01.06.2013

Der Berliner Flughafen BER; die rhetorische Seite der Meinung

In den letzten Monaten habe ich mich immer wieder über die online-Ausgabe der Welt geärgert. Rechtschreibfehler, mangelnde Zeichensetzung, teilweise völlig absurde stilistische Patzer und eine infantile Parteilichkeit, ja fast eine Fetischisierung zum Beispiel von Angela Merkel, haben die Artikel dort zu einem echten Ärgernis gemacht.
Heute allerdings finde ich einen schönen Artikel, der auch rhetorisch recht interessant ist: Berlin und Brandenburg werden unter Niveau regiert. Diese rhetorische und argumentative Seite möchte ich genauer beleuchten; das Folgende ist also weniger politisch, als (schreib-)didaktisch gemeint. Auch wer sich weniger für den journalistischen, dafür mehr für den prosaischen Bereich interessiert, darf sich hier natürlich den einen oder anderen Gedankengang abschauen.

Aufbau des Artikels
Formal ist der Artikel durch einen Titel, einen Einstieg, ein Bild und sechs ausführende Absätze strukturiert. Zwischen dem dritten und dem vierten Absatz gibt es eine Zwischenüberschrift.

Inhaltliche Struktur des Artikels
Der Aufbau richtet sich nach inhaltlichen Kriterien. So ist die Überschrift in gewisser Weise provokativ; zumindest weist sie auf einen Mangel hin. Der Lead (so nennt Wolf Schneider den direkt unter dem Titel stehenden ersten Absatz) bleibt weiterhin am Mangel orientiert: "politisches Versagen", fehlende Konsequenzen, fehlendes Talent der Opposition. Der Mangel wird so in einen Konflikt umgewandelt; dem Leser wird dadurch gesagt: Akzeptiert diese Tatsachen nicht! Helft mit, diesen Zustand abzuändern!
Der nächste Absatz ist insgesamt sehr geschickt aufgebaut. Inhaltlich beginnt er nämlich mit einem kompletten Bruch. Plötzlich steht der Konflikt nicht mehr im Vordergrund, sondern dass die ganze Welt die Deutschen um Berlin beneide. Und hier entsteht für mich der eigentliche Aufmerksamkeitspol: zwischen der Stadt Berlin und den Regierenden wird getrennt; diese Trennung wird gleichzeitig als eine Opposition dargestellt (die Regierenden schaden Berlin) und durch weitere Beispiele untermauert: die Bürgerinitiativen wehren sich, die innovativen Start-Ups sind diejenigen, die Berlin erfinden, selbst Brüssel rügt die Berliner Regierung.
Zunächst aber ist diese Opposition noch stark suggeriert. Berlin als Objekt des Neides passt eben nicht zu dem Debakel um den Flughafen. Die Gegenüberstellung wird aber sofort verschärft: der Flughafen wäre "eine Gratiseinladung zu Hohn und Spott". Formal hätte man den ganzen ersten Satz auch durch einen Punkt aufteilen können. Der Autor scheint aber ganz bewusst ein Komma zu setzen, wahrscheinlich, um diese Gegenüberstellung als eine zusammenhängende Periode, also einen Satzverlauf, darzustellen.
Ab diesem Moment, also nach dem ersten Satz der eigentlichen Nachricht, wird der Konflikt weiter ausgeführt und mit "echten" Informationen aufgefüllt. Beispiel: "Nun hat die EU dem Projekt bescheinigt, …", wobei das "nun" auf ein aktuelles Geschehen hinweist.
Der Autor kommentiert allerdings sehr stark, weshalb dieser Text zwischen Nachricht und Kommentar schwankt. Die wirklich neue Information, zumindest für engagierte Berliner, ist die EU-Kritik an den veränderten Flugrouten. Denn dass die Berliner CDU durch ihre Streitigkeiten und Animositäten intern extrem beschäftigt ist und ihre Aufgaben als Opposition nicht mehr wahrnehmen kann, weiß man schon länger. Ebenso kennt jeder Berliner die Bürgerinitiativen. Und zu dem missglückten Flughafen braucht man wohl in ganz Europa nichts mehr zu sagen.

Erstmal kann man also zum groben Gang der Argumentation sagen, dass er eine Gegnerschaft aufbaut. Diese Gegnerschaft wird nun auf der einen Seite argumentativ gestützt: es gibt zahlreiche Gegner und zahlreiche Kritik an dem Projekt, auf der anderen Seite rhetorisch. Deshalb möchte ich im Folgenden die rhetorischen Mittel darlegen, die der Autor benutzt.

Isotopien, Konnotationen und die Rhetorik

Rhetorische Figuren im Text

Ein Fehler ist es zu glauben, dass man, wenn man eine rhetorische Figur benutzt, einfach nur den Text schmückt. Zwar heißt diese Teildisziplin der Rhetorik im griechischen ornatus, was Schmuck bedeutet, ist deshalb aber trotzdem bedeutsam. Selbst eine Alliteration, also der Gebrauch von Wörtern, die mit dem gleichen Buchstaben oder der gleichen Silbe beginnen, ermöglicht, einen Zusammenhang zu hören. Ein Gedicht von Rilke mag das erläutern:
Daraus, dass Einer dich einmal gewollt hat,
weiß ich, dass wir dich wollen dürfen.
Wenn wir auch alle Tiefen verwürfen:
wenn ein Gebirge Gold hat
und keiner mehr es ergraben mag,
trägt es einmal der Fluss zutag,
der in die Stille der Steine greift,
der vollen.

Auch wenn wir nicht wollen:
Gott reift.
Rilke, Rainer Maria: Das Stunden-Buch. in: Rilke: Die Gedichte. Frankfurt am Main 1986, Seite 208
Rilke benutzt sehr häufig Lautgleichheiten, also die Alliteration (gleiche Laute am Wortbeginn), Binnenreime oder Assonanz (gleiche Laute in der Mitte des Wortes) und Reim (gleiche Laute zum Wortende). 
In diesem Gedicht finden wir zum Beispiel die Alliteration in den Worten "es ergraben" und "Stille der Steine". Besonders auffällig allerdings ist, dass Rilke bestimmte zentrale Wörter mit dem gleichen Laut anfangen lässt, nicht nur in diesem Gedicht. "Gebirge", "Gold" und "Gott" verknüpfen sich so zu einem unterhalb der ersten, oberflächlichen Bedeutung liegenden Muster, das diese Wörter zwar nicht deutlich, aber zumindest in Anspielung (also konnotativ) zusammenbringt.
Da Rilke dies sehr bewusst macht, dürfen wir das bei der Interpretation seiner Gedichte nicht übersehen. Normalerweise wird die Alliteration als phonologische Figur (also die Laute betreffend) bezeichnet. Doch ihre Leistung ist auch, bestimmte Wörter durch den Gleichklang in Zusammenhang zu bringen, also eine Frage der Gruppierung der Wörter, eine Frage der Assoziation, und eben nicht nur der Gefälligkeit und des sprachlichen Schmucks.
Ich gehe jetzt nicht tiefer auf Rilke ein. Sein Symbolismus erstreckt sich aber, das habe ich hoffentlich deutlich gemacht, nicht nur auf die Wörter, sondern auch auf die Laute. Dies führt dazu, dass das lyrische Ich (im Stunden-Buch) inhaltlich ständig nach einem verbindenden Band zu Gott sucht, dieses aber rhetorisch zerreißt. Dogmatisch gesagt: die Sprache ermöglicht und verhindert den direkten Kontakt zu Gott. Zumindest bei Rilke.

Isotopien

Isotopien sind Ebenen der Bedeutungsgleichheit. Um eine Isotopie festzustellen, muss man bestimmte Merkmale eines Wortes in einem Text bei anderen Wörtern ebenfalls feststellen. In unserem online-Artikel wird das Projekt Flughafen mit der Isotopie "unerwünscht" versehen: "Debakel", "Gratiseinladung zu Hohn und Spott", "dilettantisch", "gutsherrisch", usw.
Selbst in der Wendung "Kür der umstrittenen Flugrouten" wird diese Isotopie bedient, da sie ironisch ist und eben nicht eine besondere Glanzleistung bezeichnet, sondern das genaue Gegenteil.
In diesem Fall, in dem der Autor eine ganz klare Opposition aufbaut, kann man vor allem zwei Isotopien finden: den "Freund" und den "Feind". Ganz sicherlich findet sich der Autor auf der einen Seite wieder und selbstverständlich soll sich der Leser auf dieselbe Seite stellen. Es handelt sich also um einen Meinungsartikel. Im konkreten Fall eben: das dort sind die Regierenden und wir, wir sind die Bürger. 

Rhetorische und argumentative Aspekte der Isotopie

Isotopien werden auf doppelte Weise getragen, einmal durch den sprachlichen Schmuck und einmal durch die Argumente. Die Wendung "Mosaik des Scheiterns" ist eine Genetivmetapher und gehört deshalb zu den rhetorischen Figuren. Dagegen präsentiert der Halbsatz "Es ist den engagierten und politisch klug agierenden Bürgerinitiativen gegen die Flugrouten zu verdanken …" zwei Argumente: einmal die Bürgerinitiativen, die mit den Attributen "engagiert" und "politisch klug agierend" versehen werden, also eindeutig positiv sind; und zum anderen die "Flugrouten", die zuvor als "umstritten" bezeichnet werden, also negativ.
So können auf doppelte Weise Isotopien aufgebaut werden. Zum einen finden sich die schlussfolgernden Zusammenhänge, die Argumente dafür und dagegen, die relativ offen im Text stehen und rasch zu lesen sind. Und auf der anderen Seite spielen die rhetorischen Figuren auf Bedeutungsunterschiede an, indem sie zum Beispiel über Metaphern Teile eines Textes mit einem negativen Bereich oder einem positiven verbinden. Dasselbe kann man übrigens bei Rilke finden, nur nicht so platt als Freund-/Feind-Denken. In seinen Gedichten ist die Identität von Gott eng verknüpft mit seiner Stummheit/Sprachlosigkeit. Das wäre nun nicht die erste Assoziation, die bibelfesten Christen einfallen würde. Rilke allerdings führt die Verknüpfung aus, indem er zum Beispiel Gott als einen Stein bezeichnet (eine Metapher) oder ihn als stumm bleibend darstellt (ein Argument). Dies führt dazu, dass die Isotopie "Stummheit/Sprachlosigkeit" auf Gott verweist. Es führt auch zu der Opposition zwischen Mensch und Gott, denn der Mensch spricht, Gott nicht; also eine Opposition von Merkmalen.

Konnotationen

Unser Autor benutzt zum Beispiel das Wort "gutsherrisch". Das ist ein Neologismus, also eine Wortneuschöpfung. Ebenso ist es eine Metapher. In der klassischen Metapherntheorie behauptet man, dass die Metapher ein Merkmal in einen anderen Bereich überträgt, also in diesem Fall von dem Bereich "Gutsherren" auf den Bereich "Regierende". Nun stellt uns allerdings diese konkrete Metapher vor ein großes Problem: der Bereich "Gutsherren" ist kein üblicher.
Wenn Metaphern in der Form von "dann lass uns mal dieses Problem beleuchten" auftauchen, fällt es uns wesentlich leichter, diese rhetorische Figur zu erläutern, weil sowohl Probleme als auch das Licht (worauf das Wort beleuchten hinweist) vertraute Bereiche des alltäglichen Lebens sind.
Fachlich gesehen sind Gutsherren Männer, die ein Gut, also ein größeres Stück Land, besitzen und bewirtschaften (lassen), üblicherweise mit einem größeren Gebäude als zentralen Ort (das Gutsgebäude). Historisch gesehen ist dieser Beruf ausgestorben. Landwirtschaftsbetriebe haben ihn übernommen und wer heute ein Gutsherr ist, macht dies nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit oder pflegt zumindest nur noch sehr selten die landwirtschaftliche Tätigkeit.
Die fachliche Beschreibung hilft uns also nicht weiter. Wir müssen auf die kulturelle Bedeutung zurückgreifen und, das wird aus dem Kontext klar, auf eine negative. Nehmen wir also einfach mal das Wort "despotisch" oder "tyrannisch"; oder, wenn man das lieber hat: "vor allem auf sich selbst Rücksicht nehmend". Selbstverständlich ist das keine notwendige Eigenschaft von Gutsherren, sondern eine gelegentliche; sie ist nicht substantiell, sondern akzidentiell. Doch dies scheint der Autor nun tatsächlich zu meinen, wenn er die Aussagen der EU zitiert oder paraphrasiert, das Projekt sei "gutsherrisch betrieben" worden.
Dies nennt man dann eine Konnotation. Im Gegensatz zu Isotopie, die sich auch auf konkrete Merkmale stützt, steht die Konnotation zwischen den Zeilen. Der Halbsatz "würde Deutschland im Geld schwimmen" konnotiert die "Eurokrise". Diese wird nicht benannt, lässt sich aber leicht (mit)lesen.
Die Konnotation als Mittel der Interpretation lässt sich nur schwer definieren. Mal ist es eine Zusammenfassung, mal eine Anspielung, mal eine Idee. Steht zum Beispiel in einem Text "er hatte stumpfe, dunkle Augen, die tief in ihren Höhlen lagen" und "sein langer Umhang blähte sich wie Fledermausflügel auf", so konnotieren diese beiden Beschreibungen "Krankheit", "Verderbtheit" oder auch "Vampirismus". Man muss diese Worte nirgendwo finden und trotzdem legt uns ein Text solche Assoziationen nahe. Die Konnotation unterscheidet sich von der Assoziation dadurch, dass sie kulturell ermöglicht wird. Zwar stellt sich hier die Frage, ob es überhaupt Assoziationen geben kann, die nicht kulturell sind; im Gegensatz zur Assoziation ist die Konnotation allerdings keine psychische, sondern eine kulturelle "Leistung", die sich dann natürlich dem einzelnen Menschen auch einprägt. Mit anderen Worten: die Assoziation kann rein individuell gemeint sein, während die Konnotation sich zwar am einzelnen Menschen "beobachten" lässt, aber auch anderswo in der Kultur aufgefunden werden kann.

Metonymie und Konnotation: vorbereitende Anmerkungen

Nehmen wir ein letztes Beispiel. Der Journalist schreibt: "zur Freude jener Provinz, die den Moloch im brandenburgischen Sand nie mochte". Zur Erklärung: zunächst ist nicht wirklich klar, was mit "jener Provinz" gemeint ist. Die Provinz steht jedenfalls in einem Gegensatz zu der vorher erwähnten Hauptstadt. Hier verweist der Autor wohl auf Brandenburg. Diese rhetorische Figur ist eine Periphrase, also eine Umschreibung. Da das brandenburgische Umland von Berlin zumindest von den Berlinern auch gerne als Provinz bezeichnet wird, es sich also hier um eine Art geflügeltes Wort handelt, ist es auch eine Antonomasie. Die Antonomasie ersetzt einen Begriff durch einen Namen oder umgekehrt einen Namen durch einen Begriff. So kann ich Greta Garbo als die Göttliche bezeichnen und der eine oder andere Mensch kennt sogar diese Bezeichnung noch. Einfacher ist es bei Kohls Mädchen, die zumindest eine Zeit lang auf Angela Merkel verwiesen hat. Umgekehrt kann man Judas statt Verräter sagen oder Tempo statt Papiertaschentuch.
Das Wort "Moloch" wird wohl kaum im biblischen Sinne benutzt. Dort bezeichnet es (ich zitiere nach Wikipedia) "phönizisch-kanaanäische Opferriten, die nach der biblischen Überlieferung die Opferung von Kindern durch Feuer vorsahen". Die Konnotation von "Schrecken" und "Unmäßigkeit" ist aber geblieben. Moloch ist also eine Metapher (in diesem Text), die auf den Flughafen übertragen wird. Diese rhetorische Figur reiht sich in die Isotopie "Feind", bzw. "Verantwortungslosigkeit" ein.

Metonymie und Konnotation: der brandenburgische Sand

Brandenburg ist nicht wegen seines Sandes berühmt. Aus dem Erdkunde-Unterricht wissen wir aber, dass in der Eiszeit das Gebiet großflächig mit (ich zitiere wiederum Wikipedia) Geschiebemergel und Schmelzwassersanden bedeckt wurde. Sand gehört also als Teil zu Brandenburg. Doch eigentlich spielt er für die Argumentation keine Rolle. Er wird als Metonymie eingesetzt, als Teil für ein Ganzes.
Zugleich aber konnotiert das Wort Sand so etwas wie "Bodenständigkeit" und wirft dann die Frage auf, was dort ein Moloch (also der Flughafen) zu suchen hat. Wohl mit Bedacht setzt der Journalist die konkreten Beispiele bürgerlichen Erfolgs, die Bürgerinitiativen und die Start-Ups, den eher abstrakten (und negativen) Leistungen der Regierenden gegenüber. Nun ist das ein altbekannter rhetorischer Trick: das Positive wird konkret, das Negative abstrakt, unklar oder kaputt dargestellt.
In einer Rede, in dem Angela Merkel vor dem Bundestag Stellung zur außenpolitischen Gesprächen mit Obama nimmt, spricht sie des Öfteren davon, dass man die Sachen bei Licht betrachten müsse, bzw. ähnlichen metaphorischen Wendungen. Die Metapher des Lichts konnotiert Klarheit, allerdings auch Vollständigkeit. Was nicht vollständig ist, lässt sich auch nicht klar beurteilen und das ist natürlich schlecht. Dasselbe findet man in mancher Darstellung von Frauen: Frauen müssten einheitlich sein, damit es gute Frauen sind (und hier fällt unseren Pseudo-Biologen nichts besseres ein, als dass die Ganzheit der Frau in ihrer Mutterrolle bestehe); die heterogene, vielfältige Frau scheint auch heute noch ein Skandal zu sein, eine Chimäre, ein Flickwerk aus Mensch und verschiedenen Tieren.
Jedenfalls ist Sand ein sehr konkretes Objekt, während viele Menschen wohl das Wort Moloch nur noch als Andeutung kennen. Es ist ein "unangenehmes" Wort.

Zusammenfassung der rhetorisch-argumentativen Betrachtung

  • rhetorische Figuren müssen in ihrem Gesamtzusammenhang, in diesem Fall also im Text und der Kultur betrachtet werden;
  • die Isotopie definiert sich über ein gemeinsames, im Text verteiltes Merkmal;
  • Isotopien bestehen sowohl aus Argumenten und Schlussfolgerungen, als auch aus rhetorischen Figuren; (vgl. auch: Isotopien (Ilse Aichinger: Kleist, Moos, Fasane))
  • die Konnotation ist eine Anspielung, die zwischen den Zeilen steht und nicht ausdrücklich benannt wird;
  • Unterschiede: der Kontrast ist ein sinnlicher Unterschied, die Opposition ein rein gedanklicher oder begrifflicher Gegensatz; unterschiedlich sind allerdings auch Liebe und Freude, ohne in Opposition zu stehen;
  • ein Merkmal ist dann substantiell, wenn es notwendig zu einem Gegenstand, einem Vorgang oder einer Idee gehört;
  • ein Merkmal ist akzidentiell, wenn es nur der Umstände halber auftritt.
Zudem eine Liste der rhetorischen Figuren, die ich in diesem Artikel verwendet habe:
  • Alliteration: bezeichnet die wiederholte Verwendung von Wörtern mit gleich Lauten am Anfang
  • Antonomasie: die Vertauschung von Begriff und Namen
  • Binnenreim oder Assonanz: der wiederholte Gleichlaut innerhalb von Wörtern
  • Metapher
  • Metonymie
  • Neologismus: ein Wort, das es bisher noch nicht gab
  • Periphrase: die Umschreibung

Zum Schluss: die Intention des Autors
Zunächst muss ich den Autor loben. Sein Artikel zeugt von journalistischem Können und auch wenn es vor allem ein Meinungsartikel ist, informiert er doch oder fasst zumindest nochmal die Informationen gut zusammen. Er ist polemisch, aber auch amüsant. Und natürlich möchte er Klaus Wowereit und Matthias Platzeck schlecht machen; doch ohne dabei Namen zu nennen, wird auch die Opposition kritisiert. Da sie fehlt, könnte man jetzt spotten, lässt sich auch niemand beim Namen nennen.
Viel wichtiger allerdings ist, dass die Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungen deutlich aufgewertet wird. Wenn die Regierenden wie selbstgefällige Könige handeln und die Opposition gar nicht, dann sind es eben die Bürgerinitiativen, die Entscheidungen erzwingen, die auf der Grundlage des Gesetzes beruhen. Und selbst das sonst so bürokratische und kleinkarierte Brüssel trifft mal eine Entscheidung, die sich nicht um das Normmaß von Ölkännchen dreht. Der Autor will uns also deutlich machen, dass politische Entscheidungen durchaus vom Bürger beeinflusst werden können und dass es sich lohnt, in politischen Initiativen (und nicht nur in Parteien) aktiv zu werden.
Das ist bei der sonstigen Lobhudelei für Angela Merkel und die Bundesregierung doch mal ein neuer Ton, den die Welt-online anschlägt. Vor allem aber ist es, und das ist bei der Welt selten geworden, ein Artikel ohne Rechtschreibfehler, ohne seltsame Zeichensetzung und vor allem mit gekonnt platzierten stilistischen Mitteln. Angeblich bin ich in den letzten Jahren ja ganz schön konservativ geworden und wäre ein potentieller Welt-Leser. Doch in den letzten Monaten habe ich sie mir kaum antun können, alleine schon aus ästhetischen Gründen.
Jedenfalls wird Ulf Poschardt in Zukunft öfter von mir aufgesucht, denn dieser Mensch versteht sein Handwerk und erscheint insgesamt auch das Herz auf dem richtigen Fleck zu haben, eher linksliberal als neokonservativ-scheinliberalistisch.
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