13.04.2009

Schreiben

Ich fürchte, ich werde meinen Blog weiterhin vernachlässigen. Gerade bin ich zu sehr im Schreiben drin. Gestern habe ich bei meinem Kurzroman, den ich mir letzte Woche entworfen habe, Bergfest gehabt, d.h. die Hälfte ist geschafft. Heute habe ich natürlich weiter geschrieben.

Immer dieser Ärger mit dem Spannungsaufbau

Mit meinen Figuren bin ich unzufrieden. Sie entwickeln für sich zu wenig Spannung, zu wenig Konflikte untereinander. Wahrscheinlich bin ich da sogar zu streng, denn ich hatte vorher die Konflikte zwischen den Figuren gut ausgearbeitet. Was mit fehlt, ist der Punkt, an dem sich dann auch ein gewisser Irrwitz entzündet und damit die Geschichte ins Komische treibt. Also: die Konflikte sind ordentlich, aber nicht gravierend genug, um so etwas wie eine Kette aus Gags zu liefern.
Ein wenig quäle ich mich durch die sehr handlungsorientierte Geschichte. Das kommt nicht so gut, sich auf der einen Seite mit hochsystematischen Konzepten um Soft-Skills zu bemühen, auf der anderen Seite eine eher schlicht gestrickte Geschichte eines Einbruchs zu erzählen. Schlicht, im Sinne von einfachem Lesen. Dass meine Geschichte sich dreimal umdrehen soll und so den Leser dreimal mit einer völlig veränderten Situation überrascht, hatte ich schon weiter oben erwähnt. Insofern ist sie nicht schlicht.

Gute und schlechte Enden

Wenn ich mal wieder eine solche Geschichte schreibe, ärgere ich mich über plumpe Strategien, dem Leser überraschende Wendungen zu präsentieren, umso mehr. Es macht zwar etwas Mühe, aber man sollte dem Leser die Chance geben, den Verlauf vorher zu erraten. Dieses Draufkloppen mit einem deus ex machina am Ende eines Romans ist schließlich nur eine Notlösung. Und Notlösungen sollten sich nicht verkaufen.
Mit diesem deus ex machina meine ich, dass eine Wendung in die Geschichte eingebaut wird, auf die der Leser keinesfalls kommen konnte. Plötzlich taucht ein entfernter Verwandter auf, der alle Familienmitglieder umgebracht hat. Plötzlich stellt man fest, dass der Protagonist sich alles nur zusammengeträumt hat, weil er psychotisch ist.
Dagegen muss ein guter Roman zu Beginn alle wesentlichen Elemente einführen. Wenn die Heldin A irgendwann gegen ein Monster B kämpfen wird und dieser Kampf entscheidend ist, muss das Monster B vorher eingeführt sein. Zum Beispiel könnte die Heldin eine Kneipe betreten, in der irgendjemand prahlt, dem Monster B schon mal Auge in Auge gegenübergestanden zu haben.

Regeln für überraschende Wendungen

Diese Technik habe ich in meinem Roman konsequent beachtet. Es gibt ein Monster B, mit dem die Heldin vorher schon zu tun hatte. Es gibt einen Gegenstand C, der, bevor er eine Rolle für die Geschichte spielt, beiläufig erwähnt wurde.
Joanne Rowling schafft dies ganz hervorragend in ihren Harry Potter-Romanen. Geht es im dritten Band um Gestaltwandler, haben die Schüler natürlich Unterricht dazu. Damit ist das Thema vorbereitet, aber noch nicht als wichtig offenbart. Wenn nun der Leser an die Stelle kommt, an der dieses Thema wichtig ist, hat er schon einmal davon gehört.
Auch Eoin Colfer bereitet seine Geschichten so vor. Allerdings ist er dabei recht hölzern. So spielt im sechsten Band ein Kraken bei der Lösung der Geschichte eine wesentliche Rolle. Colfer legitimiert nun diese Wendung, die gegen Ende des Buches stattfindet, indem er zu Beginn des Buches ein Abenteuer von Holly schildert, in der ein Kraken eine wichtige Rolle spielt. Für meinen Geschmack ist dieses ganze Kapitel zu lang. Es hätte genügt, dass Colfer die Kraken erwähnt.
So ergeben sich zwei Regeln für den Umgang mit wichtigen Ereignissen:
Bereite jedes wichtige Ereignis und jeden wichtigen Gegenstand in deiner Geschichte vor, indem du es vorher erwähnst.
Nutze nicht zweimal ein Ereignis oder einen Gegenstand, um eine längere Episode zu legitimieren.
Ich finde es immer noch faszinierend, wie sich mehr und mehr Regeln des Schreibens herausschälen, seit ich mich mit dem "kreativen" Schreiben beschäftige. Und dass viele junge Autoren zwar meine Tipps toll finden, wenn ich sie ihnen bezüglich ihres Romans gebe; aber wenn ich hier auf allgemeine Regeln zu sprechen komme, finden sie das Ganze zu abstrakt.
Dabei ist es genau das, was ich ihnen vorgeschlagen habe, nur mit anderen Begriffen.
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