16.04.2009

Glibbrige Spur

Noch ein Letztes.
Man sagte mir, an der Uni, Luhmann sei kalt, frauenfeindlich, reaktionär, und: er habe über die Pädagogen nur Böses gesagt.

Eine Vorgesetzte während meines Referendariats behauptete, ich sei systemisch nicht versiert. Dies mir! Das war die gleiche Vorgesetzte, die auch behauptete, sie wüsste, was ich denke. Dabei weiß ich das selbst manchmal nicht, so schwirren mir die Fragmente durch den Kopf. Abgesehen davon, dass jedes System sich selbst nur als ein reduziertes Reflexionsbild kennt, also auch Gedanken sich selbst nur sehr reduziert wiederdenken können. Der von Reflexion unbeeindruckte Überhang der Gedanken ist geradezu Bedingungen, dass man denken und dass man Gedanken reflektieren kann.

Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle ein hübsches, kleines Dialogfragment aus der Luhmann-Liste einspielen, das sich genau in diesem Dunstkreis des Fast-, dann aber Doch-Nicht-Verstehens der Systemtheorie bewegt.
ich weiß, wie es gemeint ist, ich muss auch uneingeschränkt zustimmen, schließlich habe ich jahrelang nichts anderes gelesen (und wenn anderes, dann dieses Andere ziemlich leichten Herzens verworfen), dennoch: Merken Sie gelegentlich wenigstens noch, wie „inhuman“, wie „unmenschlich“ eine solche Denkweise auch erscheinen kann?

Lieber Herr S.,
ach ja, da ist es wieder, das Canterbury-Gespenst der Luhmannkritik. Was wird denn da gefeiert? Die eigene Humanität, die eigene Menschlichkeit oder gar das Engagement an und für sich? Dieses Weltbild ist bis in die feinsten Verästelungen hinein: kurios. Sehen Sie: Sie stimmen mir zu, ich freue mich und denke so für mich: Mein Gott, jetzt hat er´s. Jetzt könnte man weitermachen. Und dann träufeln Sie doch eine glibberige Spur hinterher. Sie verrät sich am 'wenigstens noch'. Schade, schade ...


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