dann hätte sie die beiden Funktionen nicht auf die Keimapparate und das Gehirn verteilt. So aber muss man den Bruch zwischen den sinnlich-emotionalen Fähigkeiten des Menschen und seiner Möglichkeit, sich fortzupflanzen, deutlicher beachten.

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