01.07.2012

Onkel = Glück

Einen Onkel zu haben bedeutet manchmal ein großes Glück. In diesem Fall handelt es sich um meinen Onkel Hanfried, dem Zwillingsbruder meines Vaters. Wir hatten heute Abend wieder einen Schlemmerabend, mit leckerer Pasta, Rotwein und frischen Erdbeeren als Dessert. Zum Abschluss schenkte Hanfried mir eine "Deutsche Literaturgeschichte" von einem gewissen Alfred Biese. Dieses dreibändige Werk hat mich alleine schon deshalb begeistert, weil sich unter den Dramatikern der Gegenwart ein Arthur Schnitzler und ein Gerhart Hauptmann befinden, unter den aktuellen Erzählern den von mir sehr geschätzten Eduard von Keyserling. Das Buch von Biese ist also schon etwas älter, in dieser Ausgabe (genauer gesagt) aus dem Jahre 1917. Gelesen habe ich bisher nur die Passage zu Nietzsche, die zwar recht süßlich ausfällt, aber diesem seltsamen Philosophen wesentlich gerechter wird, als Johannes Hirschberger in seiner Geschichte der Philosophie. 
Tatsächlich schafft Hirschberger es nicht, auch nur irgend eine Leistung von Nietzsche anzuerkennen und spekuliert damit, dass seine psychische Erkrankung bereits wesentlich früher zum Tragen gekommen wäre (trotz Jasper!). So sehr ich den Hirschberger für seine Darstellung der scholastischen und idealistischen Philosophien schätze: Alles, was er zu den Nachfolgern von Hegel zu sagen hat, Marx zum Beispiel oder auch Wittgenstein, ist grausamer Murks. Die Frankfurter Schule ignoriert er einfach.
Glücklicherweise ist Hirschberger nicht mein Onkel und so vergnüge ich mich jetzt mit einer historischen Darstellung der deutschen Literatur. Besonders schön finde ich, dass der Autor (ohne Ressentiments) auch weibliche Schriftstellerinnen in Hülle und Fülle würdigt, deren Namen mir teilweise überhaupt nicht geläufig sind.
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