27.07.2009

mimische Stoßdämpfer

»Aller kapitalistischen Produktion ...«, schreibt Marx, »ist es gemeinsam, dass nicht der Arbeiter die Arbeitsbedingung, sondern umgekehrt die Arbeitsbedingung den Arbeiter anwendet, aber erst mit der Maschinerie erhält diese Verkehrung technisch handgreifliche Wirklichkeit.« Im Umgang mit der Maschine lernen die Arbeiter, ihre »eigne Bewegung der gleichförmig stetigen Bewegung eines Automaten« zu koordinieren. Mit diesen Worten fällt ein eigenes Licht auf die Gleichförmigkeiten absurder Art, mit denen Poe die Menge behaften will. Gleichförmigkeiten der Kleidung und des Benehmens, nicht zuletzt Gleichförmigkeiten des Mienenspiels. Das Lächeln gibt zu denken. Es ist vermutlich das heute im keep smiling geläufige und figuriert dort als mimischer Stoßdämpfer. - »Alle Arbeit an der Maschine erfordert«, heißt es im oben berührten Zusammenhang, »frühzeitige Dressur des Arbeiters.«
Benjamin, Walter: Über einige Motive bei Baudelaire, Abschnitt VIII
Jene mimischen Stoßdämpfer, von denen Benjamin spricht, findet man auch in der nüchternen Schreibweise Kafkas, in den alltäglichen Banalitäten Murakamis. Freilich ist dies bei Murakami ein Affront der Schönen Literatur gegenüber, das zur Fratze erstarrte Lächeln der täglichen Banalität so abzupausen, dass die Ware Normalität von seiner eigenen Stillstellung in der szenischen Mimesis ebenso bedrängt wird, wie von der in Sprüngen sich chiffrierenden Komposition.


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