07.01.2012

Der Herr Antifeminist ...

Natürlich lösche ich auch Kommentare, zum Beispiel diesen, den ich hier auszugsweise wiedergebe. Ich würde mich, schreibt ein Anonymus zu meinem Artikel über Herrn Wulff, bei den "Hardcore-Feministen" anbiedern und die biologischen Ursachen der Weiblichkeit leugnen.

Das ist nun bemerkenswert dumm. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Verbindung zwischen Biologie und Denken nicht so eindeutig ist, wie manche Biologisierer das gerne haben wollen. Die Plastizität des Gehirn ist nicht nur beeindruckend stark an die Reizaufnahme gekoppelt, sondern auch in verschiedenen Gehirnteilen sehr unterschiedlich. Es gibt im Groben Tendenzen, dass weibliche und männliche Gehirne in gewissen Teilen unterschiedlich funktionieren. Aber eine Tendenz bedeutet noch nicht, dass Frauen zum Beispiel von einer intellektuellen Reflexion ausgeschlossen wären. (Was Sie zwar nicht in Ihrem Kommentar geschrieben haben, was aber häufiger als Tendenz bei den Biologisierern anklingt.)

Abgesehen davon kann man, selbst wenn es eine Tendenz in diese Richtung gäbe, dies nicht auf eine einzelne Frau zurückschließen. Denn in der Natur gibt es immer eine gewisse Streubreite, und warum sollte es dann nicht bei Frauen solche "Ausreißer" geben? - Dieser ganze Absatz steht unter der Prämisse, dass es eine starke Verbindung zwischen Denken und Geschlecht gäbe. Doch selbst hier muss man den Kurzschluss von Art und Individuum kritisieren. Wenn man zum Beispiel mit Petra spricht, spricht man weder mit dem Wesen noch mit der Biologie der Frau, nicht mal mit der ganzen Petra, nicht mal mit ihrem gesamten Denken. Das liegt übrigens an der simplen Tatsache, dass man nicht sein gesamtes Denken gleichzeitig aussprechen kann, sondern, wenn überhaupt, nacheinander.

Biologisierer gehen auch davon aus, dass Biologie weitgehend eindeutig auf's Denken wirkt. Aber selbst wenn es eine "weibliche Denkbiologie" gäbe, zum Beispiel besonders emotional und intellektuell eher schwach, widerspricht dem die "Biologie der Willensbildung", die wesentlich mit höheren kognitiven Prozessen zusammenhängt, und die auch "irgendwie" biologisch angelegt ist. - Was auch immer das im Allgemeinen oder Besonderen bedeutet: Wer spricht denn von der Biologie oder der biologischen Veranlagung als einem einheitlichen Phänomen? Ja, warum sollten wir diese Anlagen nicht als heterogen, gar widersprüchlich denken?

Ich biedere mich also nicht den Hardcore-Feministinnen an, sondern werfe einige Argumente der kritischen Humanmedizin und der Anthropologie in den Raum. Vor allem versuche ich mich wissenschaftlich zu benehmen. Auch ich habe schlechte Erfahrungen mit bestimmten Frauen gemacht. Deshalb schließe ich aber noch lange nicht auf Frauen im allgemeinen oder auf biologische Ursachen.

Ihre anderen Beleidigungen zitiere ich hier nicht. Die sind noch dämlicher und nicht der Rede wert.
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