26.07.2012

Schon mal was von Evolutionstheorie gehört, Frau Schwarzer?

Politik- und Sozialwissenschaften? Das sind Verbalwissenschaften, die mit echten Wissenschaften nichts zu tun haben.
so schreibt der Amazon-Kunde Christian Sturm in einem Kommentar zu einer Rezension von dem Buch von Kristina Schröder hier
Sturm liest vor allem feministische Bücher, so scheint es, und rezensiert diese dann mit einem Stern. Besonders lachen musste ich allerdings über seine Rezension von Alice Schwarzers Buch Die Antwort.
Bei diesem Buch handelt es sich um eine einzige Abfolge unlogischer Schlüsse, die in der Summe dann irgendwie schon wieder lustig wirken. 

Ich habe bei der Lektüre des Öfteren laut lachen müssen. Ganz typisch der Satz auf Seite 45: "Zahlreiche Funde der neueren Zeit sprechen eher für eine Teilnahme der Frauen an der Jagd, während der Nachwuchs vom zurückbleibenden Rest versorgt wurde, von Alten oder Fußlahmen. Leuchtet ja auch ein. Als hätten die Steinzeitmenschen sich das Brachliegen einsetzbarer Kräfte erlauben können." 
Was heißt hier Brachliegen? War die stillende Mutter oder schwangere Frau etwa eine brachliegende Kraft. Oder gingen die Männer nicht eher deshalb zur Jagd, um die stillende junge Mutter mit reichlich Energie versorgen zu können? Aber das kennt man ja bereits aus den anderen Büchern der Autorin: Mütterliche Arbeiten sind für sie von geringer Bedeutung. Und bestimmt gab es in der Steinzeit auch bereits Milupa aus dem Fläschchen, gereicht von den Alten und Fußlahmen. Kleiner Tipp: Hin und wieder einmal Winnetou schauen. 

Desweiteren die Klagen darüber, dass die meisten Menschen weiterhin ihre sexuelle Identität dem biologischen Geschlecht anpassen (z. B. S. 47). Schon mal was von Evolutionstheorie gehört, Frau Schwarzer? 

Der eigentliche Höhepunkt sind dann aber ihre Äußerungen zum neuen Menschen, den sie gerne hätte (S. 168): "Ja, es stimmt, die schlimmsten Albträume der Fundamentalisten und Biologisten müssten wahr werden: Das werden nicht mehr die gewohnten 'Frauen und Männer' sein (...), sondern herauskommen wird ein 'neuer Mensch'. Ein Mensch, bei dem die individuellen Unterschiede größer sein werden als der Geschlechtsunterschied." 

Mal abgesehen davon, dass solche Fiktionen ja gleichfalls nicht mir der Evolutionstheorie in Einklang zu bringen sind: Wünschen kann man sich viel. Tue ich übrigens auch ständig. Ich wünsche mir beispielsweise, dass Deutschland von jetzt an und für immer Fußballweltmeister wird, meinetwegen mit lauter durchgegenderten Spielerinnen, die nach jedem erzielten Tor ihre Trikots hochreißen. Aber komischerweise hört man in solchen Zusammenhängen nie etwas von Gleichheit. Im Sport sieht man es als selbstverständlich an, wenn Frauen für eine deutlich schwächere Leistung und bei geringerem Zeit- und Kraftaufwand (z. B. 2 Siegsätze statt 3) die gleichen Preisgelder erhalten. Aber wer behauptet denn auch, die Welt sei gerecht? 

Alice Schwarzer hat für ihre Leistung, einen Großteil der Frauen - auf Kosten der Nachwuchsarbeit und der Zukunftsfähigkeit unseres Landes - für die Wirtschaft mobilisiert zu haben (wodurch uns niedrige Löhne und hohe Arbeitslosenquoten beschert wurden), zweimal das Bundesverdienstkreuz erhalten. Recht so: Denn wenn es sich schon nicht die Steinzeitmenschen erlauben konnten, ihre Frauen "brachliegen" zu lassen, dann das moderne Deutschland ja wohl erst recht nicht, oder?
Dazu fällt einem nichts mehr ein, oder? Besonders interessant finde ich, dass diese Biologisten, die sich so gerne auf die Evolutionstheorie berufen, offensichtlich nichts von der Plastizität des Gehirns gehört haben. Auch von der gesellschaftlichen Evolution (nennt sich manchmal auch: Geschichte) weiß der gute Mensch nichts. Und selbstverständlich hat sich der Mann in den letzten 50.000 Jahren nicht verändert. Schon damals, knapp vor der Eiszeit, war das dringendste Bedürfnis des Mannes, kein Spiel der Fußball-WM zu verpassen (was die logische Weiterentwicklung des Jagdverhaltens ist).
Alice Schwarzers Statement, dass Frauen an der Jagd beteiligt gewesen seien, ist begründet. Dies kann man in Leroi-Gourhans Werk Hand und Wort nachlesen. Und dort auch folgendes:
Das zugrunde liegende Phänomen ist durchaus eine allgemeine Erscheinung, die nur deshalb eine Besonderheit des Menschen darstellt, weil seine Ernährungsweise außergewöhnlich ist; die zuweilen sehr strengen Grenzen der Spezialisierung und all die daraus resultierenden traditionellen Rationalisierungen des Nahrungsaustauschs zwischen Mann und Frau gehören dagegen vollständig der menschlichen, sozialen Seite dieses Phänomens an. 
Leroi-Gourhan, André: Hand und Wort. Frankfurt am Main 1995, S. 196
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