03.03.2014

Rückzug

Es ist ja ganz schön, seine Messer in aller Öffentlichkeit zu wetzen. Aber zumindest mir geht es so, dass ich rasch die Lust verliere, weil außer einer rhetorischen Analyse kaum ein Erkenntnisgewinn stattfindet. Es werden keine Inhalte besprochen, keine schärferen und besseren Betrachtungen erarbeitet, und in dieser ganzen Situation ist es dann auch überhaupt nicht mehr sinnvoll, auf der inhaltlichen Ebene zu argumentieren. So auch bei Matussek.

Matussek beschimpft und beleidigt Stefan Niggemeier, zum Beispiel so:
„Ich war nicht nur „eine Weile Kulturchef des Spiegel“, das war lange bevor Sie als geduckter Eigenbrötler an Bord kamen und schon nach zwei Jahren zur großen Erleichterung ihrer Kollegen das Weite suchten.“ (HIER)
Nicht ein Jahr zuvor schreibt er allerdings:
„Man sollte ein paar Regeln einhalten. Beleidigung ist ein Straftatbestand, von welchem Clown auch immer, und „Arschloch“ oder „Puffgänger“ geht nicht, erst recht nicht in der öffentlichen Arena, und es kostet, und es sollte kosten.“ (HIER)

Mittlerweile liegt eine Antwort des ZDF zur Lanz-Petition vor. Es werden Fehler eingeräumt.
Und es scheint nach wie vor die Politik des ZDF zu sein, dass ihr Niveau ansonsten sehr hoch sei und dieses eine Mal eine Sendung einen Ausreißer verursacht hat.

Ich habe viel gelesen. Dummerweise habe ich zum Beispiel einen Aufsatz gelesen, der hieß: „Verwahrlosung und Delinquenz von Schülern als Zeichen des Unglaubens“. Von dem selben Autor stammt ein Text, der sich „Existenzielles Christsein und antiautoritäre Konzeption“ nennt. Das habe ich erst hinterher entdeckt.
Der Autor beschäftigt sich mit der Frage, warum Jugendliche delinquent werden und punktet mit solchen Sätzen wie folgenden:
„Die Zeichen bzw. die Symptome von Verhaltensstörungen und Delinquenz haben eindeutige Ursachen; …“; 
oder:
„Wir werden noch sehen, dass die Trennung von Gott, das Misstrauen gegenüber seiner Heiligkeit und seinem Wort, auch die Trennung von Menschen impliziert, weil der Mensch, der von Gott getrennt ist, die Angst nicht zu überwinden mag.“

Aber es gibt auch schöne Sachen, die ich heute gemacht habe. So habe ich zum Beispiel, nach etwas längerer Pause, wieder viele Kommentare in meinem Zettelkasten geschoben. Ich hänge mittlerweile bei einigen meiner Kommentare Jahre hinterher. Gestern habe ich beschlossen, dass ich meine Notizen zu einigen linguistischen Werken übertrage, obwohl ich keines dieser Bücher fertig gelesen habe. Ich habe aber genug Material zusammen, hier zu systematisieren und bestimmte Aspekte demnächst zu einer kürzeren Liste zusammenzudampfen. Mit Hilfe dieser Liste werde ich mir dann hoffentlich ein wenig mehr Klarheit verschaffen können.
Ich hatte neulich nämlich den Fall, dass ich eine neue Notiz zu einem Buch geschrieben habe und mir einfiel, dass ich dazu schon eine ältere Notiz hatte. Diese hatte ich nun gesucht und tatsächlich auch gefunden (eine Seltenheit bei mir). Und siehe da, dort hatte ich einen ganz anderen Begriff gebraucht. In diesem Fall war das nicht sonderlich ärgerlich, da ich bereits wusste, dass diese Begriffe manchmal unterschiedlich und manchmal gleich verwendet werden. Da muss ich meine Aufregung aus früheren Jahren nicht wiederholen. Aber es gibt andere Begriffe, die ebenfalls sehr uneinheitlich gebraucht werden und ich weiß, wie sehr ich mich an das Vokabular eines bestimmten Buches halte. Das wäre ja auch nicht weiter schlimm. Aber wenn man dann verschiedene Bücher vergleichen will, muss man immer schauen, aus welchem Buch man welchen Begriff heraus sucht. Und dann kommt man schon schnell durcheinander.

Ein Video wollte ich auch noch machen und ins Netz stellen. Das war am Samstag. Da hatte ich noch eine ganze Menge Arbeit vor mir und als ich dann, zum ersten Mal nach anderthalb Tagen, wieder über Nachrichten aus der Ukraine gestolpert bin, war ich ziemlich entsetzt. Und das hat mir die ganze Lust genommen, mich auch noch an die Produktion zu wagen.

Ich habe mich also zurückgezogen. Wie ihr das von mir zeitweilig kennt. Es tut ja manchmal auch ganz gut, sich seiner Basis zu versichern, wie zum Beispiel der Semiologie. Durch die Rückbesinnung auf das Handwerk verpflichtet man sich zugleich auch der Begründbarkeit und der Bescheidenheit. Es mag ja sein, dass Menschen wie Jörges oder Matussek auch Gutes geschrieben haben, aber was sie sich in letzten Wochen geleistet haben, ist alles andere als hinnehmbar.
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