01.01.2012

Kritzelromane und gute Dialoge

Nachdem ich mich am Morgen noch einmal mit Wittgenstein auseinandergesetzt habe, konnte und wollte ich nicht mehr etwas Intellektuelles tun und habe mich meinem seit Monaten vor sich hindümpelnden Roman zugewandt. Für mich ist das eher ein Probierstein, bzw., wie ich es oben genannt habe, ein "Kritzelroman", an dem ich jeweils das durchübe, womit ich mich gerade beschäftige. — Ich dümpele also weiter.

Übrigens ist das nicht das schlechteste. Die letzten zwei Wochen habe ich mich mit dem Dialog beschäftigt und hier sind sehr abgegrenzte Übungen schwierig, weil sich, meiner Meinung nach, gute Dialoge nur schreiben lassen, wenn diese in eine Geschichte eingebettet sind. Auch für die Einübung bestimmter Dialoge ist diese Einbettung von Vorteil. Deshalb ist ein Roman, dessen Setting man recht gut kennt, den man aber nicht zu Ende schreiben muss, sinnvoll. 
Für mich ergibt sich allerdings auch ein Nachteil. Will ich Übungen zu bestimmten Formen des Dialogs entwerfen und meinen Kunden geben, muss ich entweder das Setting vernachlässigen oder eines vorgeben (oder mir eines vom Kunden vorgegeben lassen). Dadurch aber muss ich mich immer auf individuelle Aspekte einstellen, was natürlich viel Arbeit macht.
Was den Dialog hier auch so einzigartig macht, ist seine hohe Flexibilität. Fast jeder Dialog verläuft anders. Und das, obwohl einige Grundelemente recht konstant sind. Es ist auch nützlich, diese Grundelemente zu kennen. Doch der Witz eines Dialoges besteht in der Anordnung, in der Komposition. Und hier erweist sich der Dialog fast als unsystematisierbar. Zumindest habe ich im Moment das Gefühl (und alle, die mich kennen, wissen, dass ich auf meine Fähigkeiten, etwas zu systematisieren, sehr viel halte).

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