09.02.2009

Und Frau Spindler ...

deren einen Roman ich HIER rezensiert habe, mit bestem Wissen und Gewissen. Nun bin ich auf der Suche nach kleinen Plots zum Durchkonstruieren auf einen anderen Roman von ihr gestoßen: Der Engelmörder. Erst mal einer der üblichen Titel.
Nun interessiert mich allerdings nicht, was Frau Spindler schreibt, sondern ihre Leser. Ich hatte das schon einmal für Andreas Franz durchgespielt. Was also schreiben sich die Herren und Damen zusammen?
Es beginnt ja damit, dass der Leser ein überraschend unangenehmes Ereignis für die Ermittlerin ist:
Wie so oft ist die Ermittlerin, der wir hier begegnen, vom Schicksal geschlagen.
Manche Leserinnen von Spindler sind etwas langsamer von Begriff. Ob dass der Grund ist, dass die Ermittlerin sie als Schicksalsschlag empfindet?
Nach 200 Seiten fragte ich mich, was an diesem Buch denn nun so toll ist, dass es so gut bewertet wurde und zwang mich zum Weiterlesen. Nach ca. 250 Seiten änderte sich das dann.
Immerhin: wir müssen uns also deutlich früher nicht zum Weiterlesen zwingen. Trotz der doppelten Verneinung ist das ein prima Vorteil.
Was uns dieser Leser kritischerweise zusammenstrickt, wird wohl sein einsamer Weg bleiben:
"Der Engelmörder"klingt als Titel vielversprechend ist aber schlicht falsch. der ist und bleibt nämlich im Buch eher Randfigur, quasi der wirr geführte und wie beim stricken fallengelassene und wieder aufgehobene rote Pfaden, nur das sich im Gegensatz zum Stricken keine Logik im Ergebnis einstellen will.
Welche Logik das Stricken haben soll, verrät er uns allerdings nicht. Das wäre zuviel des roten Pfadens gewesen. Zumindest aber beerdigt er schon mal vorsorglich, sozusagen prähum, einen anderen großen Schriftsteller:
dass man sich den Aufschrei aller unterdrückten Karrierefrauen der durch das Tal der heiligen Vagina hallt, auf das sich Stephen King im Grab umdreht bildlich vorstellen kann.
Wenn dieser nicht aus seinem Grab herauskommen möchte, dann können wir uns dank dieser Leserin mit Klassikern vertraut machen. Und natürlich ihren Fehlern:
Es ist absolut klassisch aufgebaut und hat den Fehler, nicht dicht genug an seinen Charakteren zu sein, deren Motivation und Erlebniswelt wird zwar beschrieben, bleibt aber emotional unberührt.
Auch Sebastian Fitzek wird heranzitiert und zwar gleich mehrfach:
Super Thriller aller Sebastian Fitzek!!
Folgender Leser hat offensichtlich keinen Krimi gelesen, sondern eine Gebrauchsanweisung oder einen Artikel bei eBay. Vorsicht vor allzuvielen Metaphern, kann man da nur sagen.
Geboten wird ein Arrangement aus dem Zettelkasten, das dann auch noch hölzern beschrieben wird.
Mit demselben Rezensenten kann man sich übrigens über das Wesen des Opfers streiten. Zu dem weiß er nämlich folgendes zu sagen:
Opfer und Täter sind randständig und werden so oberflächlich abgehandelt, dass sie zu keiner Zeit richtig lebendig werden.
Wenn die Ermittlerinnen im Buch so urteilen, wie diese Rezensentin, muss es sich wohl wirklich um ein unlogisches Buch handeln:
In der zweiten Hälfte gibt es zum Ende einiger Kapitel sogar Hinweise, die einem manchmal den Atem stocken lassen. ...
Gut auch, dass es keine einzige Bettszene gibt! Dies ist schließlich ein Kriminalroman.

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