28.02.2009

Kleiner Zwischenkommentar

Es ist mal wieder die Zeit, dass ich in meinen kleinen Sammlungen und Ordnungen untertauche.

1. Ich hatte eine Systematisierung dessen versucht, was mir in der Mailing-Liste zu Luhmann über den Humor zugetragen wurde, sehe aber noch nicht sehr klar.
Insbesondere macht mir gerade das Thema Erwartung und Reflexion zu schaffen, in dem Sinne: was macht der Witz erwartbar? und wie wird die Pointe, die ja diese Erwartungen enttäuschen muss, um hinreichend überraschend zu sein, trotzdem zu einer lustigen Pointe? schließlich: welcher Reflexionsgewinn steckt in einer Pointe für die Kommunikation und ist dies - wie Jörg Räwel behauptet - schon Metakommunikation?
- All dies ist, ihr seht und lest es, noch hinreichend abstrakt und verlangt nach einer brauchbaren, dichten Erklärung. Aber das werden wir später sehen.

2. Fünf Filme ausgeliehen bekommen, dreimal Hitchcock: Rebecca, Die 39 Stufen, Das Fenster zum Hof, und zweimal Kurosawa: Kagemusha, Ran.
Vor allem auf Ran habe ich mich sehr gefreut. Diesen Film hatte ich vor fast zwanzig Jahren das erste Mal gesehen und mich sofort verliebt. Trotzdem bin ich erstmal bei Hitchcocks Film Das Fenster zum Hof hängen geblieben. Ein wunderbarer Film, der gerade durch sein dezidiertes Kammerspiel eine enorme Intensität aufbaut.
Hitchcock hat dieses Vermögen, auch in Rebecca, die Kamera eine Bildbegrenzung setzen zu lassen, in dessen Rahmen sich die Gesichter zueinander bewegen und dadurch kleine Veränderungen einen großen Ausdruck bekommen. Solche Großaufnahmen eines Gesichtes, zweier Gesichter oder eine Aufnahme mit dem sich ausdrückenden Oberkörper werden meist ohne Kamerabewegung und ohne Bewegungen im Hintergrund gefilmt. Dadurch gerät das Mienenspiel zu dem dominanten Ausdruckswert. Man schaue sich nur die Szene an, in der Grace Kelly aus dem Fenster blickt und plötzlich die Augen weit und entsetzt aufreißt. Wir Zuschauer brauchen nichts weiteres, um zu begreifen, dass sie jetzt ihrem Freund glaubt und die fremde Frau als Opfer eines Mordes sieht.

Außerdem noch die Neuverfilmung von Nebel des Grauens, die nicht der Rede wert ist. Aus dem kriechenden Schrecken des Originals macht dieser Film eine bösartig angreifende Substanz. Das wird spätestens dann lächerlich, wenn der Nebel mal nicht angreift.
Dann werden alle knorrigen Figuren durch glatte Jungsche ersetzt, sogar die Radiomoderatorin und der Wettermann. Vor allem der Pater Malone ist ein so schwacher Abklatsch vom Original, dass es schlichtweg zum K****. ist ...
Schließlich ist die entscheidende Spannung des Originals durch die sechs Opfer vorgezeichnet, die der Nebel sich holt, und dadurch, dass am Ende, wenn nur noch ein Opfer fehlt, der Nebel sich nach zwei Menschen ausstreckt. Ich hatte dazu schon einmal geschrieben. Nun fällt genau dieser Spannungsmoment in der Neufassung weg. Der Nebel holt sich jeden, den er kriegen kann. Wären die potentiellen Opfer sympathisch, ginge das noch. Aber sie sind es nicht.
- Außerdem haut der Film mit einer Vielzahl von Schockeffekten um sich, die so inkonsistent wirken, dass es nur noch lächerlich ist. Im Original werden die Opfer immer erstochen. Hier aber werden sie mal verbrannt, mal von einem fliegenden Messer aufgespießt (das vorher auch noch spannungsträchtig wackelt!), mal überkommt das Opfer die Lust zu einer Spontanverwesung, etc. Dreimal doof, kann ich da nur sagen.

3. Vor einiger Zeit hatte ich einen Krimiplot fertig gestellt. Ich habe jetzt recht fleißig an dem Hintergrund herumgefeilt. Das heißt, dass ich vor allem einzelne Personen mehr und mehr ausgearbeitet habe. Der Weg vom Plot zu den Personen hat sich meiner Ansicht nach sehr gelohnt. Da ich diesen Krimi als einen Serienkrimi entwerfen wollte, brauchte ich natürlich das ganze Drumherum, um mir zumindest einen zweiten und dritten Krimi imaginieren zu können.
Das war der eine Grund. Der zweite: natürlich soll ein Krimi ein Krimi sein, aber ich wollte genügend Humor in der Geschichte haben, dass es nicht nur ein sozialkritischer Whodunnit wird, sondern zwischendurch auch einfach unterhält und aus der Situation heraus komisch ist. Das galt es in das Setting einzubauen, ohne den Krimicharakter zu stören. Insgesamt hatte ich mir als Ziel ein Genre gesetzt, das vor allem Krimi, dann aber auch ein wenig Soap und teilweise situationskomisch, teilweise slapstickhaft ist. - Wenn ihr jetzt gespannt seid: keine Angst, ich bin es auch. Noch ist die Geschichte nicht fertig geschrieben.
Schließlich wollte ich für diese Geschichte auch noch eine gewisse, strenge Komposition, so dass nicht einfach nur eine Geschichte erzählt wird, sondern sich bestimmte Aspekte ineinander spiegeln. Das hat mich am meisten Mühe gekostet. Ich wollte die Art und Weise der Mordes in einem allgemeineren Rahmen als Thema mitlaufen lassen, als ein Beispiel. Ich möchte jetzt natürlich nicht den Mord selbst verraten. Das Thema ist "Glück" (und wie man mit "Glück" jemanden umbringen kann). Jetzt stehen am Anfang und am Ende (diese Szene habe ich als erstes geschrieben) zwei Dialoge zum Glück und was es für den Menschen ausmacht. Sehr knappe, etwas tränenduselige Dialoge, aber in dieser Kürze und mit einem gewissen rührseligen Witz darin sehr brauchbar.
Heute abend habe ich mich dann endlich ans Schreiben gemacht. Da Plot und Setting jetzt fertig sind, die Szenen weitestgehend aufgeteilt, die Kapitel in ihrer Abfolge bestimmt, brauche ich jetzt nur noch Fleiß und Durchhaltevermögen.
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