24.07.2012

Thomas Mann lese er nicht,

so mein Deutschlehrer an meiner Berufsschule während meiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker. Grund sei, dass der durchschnittliche Satz bei ihm 28 Wörter zähle. Nun, auch das ist eine Art von Logik.
Manns Werk Der Tod in Venedig ist gerade 100 Jahre alt geworden. Grund genug für Edo Reents, stellvertretendem Leiter des Feuilletons der FAZ, ein Feuilleton zu verfassen: Pervers? Was für ein pfuscherisches Wort!
Reents jedenfalls macht sich daran, den Satzbau eines Thomas Mann ein wenig nachzuahmen. Allerdings kommt er hier nicht, wie das bei Mann häufiger üblich ist, zu einer streng durchrhythmisierten Prosa, sondern zu in sich verschachtelten Sätzen, mit teils schwer verständlichem Gehalt. Ein Beispiel:
So ergibt sich der verblüffende Befund, dass sich gerade das nicht homosexuelle Milieu diese Erzählung bieten ließ, während das homosexuelle sie, soweit dies anhand der wenigen Stimmen rekonstruierbar ist, wegen ihres bösen Endes ablehnte, das eine begeistert-identifikatorische Lesart zumindest erschwerte.
Thomas Mann behagt mir nicht mehr. Vor etwa fünf Jahren habe ich noch einmal den Zauberberg gelesen. Danach habe ich Joseph und seine Brüder angefangen, bin aber nicht über die ersten hundert Seiten hinausgekommen.
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