24.04.2009

Giftige Wertpapiere

Das ist ein äußerst seltsamer Ausdruck, finden Sie nicht auch? - Ich hatte anderswo schon einmal darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft derzeit mit Metaphern des Krankseins, des kranken Leibes bedacht wird. Hier haben wir also einen weiteren Ausdruck, der dies stützt.
Bedenkt man, dass Wertpapiere ihre Funktion in der Spekulation haben, also genau auch in ihrem Wertverlust und ihrer möglichen "Minderwertigkeit", dann ist dies in dem Zusammenhang der Wirtschaftskrise (auch eine Metapher) keineswegs ein harmloser Ausdruck. Denn dass es giftige Wertpapiere gibt, suggeriert ja, dass das Gift nur in einigen Wertpapieren steckt, während eine gesunde Spekulation nur gesunde Bestände aufbauen würde. Doch genau dies widerspricht der Spekulation.
Die Spekulation nimmt dort Wert weg - Mehrwert! -, wo sich dies zu lohnen scheint. Dieser Mehrwert ist auf den Marktwert von Waren und Dienstleistungen aufgebaut. Bricht dieser Marktwert zusammen, weil dieser sich umgedreht auch wieder von dem Wert der Spekulation bestimmen lässt, wird also das Aufheizen von spekulativem Wert und Marktwert unterbrochen, dann gerät die Spekulation in die Krise, d.h. sie zerfällt in ihrem Versprechen auf Gewinn. Das ist nun keineswegs krank, sondern die gleichsam natürliche Variation der Spekulation: dass sie zwischen Erfüllung und Enttäuschung pendeln kann.
Es lohnt sich also nicht, über giftige Wertpapiere nachzudenken, vielmehr über den Zusammenhang von Spekulation, wirtschaftlichen Krisen und individueller Arbeit.


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