05.12.2008

Rachel Caine: Sturm der Dämonen

Zur Zeit lese ich - für media-mania - Sturm der Dämonen von Rachel Caine. Der Titel ist irreführend. Im englischen Original heißt das Buch Ill Wind, Kranker Wind. Das trifft die Sache viel besser.

Worum es geht?
Joanna Baldwin ist eine Wetterwächterin. Sie hat die Fähigkeiten, in Wettervorgänge einzugreifen, Wirbelstürme zu verhindern, Dürre und Überschwemmungen zu verhindern. Doch diese Arbeit ist schwierig. Denn das Wetter ist ein komplexer Kreislauf und was auf an einem Ort verhindert wurde, kann an anderen Orten zu einer Katastrophe führen.
Nun hat Joanna aus zunächst nicht ersichtlichen Gründen einen Vorgesetzten umgebracht. Sie befindet sich auf der Flucht, verfolgt von ihren Arbeitskollegen und mit wenig Aussicht auf Entkommen.
Erst nach und nach zeigt der Roman die Gründe, warum Joanna zu diesem Mord getrieben wurde. Parallel dazu wird der Plot in ein großartiges Showdown getrieben. Und, als dritter Strang, wird eine Liebesgeschichte erzählt: Joanna gabelt unterwegs einen Anhalter auf. Erst ist sie sehr zwiegespalten, da sie den jungen Mann in große Gefahr bringt und sich auch noch in ihn verliebt. Als sie aber nach und nach merkt, dass dieser David nicht nur wesentlich mehr ist als ein Shakespeare lesender Tramper, sondern auch Joanna in ihren ganzen Zweifeln auf sehr lakonische Art trösten kann, lässt sie diese Beziehung zu.

Rachel Caine schreibt hier einen Roman, der sehr unterschiedliche Erzählstränge eng miteinander verknüpft. Das alles ist so hervorragend konstruiert, dass man sich nicht vorstellen mag, wie viel Arbeit und wie viel Schreiberfahrung in diesem Buch stecken. Doch genau das macht eine der Qualitäten dieses Romans aus: dass es so selbstverständlich auf den Showdown zuläuft, dass ich mich als Leser nicht manipuliert fühle.
Etwas anderes aber begeistert mich an diesem Roman noch mehr. Er ist durch und durch sinnlich. Alles, von den Regentropfen zur Straße, über die Joanne flüchtet, von der Haut ihres Geliebten bis zu dem Auto, das sie fährt, alles ist prägnant, vorstellbar, knackige, dramatische, erotische Realität. Dazu gehört, dass die Beschreibungen knapp und präzise sind. Es gibt kein detailfreudiges Herumgeeiere und keine Allgemeinplätze. Die Erzählung geht trotz dieser prallen Sinnlichkeit straff voran. Dazu gehört aber auch, dass die Personen stark charakterisiert sind und dadurch eine psychische Präsenz bekommen, die einfach umwerfend ist.
Wer Erotik schwülstig mag, oder wer findet, dass Erotik nicht in ein Fantasybuch gehört, sollte allerdings die Finger von diesem Buch lassen. Caine ist auch hier so eindeutig weiblich, wie unprätentiös.

Dass Rachel Caine mit diesem Roman ein Bestseller gelungen ist, kann ich nur als Glück betrachten. Denn Bestseller glänzen nicht immer durch einen zugleich raffinierten und spannenden Plot und eine hervorragende Erzählweise. Caine aber bietet all das.
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