10.02.2009

Kapitalakkumulation, Nachlieferung

Nachdem ich den folgenden Text geschrieben habe, muss ich nochmal in mich gehen. Ich habe Wirtschaft immer am Rande mitlaufen lassen. Was mir fehlt, sind tiefere Einsichten in die Zusammenhänge zwischen Markt, Produktionsbedingungen und Geldströmen. Trotzdem mag ich hier den Artikel veröffentlichen, und werde nach und nach mein Dazulernen dokumentieren.

Obwohl operative Gewinne erzielt werden: viele Autozulieferer gehen pleite.
Schuld daran sind nicht nur hohe Zinsverpflichtungen für Kredite, sondern das Abschöpfen von Mehrwert. Werner Neugebauer, bayerischer IG-Metall-Bezirksleiter behauptet sogar, Edscha (ein Autozulieferer) sei "ausgesaugt bis zur Blutleere", und zwar durch Carlyle.
Beteiligungsgesellschaften sind "Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit überwiegend oder ausschließlich darin besteht, Beteiligungen an anderen, eigenständigen und unterschiedlichen Branchen angehörenden Unternehmen zu halten". Sie stehen mit "Kapitalbeteiligung als Aktionär im Vordergrund" und bilden meist eine "gewinnorientierte Minderheitsbeteiligung" (so wikipedia).
Tatsächlich beteiligen sich Beteiligungsgesellschaften mit ihrem Kapital, nämlich dem Mehrwert, den sie aus anderen Kapitalbildungen abgeschöpft haben. Aber: sie geben nicht das erworbene Kapital an die entsprechende Firma zurück, sondern erweitern die Möglichkeiten der eigenen Investition. Der so erworbene Mehrwert führt also nicht zu einer zum Beispiel Gewinnausschüttung für den Lohnarbeiter. Eine Schatzbildung bei diesen, und sei diese zeitlich begrenzt (wie eine Gewinnausschüttung zeitlich begrenzt ist), bleibt aus.
Es macht natürlich Sinn, wenn Politiker fordern, dass die Arbeiter ein Vorkaufsrecht bei Aktien der eigenen Firma haben sollen, da die Arbeiter nicht nur an den Dividende, sondern auch an dem Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes interessiert sind.
Dagegen zeigt sich derzeit, dass Beteiligungsgesellschaften aussteigen, wenn sie die Firma, bzw. die eigenen Gewinne bedroht sehen. Hier ist übrigens wieder einmal die Feinheit, dass heute nicht mehr zwischen Kapital (das aus Akkumulation von Mehrwert entsteht), Schatzbildung (das durch Sparen von erwirtschaftetem Geld in Form von Geld oder Grundgütern entsteht) und Krediten (Verleihen von Geld) unterschieden wird.
Aktien bestehen in einer Art Schuldscheinen, die kursnotiert sind. Schwankt der Kurs, schwankt auch die Höhe des Kredites, die man durch die Aktien dem Unternehmen hat zukommen lassen. Wenn man zehn Aktien à 20€ kauft, hat man 200€ verliehen. Fällt der Kurs auf 2€ pro Aktie, bekommt man 20€ zurück und hat 180€ Verlust gemacht. Umgekehrt können Aktien steigen und beim Verkauf der Aktien kann der Eigentümer Geld gewinnen, das er nie verliehen hat. Zudem gibt es die jährliche Dividende, die an den Gewinn eines Unternehmens angepasst ist und manchmal das eigentlich Interessante an Aktien ist.
Wie auch immer: die Vergabe von Aktien bedeutet für die Unternehmen, dass sie geliehenes Geld in das Unternehmen fließen lassen und so zwar das eigene Vermögen aufstocken können, sich aber von der Spekulation der Aktienbesitzer abhängig machen und aus dem Firmengewinn einen Mehrwert abzweigen, der weder dem Unternehmen selbst noch den Arbeitern zugute kommt.
Es wäre übrigens nicht richtig, das schon als Problem anzusehen. Das frei flottierende Kapital kann sich zum Beispiel in dem Konsum von Luxusgütern niederschlagen, die eigene Differenzierungen des Marktes ankurbeln und neue Bedürfnisse schaffen. Wir haben es hier also nicht nur mit einer Kapitalakkumulation zu tun, sondern zuallererst mit dem Potential einer Marktdifferenzierung. Das eigentliche Problem besteht eher darin, dass die Konzentration bestimmter Märkte auf wenige Konsumenten und die Ausdünnung unternehmerischer Gewinne durch den Abzug von Mehrwert zu Krisen führt, sobald der Kapitalist in eine Krise gerät. Nicht nur verschieben sich plötzlich rasch Konsumbedürfnisse, die sich krisenhaft auf bestimmte Märkte auswirken, sondern der Entzug von Krediten schädigt halbwegs gesunde Firmen.
Im Gegensatz zu manchem rückgekehrten Marxisten, den ich in den letzten Wochen hören konnte, sehe ich das Problem noch nicht im Mehrwert selbst, sondern in der Auswirkung der Kapitalakkumulation unter bestimmten Umständen. Es sind also die Produktionsbedingungen, nicht die Geldströme an sich, die hier genauer analysiert werden müssen.

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