29.05.2013

Rechtschreibung und Grammatik in Spannungsromanen

Gewohnte Rechtschreibung macht eben das Lesen einfacher.
Man spricht in der Fachliteratur bei Romanen von einem "willing suspension of disbelief", einer "gewollten Verleugnung des Unglaubens" und meint damit, dass der Leser, solange er einen Roman liest, der Welt des Protagonisten ohne Zweifel folgt. Dazu gehört eben auch, dass man einen Text nicht literaturwissenschaftlich liest, also von der Sprache her und dass er aus Sprache gemacht ist.
Rechtschreibfehler bilden nun beständige Brüche in diesem Lesen. Sie erinnern uns daran, dass wir "in der Realität" nur Sprache vor uns haben und nicht das Auenland oder Hogwarts oder die geheimen Städte des Mars. Und damit holen sie uns aus jenem "willing suspension" heraus. Die Geschichte wird diffus und verliert ihre Spannung.
Dasselbe gilt für die Grammatik und die Logik zwischen Sätzen. Folgen wir W. v. Humboldt, so präzisieren diese die Vorstellungen, bzw. leiten zu einem guten, exakten Vorstellen an. "Der Hund liegt auf der Matte" ist eben genauer als "Hund". Ist diese Grammatik nun zu primitiv, zu befremdlich oder falsch, zerbrechen unsere Vorstellungen und unser Mitgerissenwerden von der Geschichte ebenso. Oder die Vorstellungen bleiben von Anfang an unklar. Auch das ist ein Spannungskiller.
Spannend ist, und für Autoren anstrengend, dass sie also beides gut können müss(t)en, es dem Leser aber keineswegs auffallen darf. Normalerweise springt und ruft man ja nicht, wenn man sich verstecken will. In einem (Unterhaltungs-)Roman muss man die Sprache verstecken, obwohl er daraus gemacht ist.
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