05.05.2013

Die gefährlichste Grenze der Welt — und ein Oxymoron

Nordkorea, gestehe ich, macht mir richtig Angst. Und dabei ist meine große Angst noch nicht mal die, dass Nordkorea Atomwaffen besitzen könnte, sondern einfach, dass der Irrsinn, den Kim Jong Un verbreitet, die ganze Region durcheinanderbringt. Nicht wirtschaftlich, sondern vor allem kulturell. Letzte Woche ist der Abgeordnete Manfred Grund (CDU) nach Nordkorea gereist. Der Focus berichtet online: "Man hat das Gefühl, in einem großen Arbeitslager zu sein."
Doch das war eigentlich nicht, was ich erzählen wollte. In dem Artikel gibt es eine schöne, wenn auch etwas tragische rhetorische Figur, die ich euch mitteilen wollte.
Welches mysteriöse Reich versteckt sich eigentlich hinter der gefährlichsten Grenze der Welt, der entmilitarisierten Zone zu Südkorea?
Der Journalist benutzt hier etwas, was ich argumentatives Oxymoron nennen möchte, in Mangel eines besseren Wortes. Das Oxymoron ist eigentlich eine Wortfigur, die einen scharfen Widerspruch in sich trägt. Als Wortfigur ist es ein einzelnes Wort, zum Beispiel hübschhässlich.
Auf der argumentativen Ebene müssen wir auf die Logik zurückgreifen. Soweit ich weiß, gibt es aber keine Bezeichnung für eine Zusammenstellung wie "gefährlichste Grenze der Welt"/"entmilitarisierten Zone". Deshalb hier der Begriff des argumentativen Oxymoron.
Bei der Phrase "gefährlichste Grenze der Welt" handelt es sich mindestens um eine Emphase (eine ausdrückliche Hervorhebung), wenn nicht gar um eine Hyperbel (eine Übertreibung; bitte achtet darauf, dass es hier zwei Folgeartikel gibt: vor allem der direkt folgende erläutert wichtige bedeutungstragende Merkmale).

Ich ergänze und danke Johannes Flörsch (ein befreundeter Lektor) für dieses wundervolle Zitat:
»Ein Oxymoron ist ein Widerspruch in sich, also ein hölzernes Eisen, eine dreieckige Kugel oder ‚Microsoft Works‘.«
Volker Gringmuth
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