22.07.2009

Nietzsche: Die Juden

Alle Zitate im folgenden von Nietzsche, die Hervorhebungen dagegen von mir.
Die Söhne von protestantischen Geistlichen und Schullehrern erkennt man an der naiven Sicherheit, mit der sie als Gelehrte ihre Sache schon als bewiesen nehmen, wenn sie von ihnen eben erst nur herzhaft und mit Wärme vorgebracht worden ist: sie sind eben gründlich daran gewöhnt, dass man ihnen glaubt,- das gehörte bei ihren Vätern zum, "Handwerk"! Ein Jude umgekehrt ist, gemäß dem Geschäftskreis und der Vergangenheit seines Volks, gerade daran - dass man ihm glaubt - am wenigsten gewöhnt: man sehe sich darauf die jüdischen Gelehrten an, - sie Alle halten große Stücke auf die Logik, das heißt auf das Erzwingen der Zustimmung durch Gründe; sie wissen, dass sie mit ihr siegen müssen, selbst wo Rassen- und Klassen-Widerwille gegen sie vorhanden ist, wo man ihnen ungern glaubt. Nichts nämlich ist demokratischer als die Logik: sie kennt kein Ansehn der Person und nimmt auch die krummen Nasen für gerade. (Nebenbei bemerkt: Europa ist gerade in Hinsicht auf Logisierung, auf reinlichere Kopf-Gewohnheiten den Juden nicht wenig Dank schuldig; voran die Deutschen, als eine beklagenswert deraisonnable Rasse, der man auch heute immer noch zuerst "den Kopf zu waschen" hat. Überall, wo Juden zu Einfluss gekommen sind, haben sie ferner zu scheiden, schärfer zu folgern, heller und sauberer zu schreiben gelehrt: ihre Aufgabe war es immer, ein Volk "zur Raison" zu bringen.)
Die fröhliche Wissenschaft, § 348

Auch in höheren gesellschaftlichen Bedingungen erwächst unter ähnlichem Drucke eine ähnliche Art Mensch: nur wird dann meistens der schauspielerische Instinkt durch einen andren Instinkt gerade noch im Zaume gehalten, zum Beispiel bei dem "Diplomaten", - ich würde übrigens glauben, dass es einem guten Diplomaten jeder Zeit noch freistünde, auch einen guten Bühnen-Schauspieler abzugeben, gesetzt, dass es ihm eben "freistünde". Was aber die Juden betrifft, jenes Volk der Anpassungskunst par excellence, so möchte man in ihnen, diesem Gedankengange nach, von vornherein gleichsam eine welthistorische Veranstaltung zur Züchtung von Schauspielern sehn, eine eigentliche Schauspieler-Brutstätte; und in der Tat ist die Frage reichlich an der Zeit: welcher gute Schauspieler ist heute nicht - Jude? Auch der Jude als geborener Literat, als der tatsächliche Beherrscher der europäischen Presse übt diese seine Macht auf Grund seiner schauspielerischen Fähigkeit aus: denn der Literat ist wesentlich Schauspieler, - er spielt nämlich den "Sachkundigen", den "Fachmann".
Die fröhliche Wissenschaft, § 361

Danae und Gott im Golde. - Woher diese unmäßige Ungeduld, welche jetzt den Menschen zum Verbrecher macht, in Zuständen, welche den entgegen gesetzten Hang besser erklären würden? Denn, wenn Dieser falsches Gewicht gebraucht, Jener sein Haus anbrennt, nachdem er es hoch versichert hat, ein Dritter am Prägen falschen Geldes Anteil nimmt, wenn drei Viertel der höheren Gesellschaft dem erlaubten Betruge nachhängt und am schlechten Gewissen der Börse und der Spekulation zu tragen hat: was treibt sie? Nicht die eigentliche Not, es geht ihnen nicht so ganz schlecht, vielleicht sogar essen und trinken sie ohne Sorge, - aber eine furchtbare Ungeduld darüber, dass das Geld sich zu langsam häuft und eine ebenso furchtbare Lust und Liebe zu gehäuftem Gelde drängt sie bei Tag und bei der Nacht. In dieser Ungeduld und dieser Liebe aber kommt jener Fanatismus des Machtgelüstes wieder zum Vorschein, welcher ehemals durch den Glauben, im Besitz der Wahrheit zu sein, entzündet wurde und der so schöne Namen trug, dass man es daraufhin wagen konnte, mit gutem Gewissen unmenschlich zu sein (Juden, Ketzer und gute Bücher zu verbrennen und ganze höhere Kulturen wie die von Peru und Mexiko auszurotten). Die Mittel des Machtgelüstes haben sich verändert, aber der selbe Vulkan glüht noch immer, die Ungeduld und die unmäßige Liebe wollen ihre Opfer: und was man ehedem "um Gottes willen" tat, tut man jetzt um des Geldes willen, das heißt um dessen willen, was jetzt am höchsten Machtgefühl und gutes Gewissen gibt.
Morgenröthe, § 204

Zu den Schauspielen, auf welche uns das nächste Jahrhundert einladet, gehört die Entscheidung im Schicksale der europäischen Juden. Dass sie ihren Würfel geworfen, ihren Rubikon überschritten haben, greift man jetzt mit beiden Händen: es bleibt ihnen nur noch übrig, entweder die Herren Europa's zu werden oder Europa zu verlieren, so wie sie einst vor langen Zeiten Ägypten verloren, wo sie sich vor ein ähnliches Entweder-Oder gestellt hatten. In Europa aber haben sie eine Schule von achtzehn Jahrhunderten durchgemacht, wie sie hier kein andres Volk aufweisen kann, und zwar so, dass nicht eben der Gemeinschaft, aber umsomehr den Einzelnen die Erfahrungen dieser entsetzlichen Übungszeit zu Gute gekommen sind. In Folge davon sind die seelischen und geistigen Hilfsquellen bei den jetzigen Juden außerordentlich; sie greifen in der Not am seltensten von Allen, die Europa bewohnen, zum Becher oder zum Selbstmord, um einer tiefen Verlegenheit zu entgehen, - was dem geringer Begabten so nahe liegt. Jeder Jude hat in der Geschichte seiner Väter und Großväter eine Fundgrube von Beispielen kältester Besonnenheit und Beharrlichkeit in furchtbaren Lagen, von feinster Überlistung und Ausnützung des Unglücks und des Zufalls; ihre Tapferkeit unter dem Deckmantel erbärmlicher Unterwerfung, ihr Heroismus im spernere se sperni übertrifft die Tugenden aller Heiligen. Man hat sie verächtlich machen wollen, dadurch dass man sie zwei Jahrtausende lang verächtlich behandelte und ihnen den Zugang zu allen Ehren, zu allem Ehrbaren verwehrte, dafür sie um so tiefer in die schmutzigeren Gewerbe hineinstieß, - und wahrhaftig, sie sind unter dieser Prozedur nicht reinlicher geworden. Aber verächtlich? Sie haben selber nie aufgehört, sich zu den höchsten Dingen berufen zu glauben, und ebenso haben die Tugenden aller Leidenden nie aufgehört, sie zu schmücken. Die Art, wie sie ihre Väter und ihre Kinder ehren, die Vernunft ihrer Ehen und Ehesitten zeichnet sie unter allen Europäern aus. [...] Sie wissen selber am besten, dass an eine Eroberung Europa's und an irgendwelche Gewaltsamkeit für sie nicht zu denken ist: wohl aber, dass Europa irgendwann einmal wie eine völlig reife Frucht ihnen in die Hand fallen dürfte, welche sich ihr nur leicht entgegenstreckt. Inzwischen haben sie dazu nötig, auf allen Gebieten der europäischen Auszeichnung sich auszuzeichnen und unter den Ersten zu stehen: bis sie es so weit bringen, Das, was auszeichnen soll, selber zu bestimmen. Dann werden sie die Erfinder und Wegzeiger der Europäer heißen und nicht mehr deren Scham beleidigen. Und wohin soll auch diese Fülle angesammelter großer Eindrücke, welche die Jüdische Geschichte für jede jüdische Familie ausmacht, diese Fülle von Leidenschaften, Tugenden, Entschlüssen, Entsagungen, Kämpfen, Siegen aller Art, - wohin soll sie sich ausströmen, wenn nicht zuletzt in große geistige Menschen und Werke! Dann, wenn die Juden auf solche Edelsteine und goldene Gefäße als ihr Werk hinzuweisen haben, wie sie die europäischen Völker kürzerer und weniger tiefer Erfahrung nicht hervorzubringen vermögen und vermochten, wenn Israel seine ewige Rache in eine ewige Segnung Europa's verwandelt haben wird: dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein, an dem der alte Judengott sich seiner selber, seiner Schöpfung und seines auserwählten Volkes freuen darf, - und wir Alle, Alle wollen uns mit ihm freun!
Morgenröthe, § 205
Zum Schluss mag man dem hinzufügen, dass Nietzsches Hoffnung wohl nicht in Erfüllung ging. Europa gehört nicht den Juden. Und man mag spekulieren, dass es diese schizoide Maschinerie des 3. Reichs gewesen sein mag, die die geistige Größe europäischer Juden erschüttert hat. Nicht für sie selbst. Doch es ist immer noch eine kleine Fortführung des Holocaust, dass man die Juden seit so langer Zeit als Opfer sieht und nicht als Kultur Schaffende. Wer schon hat Hannah Arendt, wer Jacques Derrida, Emmanuel Lévinas, Norman Finkelstein, Alain Finkielkraut, um nur einige zu nennen, gelesen, wer Adorno oder Benjamin, Scholem oder Raphael?
Wie mir scheint, hat sich bei vielen Deutschen das Andenken an den Holocaust als eine Art Machtmittel gegen die durchgesetzt, die sich nicht sofort dem Lamentieren unterwerfen wollen. Doch nicht nur wurde hier der Holocaust tatsächlich in einer Art und Weise entfremdet und instrumentalisiert, die zu einer der widerwärtigsten Geschichtszüge des "deutschen" Geistes gehören; in dem Juden nur das Opfer einer rassistischen Vernichtungspolitik zu sehen - auch wenn nichts gegen diese Tatsache als Teil-Tatsache spricht! - ist eine unerhörte Abstraktion, ein solch unerhörtes Zusammenstutzen dessen, was im Zeichen jüdischer Kultur hervorgebracht wurde, ein solcher neuerlicher Missbrauch und eine Perpetuierung, den lebendigen Zusammenhang zu Kennzahlen zu quantifizieren.


Die Leser meines Blogs mögen mir meinen Ausbruch verzeihen, aber wenn eben jener unbekannte Kommentierer schreibt, "Nietzsche habe bewiesen, dass die Juden eine minderwertige Rasse seien", so entspricht dies nicht nur nicht den Gedanken Nietzsches, sondern lässt auch auf eine enorme Faulheit gegenüber der Kultur der letzten fünfzig Jahre schließen, die kaum ein anderes Volk als die Deutschen so perfektioniert haben. PISA spricht hier Bände.
Die Deutschen im allgemeinen haben kein Recht über andere Völker zu urteilen, da sie sich nicht interessieren. Sie lesen ja nicht mal ihre eigenen großen Schriftsteller. Selbst unter den Doktoren und Doktoranden trifft man immer mehr Menschen, deren einzige größere gedankliche Leistung es war, ihre Doktorarbeit durchzudrücken. In einem hat Nietzsche eben doch Recht behalten: die Deutschen sind immer noch eine beklagenswert deraisonnable Rasse.



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