27.11.2008

Ziele und Probleme

Planen ist, wenn man sich diese Tätigkeit ansieht, ein faszinierendes Geschäft. Man plant ja, um ein Ziel zu erreichen. Bei Luhmann fand ich nun fast den umgedrehten Gedankengang: Man legt ein Ziel fest, um ein Problem zu erzeugen, das man dann wegplanen kann.
Wenn man in die neuere Geschichte der Unterhaltungsliteratur schaut, dann wird man ein berühmtes Beispiel für diesen Weg finden: Harry Potter. Joan Rowling schrieb zuallererst das Ende der Geschichte, um dann alles, was vorher kommt, zu entwerfen. Sie sagte, sie brauche etwas, auf das sie hinschreiben könne. Nun ist es tatsächlich so, dass sie sich also ein Problem entworfen hat, allerdings ein gut strukturiertes Problem, denn das Setting und die ungefähre Einteilung der Geschichte standen ja ebenfalls fest.
Dies ist die zweite Leistung eines Ziels: es trifft eine Vorauswahl aus dem, was für uns problematisch sein soll. Wenn es mein Ziel ist, meinen Hunger zu stillen, dann werde ich nicht losgehen, um Kinder zu erschrecken (es sei denn, ich hoffe, dass sie ihre Pausenbrote aus lauter Angst wegwerfen). Ziele treffen hier eine konventionelle Vorauswahl: ich kann aus meinen Kühlschrankinhalt (ein Ei, ein Blauschimmelkäse, drei Tomaten und ein Hähnchenbrustfilet) etwas zu kochen versuchen, oder in den Aldi gehen, oder zum Imbiss an die Ecke. Ungewöhnlichere Methoden kommen mir vielleicht nicht so in den Sinn: ich überrede meine Nachbarin, dass ich auf ihr Kind aufpasse, damit sie ins Kino gehen kann und plündere dann ihren Kühlschrank.
Zielsetzungen leisten also hier zweierlei: sie treffen eine Vorauswahl an Lösungsmöglichkeiten für ein Problem, das sie geschaffen haben.
Kommentar veröffentlichen