08.05.2013

Was will uns der Autor dieser Rezension sagen?

Gitta Peyn hat ein Buch geschrieben über praktische Anwendungen von Schopenhauers Kunst, Recht zu behalten. Eine gute Idee. Angeblich sollen auch zahlreiche Übungen in dem Buch enthalten sein. Ich kann das weder verleugnen noch bestätigen. Ich kenne dieses Buch nicht. Dagegen will ich den Autor dieser Rezension erst gar nicht kennen lernen. Denn was will er uns sagen? Aber lest erstmal selbst (Hervorhebungen und Kommentare von mir):
Was man bei Gitta Peyn nicht findet, ist wortklauberisches pseudointellektuelles Geschwurbel. Nimmt sie sich eines Schopenhauers an, darf man nicht erwarten, in philosophischer Abgehobenheit sich seiner Überlegenheit zu freuen. Gitta Peyn ist eine Autorin mit Herz und Verstand, und sie hat den Finger immer am Puls des Praktischen. Ihre intelligente Einführung in eine Kritik am Schopenhauer'schen Menschenbild und ihre sinnvoll und einfach interpretierten Kunstgriffe am Ende des Buches zeigen, dass sie beides kann: tief denken und leicht überführen [was ja zweierlei bedeuten kann]. Und damit macht sie dieses Buch für die unterschiedlichsten Leser zugänglich. Mich hat gefreut, einer menschlichen Klarheit folgen zu dürfen und die Kunstgriffe von Schopenhauer mal nackt dastehen zu sehen ohne dieses 20.-Jahrhundert-Geschwurbel, das das Einfache gern verkleidet, um zu verbergen, dass so viel gar nicht dahinter steckt.
Jetzt wird der Schopenhauer für jedermann lesbar, und wenn man natürlich dieses Buch nicht mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichen darf, steckt doch dahinter derselbe Geist: Das Wissen gehört dem Volk [sic!], man muss es nur zu präsentieren verstehen.
Da leuchtet bei mir im Gehirn die Pseudointellektuelles-Geschwurbel-Lampe dermaßen hell auf. Ich weiß gar nicht, wohin mit all dem Licht.

Aber man sehe sich an, welche Metaphern der unbekannte Rezensent hier benutzt: es sind vor allem Metaphern des Körpers: Herz (für Gefühl), Puls (für Lebendigkeit), nackt dastehen (für Ehrlichkeit und Authentizität), verkleiden/verbergen (für Täuschung und Manipulation). Ebenso gibt es zwei wichtige Oppositionen in dem Text: durchschaubar/nicht durchschaubar (aus der Geschichte der Metaphern kann man hier lernen, dass Metaphern dieser Opposition umso populärer wurden, je unsicherer die Rechtmäßigkeit einer absoluten Wahrheit wurde: gerade auch Metaphern aus dem Kleidungsbereich verweisen auf diesen Verlust); kurz/lang, zum Beispiel bei wortklauberisch (kann als Metapher für (zu) lang gelesen werden). Über die Opposition hoch/niedrig (Abgehobenheit/tief denken) soll dann wohl etwas Revolutionäres, Umstürzlerisches angedeutet werden.

Im übrigen sollte dieser Mensch mal Schopenhauer lesen. Seine Kunst, Recht zu behalten ist kein sonderlich schwieriges Werk. Aber auch die anderen Schriften von Schopenhauer sind eigentlich eher klar. Dieser Mensch hat wohl noch nie Hegel gelesen (oder Adorno!), sonst würde er nicht so herumplärren.

Was also will uns der Autor dieser Rezension sagen? Er will uns sagen, dass dieses Buch für alle Menschen ist, die doof sind, die doof waren und die weiterhin doof sein wollen. Keinesfalls darf ein Mensch davon überzeugt werden, dass es nicht eine Frage der allgemeinen Intelligenz ist, ob man einen Philosophen versteht, sondern vor allem eine Sache der Lesegewohnheit. 
Kant zum Beispiel. Den fand ich am Anfang sehr schwierig. Aber das lag nicht an seinen Gedanken. Die sind nämlich sogar eher sehr schlicht. Schuld daran war einfach, dass ich diese alte philosophische Sprache nicht gewohnt war. Ja, man braucht ein wenig Durchhaltevermögen für diese alten, bärtigen Herren. Ein Buch, das mit menschlicher Klarheit geschrieben ist und in dem man Schopenhauer nackt anschauen muss, das will ich gar nicht lesen.
Was lernen wir daraus? Manchmal sind die positiven Rezensionen die größten Feinde eines Buches.
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