01.12.2008

Motivation und Problemorientierung

Wie oft habe ich erlebt, dass sogenannte Motivationstrainer oder Teamleiter durch Lob ihre Mitarbeiter zu motivieren versuchen. Gerade lese ich wieder den wunderbaren Satz von Sprenger, dass Belohnung zwar motiviere, nicht jedoch zum Arbeiten, sondern zum Belohnt-Werden. Und ähnlich ist es doch mit dem Lob: dieses motiviert vor allem zum Gelobt-Werden. Dreikurs - ein amerikanischer Vertreter der Adlerschen Individualpsychologie - hat deshalb das Lob als eine Form der Manipulation angesehen, und diesem die Ermutigung entgegengestellt.
Ich trage seit Jahren eine ganz andere Idee mit mir herum: man muss sich die Dinge interessant machen. Was aber heißt das?
Geht man von der Neurophysiologie aus, dann ist unser Gehirn darauf gepolt, neue Informationen zu sammeln. Dabei gibt es einen goldenen Mittelweg: weder zu viele Informationen noch zu wenige. Man kann also ganz allgemein davon ausgehen, dass jeder Mensch lernen will, weil sein Gehirn lernen muss.
Interessante Dinge sind folglich Dinge, die genügend Neuheiten versprechen. Betrachtet man die Motivation, so kann diese aus zweierlei Gründen versagen: entweder gibt es zu viel Neuheit oder zu wenig. In beiden Fällen aber hilft es, hier auf eine Problemorientierung umzusteigen.
Denn sowohl wenn man aus zu viel Neuheit vor einer Sache zurückschreckt, als auch, wenn man durch zu wenig Neuheit gelangweilt ist, kann die Arbeit an Problemen zurück zum Lernen führen, und zwar einfach dadurch, dass man die Probleme ausarbeitet und differenziert. Für den Überforderten strukturiert sich damit das Problem und wird überschaubarer, für den Gelangweilten ergeben sich hier Möglichkeiten des Mitdenkens, Mithandelns.
Natürlich wird dies nicht immer so funktionieren. Um sich mit einem Thema über Jahre zu beschäftigen, sollte es sich schon um "ein weites Feld" handeln. Und wenn es nicht so ist, dann hilft nach einiger Zeit auch die beste Problemorientierung nicht mehr.
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