20.12.2008

Nightmare on St. Elms Street

Horrorfilme sind etwas Feines, wenn sie gut gemacht sind. Aber auch sonst kann man sich aus allerlei Gründen für sie interessieren.
Ich habe ja einiges zu Metonymien geschrieben. In Filmen kann man beobachten, dass dies auch mit visuellen und musikalischen Mitteln funktioniert:
  • In A Nightmare on St. Elms Street sieht man relativ zu Beginn, wie Freddy seine Klingen-Handschuhe herstellt. Diese Handschuhe stehen als Metonymie Teil-Ganzes für Freddy Krüger, und zwar, nachdem er als Albtraum wiederkehrt. Gleichzeitig sind diese Handschuhe aber auch eine Metapher für den Schrecken, der er verbreitet. Der Film fängt diese Metapher dadurch ein, dass er die Bilder von dem Handschuh (der an Freddys Hand steckt) und dem entsetzten Gesicht nacheinander montiert.
  • Der zweite Teil Freddys Rache beginnt mit einer Fahrt eines Schulbusses. Die Musik bringt hier zwei typische Leitmotive. Das erste ist ein einzelnes Horn, das eine nach oben steigende Melodie spielt, mit einer abschließenden fallenden Kadenz. In amerikanischen Filmen wird dies häufig für einen verhalten optimistischen Alltag eingesetzt, man vergleiche das mit Der weiße Hai. Gewohnheitsmäßig ist also diese Art eines melodischen Einsatzes des Horns eine Metonymie für Alltag. Gleichzeitig spielt aber auch ein Klavier im Hintergrund, und zwar in weit auseinanderliegenden Einsätzen einen leisen, aber deutlich dissonanten Akkord, als würde jemand einfach wahllos auf die Tasten hauen. Der Akkord hat keine tiefen Bestandteile: er klingt dissonant und schrill. Das ist wieder ein typisches musikalisches Element von einer Situation, die in einen Schrecken münden wird. Auch hier bereitet die Hörgewohnheit metonymisch das folgende Geschehen vor. Wir erwarten den Schrecken. - Ein verhalten optimistischer Alltag und ein metonymisch angekündigter Schrecken: jetzt kommt als drittes Element die Busfahrt hinzu, während der der Bus sich immer mehr leert, bis schließlich nur noch drei Schüler in ihm sitzen (Metonymie für Vereinzelung: Vereinzelung wieder deutet im Horrorgenre darauf hin, dass derjenige gleich angegriffen und umgebracht wird). Der eine Schüler hat zudem dunkle Augenringe (eine Metonymie für Schlaflosigkeit, die wieder für schlechtes Gewissen, Angst oder ähnliches steht, also diese metaphorisiert).
Solche Ketten von Metonymien sind recht gängig, vor allem wenn es sich um Genres handelt, die sehr konventionell arbeiten. Sieht man sich Filme wie Thirty days of night an, dann hat sich in den erzählerischen Mitteln des Horrorfilms wenig geändert.
Andere Filme dagegen führen durchaus eine ganz neue Sprache in das Horrorgenre ein, zum Beispiel der ganz hervorragende Film So finster die Nacht, dessen blutiges Ende aus einem solch skurrilen Blickwinkel heraus aufgenommen ist, dass es komisch wirkt - und natürlich auch komisch wirken soll.
Auch Twilight, mit dem deutschen Sch****-Titel Biss zum Morgengrauen, bedient sich ganz anderer Mittel als denen des klassischen Horrorfilms. Es ist eher eine Urban Fantasy, mit Vampiren eben, und die haben andere Ketten von Metonymien.      
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