12.10.2014

Warum Schreiben mehr als nur ein Hobby sein sollte

Eigentlich hatte ich es schon immer gewusst. Menschen, die schreiben, sind glücklicher und gesünder. Gerade finde ich einen Artikel (und erstaunlicherweise sogar einen gut belegten Artikel), der einige wissenschaftliche Forschungsergebnisse zusammenträgt. Da die Autorin vorsichtig interpretiert (sie ersetzt zum Beispiel Häufigkeiten nicht durch Kausalitäten, was die Autoren des Spiegels gerne machen, wenn sie wissenschaftliche Untersuchungen darstellen), verweise ich gerne auf diesen Artikel: Science shows something surprising about people who love to write.

Nun können nicht alle so gut Englisch, dass sie diesen Artikel ohne Mühe verstehen können. Deshalb gibt es hier, von mir, eine deutsche Übersetzung:

Die Wissenschaft entdeckt einige überraschende Tatsachen über Menschen, die das Schreiben lieben

Die Vorteile des Schreibens gehen weit über den Aufbau des Wortschatzes hinaus
Egal welche Qualität eure Prosa hat, die Tätigkeit des Schreibens führt zu starken physiologischen und psychischen Gesundheitsvorteilen, wie zum Beispiel langfristige Verbesserung der Stimmung, der Resistenz gegen Stress und depressive Symptome. In einer Studie von 2005 über die emotionalen und physiologischen Auswirkungen des expressiven Schreibens auf die Gesundheit fanden die Forscher heraus, dass bereits drei- bis fünfmaliges expressives Schreiben von je 15-20 Minuten während eines viermonatigen Kurses ausreichten, um deutliche Unterschiede zu zeigen. [Die Autorin berichtet allerdings nicht, auf was sich diese Unterschiede bezogen. Ich kenne nun diese Studie und trage ein wichtiges Ergebnis nach: es ging dabei um Menschen mit ausgeprägten Prüfungsängsten. Das expressive Schreiben half dabei, diese Prüfungsängste wesentlich zu verringern. Es gab noch einige andere wichtige Effekte, die von den Forschern damit in Zusammenhang gebracht wurden, wie zum Beispiel die Reduktion von Kopfschmerzen, eine geringere Anfälligkeit für Virenerkrankungen, so zum Beispiel Grippe, usw.]
durch das Schreiben über dramatische, stressige oder emotional belastende Ereignisse zeigten die Teilnehmer eine deutliche Resistenz gegen Krankheiten und eine geringere Beeinflussung durch Belastungen [trauma, was auch Verletzung oder Schock heißen könnte]. Die Teilnehmer verbrachten weniger Zeit im Krankenhaus, zeigten einen niedrigeren Blutdruck und bessere Leberwerte als die Kontrollgruppe.
Zudem kann vermutet werden, dass das Schreiben auch bei der Heilung physischer Wunden hilft. 2013 beobachteten neuseeländische Forscher die Wundheilung nach Biopsien [Gewebeentnahme, um zum Beispiel auf einen möglichen Krebs zu untersuchen]. Diese Untersuchung wurde mit 49 gesunden Erwachsenen vorgenommen. Diese haben zwei Wochen vor der Biopsie drei Tage hintereinander jeweils 20 Minuten über ihre Gedanken und Gefühle geschrieben. Elf Tage später war bei 76 % eine vollständige Heilung zu beobachten. Die Kontrollgruppe dagegen zeigte eine vollständige Heilung bei nur 15 % der Teilnehmer.
Aber selbst die Menschen, die an speziellen Krankheiten leiden, können ihre Gesundheit durch das Schreiben verbessern. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Asthma weniger Asthmaanfälle erleiden als diejenigen, die nicht schreiben; schreibende AIDS-Patienten zeigen eine höhere Anzahl an T-Zellen. Krebspatienten zeigten eine optimistischere Perspektive und konnten ihr Leben besser genießen.
Aber warum ist das Schreiben nun so wichtig?
James W. Pennebaker leitet seit vielen Jahren die Forschung zum „heilenden Schreiben“ an der Universität von Texas in Austin. „Wenn man den Menschen die Gelegenheit gibt, über ihre emotionalen Schwankungen [upheavals] zu schreiben, verbessert sich häufig ihre Gesundheit. Sie gehen weniger zum Arzt. Ihre Immunfunktion verändert sich.“
Warum? Pennebaker glaubt, dass die Tätigkeit des expressiven Schreibens den Menschen erlaubt, einen Schritt zurückzutreten und ihr Leben (neu) zu bewerten. Statt über ein Ereignis zu brüten konzentrieren sie sich darauf, vorwärts zu gehen. Dadurch sinkt ihr Stresslevel und korrespondierend dazu wird ihre Gesundheit verstärkt.
Ihr braucht also keine ernsthaften Romanschriftsteller zu sein und auch nicht ständig schriftlich zu reflektieren, um die Vorteile des expressiven Schreibens zu genießen. Auch das Bloggen oder Tagebuchschreiben reicht für Resultate aus. Eine Studie zeigt sogar, dass das Bloggen die Ausschüttung von Dopamin fördert, ähnlich dem Effekt beim Jogging oder beim Musik hören.
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