28.03.2014

Hacker, Toaster, Zoe Beck und Dobelli

Ein Hacker versucht herauszufinden, wie man aus einer Kaffeemaschine einen Toaster machen kann. Selbst wenn ein Toaster danebensteht.
Beck, Zoe: Brixton Hill.München 2014, S. 145
Zoe Beck zeigt, worauf es bei Denkfehlern wirklich ankommt und warum sie nicht Denkfehler genannt werden können. Das mag nun angesichts dieses Zitates verwundern, handelt es doch von etwas ganz anderem als Denkfehlern.
Wirklich?

Machbarkeit und Wirksamkeit

Parallel zu all den von mir in den letzten Wochen zitierten Büchern lese ich gerade (mal wieder) Motivation und Handeln von Heckhausen, jenes berühmte Buch über die Psychologie der Motivation. Was mich interessiert (nein, was einen meiner Kunden interessiert) ist die Machbarkeit und Wirksamkeit eines Menschen als Einfluss auf sein Selbstbild. Der Gründlichkeit halber liegt dieses Buch nun auf meinem Bücherstapel: um es entlang dieser beiden Begriffe noch einmal durchzuarbeiten.

Wirksamkeit trifft immer "irgendwie" auf Machbarkeit. Die Gesellschaft nimmt bestimmte Wirkungen hin, schiebt anderen aber einen Riegel vor. Es gibt Grau- und Grenzbereiche, es gibt Andersorte, an denen andere Wirkungen möglich sind, die eigens dafür eingerichtet sind, solche anderen Wirksamkeiten herzustellen. Operationssäle etwa. Im Alltag dulden wir keine Menschen, die vermummt und mit Skalpell durch die Gegend rennen.

Änderungen denken können

Zoe Beck weist mit ihrem Beispiel darauf hin, dass es manchen Menschen nicht um ein schlichtes Funktionieren geht, sondern darum, sich auszuprobieren. Zu schauen, wozu man selbst in der Lage ist. Oder ob etwas herstellbar, machbar ist.
Unter der Ägide der Bequemlichkeit wäre es sicherlich ein Fehler, so etwas zu tun. Nimmt man die (eigene) Wirksamkeit als Leitidee, dann ist es sinnvoll.
"Warum hast du mein Bier getrunken?" empört sich Sven Glückspilz. Und Hägar antwortet: "Weil es da war!"

Die Herrschaft der Ideen

In einer Sache irrt Dobelli. Es gibt keine Denkfehler. Ich sagte es bereits. Eine Schlussfolgerung ist, so könnte man sagen, keine Schlussfolgerung. Und sicherlich: Genau darauf weist der Autor in seinem Buch Die Kunst des klaren Denkens hin. Wenn man bereit ist, es so zu lesen. Eine Schlussfolgerung ist immer nur ein abgeleitetes Urteil unter tausenden von anderen abgeleiteten Urteilen. Jeder "Denkfehler" verweist auf potentiell tausend andere "Denkfehler".
In einer anderen Sache irrt Dobelli ebenso, aber eben nicht immer. Manchmal verschweigt er auch das Prinzip dahinter. Schlussfolgerungen, Urteile, all dies steht immer unter der Herrschaft bestimmter Ideen. So wie die Wandlung der Kaffeemaschine zum Toaster unter der Herrschaft der Bequemlichkeit nichts gilt, unter der der Wirksamkeit sehr viel.
In der Glosse "The swimmer's body illusion" schreibt er zum Beispiel, dass manche Menschen den Schwimmern nacheifern, weil diese einen so tollen Körperbau haben und deshalb attraktiv wirken. Diese Nacheiferer glauben nun, dass sie durch Schwimmen einen ebensolchen Körperbau erlangen können. Dobelli spricht nun aber davon, dass genau das nicht passieren muss. Wenn zum Beispiel der Mensch keine Veranlagung zu einem solchen Körperbau hat. Dann aber ist natürlich nicht das Schwimmen unnütz, sondern die Idee dahinter. Mit einer anderen Idee (Ausdauer, Fitness, etc.) kann Schwimmen durchaus sehr sinnvoll sein.

Methoden statt Fehler

Insofern sind auch Denkfehler nicht als Fehler zu lesen. Sie erweisen sich nur dann als ungünstig, wenn sie sich bestimmter Sachverhalte bemächtigen, zu denen eine herrschende Idee inkompatibel ist. Umbauen mag allgemein als nützlich anerkannt werden. Der Umbau von Kaffeemaschinen in Toaster ist erst mal eine recht neutrale Aussage. Unter der Idee der Bequemlichkeit ist sie es wiederum nicht. Dann sieht dies wie ein Fehler aus.
Ebenso ist Schwimmen eine neutrale Tätigkeit. Wenn man aber schwimmt, um so auszusehen wie ein Schwimmer, kann sich das ebenfalls als Fehler erweisen.
Der Denkfehler ist also eigentlich eine Methode. Nur wird diese Methode nicht durch die korrekte Anwendung sinnvoll, sondern durch die Idee, die dieser Methode den Kontext gibt. Wer sich darauf hin noch einmal den Dobelli durchliest, wird merken, dass er nicht nur die Ideen nicht benennt, sondern sich auf sehr unterschiedliche Ideen verlässt.
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