21.04.2009

Schreibprobleme

Schreibprobleme sind Schreibherausforderungen.
Um sich das einzuüben, habe ich für mich einen Selbstgänger entdeckt: ich schreibe auf, wo am Ende meine fünf wichtigsten Personen stehen sollen, sozial, statusmäßig, und welche Wandlung sie durchgemacht haben. Dann setze ich mir - willkürlich! - zwei Zwischenhalte.
Damit habe ich das definiert, was Psychologen ein Problem durch Lücken nennen. Hier finden wir natürlich große Lücken. Diese müssen gefüllt werden. Zunächst mit einem durchgängigen Plot.
Die Strategie ist also, statt den Problemen auszuweichen, sie herzustellen.

Übrigens ist diese Methode nicht ganz so neu. So schreibt Niklas Luhmann, eine Methode der funktionalen Theorie bestünde darin, Tatsachen als Lösungen zu sehen und dazu entsprechend die Probleme zu suchen. Damit könne man für das Problem neue Lösungen (er-)finden und dadurch die Tatsache unter Vergleichsdruck setzen. Nachzulesen ist dies etwas genauer als ich es hier salopp beschrieben habe in: Luhmann, Niklas: Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1994, S. 421.

Man darf an solchen Problemen auch grandios scheitern. Finde ich. Nur aufhören sollte man nicht, sich neue zu erfinden. Oder mal eine halbe Lösungen umzusetzen.
Auch hier kann ich all meine Gehversuche in den 90er-Jahren (lange ist's her) nicht mehr als Scheitern bewerten, sondern als Einübungen in die Praxis des Schreibens.

Deshalb noch ein Tipp: auch wenn Sie in einem Plot missing links haben, auch wenn Sie merken, dass Sie diesen Roman nie zu Ende schreiben werden, plotten Sie ihn doch, so weit es geht, an einigen Stellen bis zu den Szenen, und schreiben Sie auch ein paar Szenen.
Loben Sie sich hinterher für Ihr Scheitern, denn Sie sind einen Schritt auf einem langen Weg gegangen.

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