03.03.2009

Dialoge, Leserorientierung

Textarbeit ist etwas wunderbares. Nachdem ich mich noch einmal mit Argumentationen intensiv beschäftigt habe und mein Wissen um das semantische Gedächtnis aufgefrischt habe, wandelt sich meine ganze Arbeit wieder.

Den Krimi, den ich nebenher schreibe (gestern leider nur zwei Szenen, knapp tausend Wörter) hat dagegen im Moment seine eigenen Probleme. Als ich zwanzig war, konnte ich keine Dialoge schreiben. Ich lese heute meine Geschichten von damals mit Schaudern. In diesem Krimi nun nehmen die Dialoge fast überhand. Ich kann das noch nicht genau einschätzen. Um ein reiches Umfeld zu schaffen, zahlreiche Nebenfiguren zu handeln, diese plastisch zu halten und immer auch Konflikte mitschwingen zu lassen, sind Dialoge extrem wichtig. Ich bin mit ihnen sehr zufrieden.
Aber ich habe die Befürchtung, dass diesmal die Leserorientierung in die andere Richtung leidet. Wenn zuviel Beschreibung die Spannung und die Charakterdarstellung ausbremst, so ist zu wenig Beschreibung für die faktische Orientierung in der fiktiven Welt hinderlich. Und die fiktive Welt (das Setting) ist das, worauf Geschichten aufruhen.

Szenen sollten sich vor allem an der sinnlichen Realität entlanghangeln. Diese sinnliche Realität ist natürlich nicht das üppige Wuchern der Details, sondern schon sehr ausgewählt und auf den Leser zugeschnitten. Darin liegt der wesentliche Eingriff des Autors: dass er auswählt und so auswählt, dass die Auswahl etwas über die Szene hinaus bedeutet, dass sie nebenher Informationen ins Spiel bringt, dass sie Atmosphäre schafft.

Viele der kleinen Szenen, die ich schreibe, fangen nur blitzlichtartig Kontakte ein. Manche Dialoge führe ich nicht vollständig zu Ende, beginne auch nicht gleich am Anfang, sondern fasse knapp zusammen und schildere nur die fünf, sechs Sätze, die ich mir als wichtig notiert habe. So entsteht eine Fuge aus kleinen Szenen, in denen Gespräche mit dem Vorgesetzten, Arbeitskollegen, Zeugen und privaten Kontakten abwechseln. Hier war die größte Herausforderung gewesen, all diese Szenen in einen guten Zusammenhang zu bringen.
Jedenfalls habe ich beschlossen, mir erst nach Fertigstellen der Rohfassung um das Problem der Leserorientierung Gedanken zu machen.

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