14.04.2014

Ausgelassenheit folgt

Es gibt für die amerikanischen TV-Serien eine ganze Reihe an hübschen, griffigen Begriffen und Formeln. Einige davon finde ich äußerst witzig, zum Beispiel die Formel ›Hilarity ensues‹, die man mit ›Ausgelassenheit folgt‹ übersetzen könnte. Eigentlich meint das nur, dass eine Geschichte schließlich ein Happy End vorweisen muss. Ich nenne dies ganz gerne Idylle.

Das MacGuffin

Wundervoll ist immer wieder das MacGuffin. Damit wird ein Objekt bezeichnet, welches die Handlung vorantreibt, ohne selbst besonders wichtig zu sein. Ein solch typisches MacGuffin ist der Koffer mit dem ominösen Inhalt in Pulp fiction. Der Film stellt diesen Koffer zwar an eine exponierte Stelle, als sei dieser eine Rahmenhandlung. In Wirklichkeit aber bricht diese Handlung durch die Sprünge in der Zeit auf, so dass sich der Rahmen des Films nicht zu Beginn und zum Ende findet, sondern irgendwo in der Mitte.
Typische MacGuffins sind auch abwesende Ideale. Damit der Held seinen Sinn für Gerechtigkeit beweisen kann, muss er eine Reise abgeschlossen haben. Doch genau auf dieser Reise zeigt er schon sein starkes Gespür für Gerechtigkeit. Und so kann man sagen, dass das Ideal gar nicht abwesend ist, sondern nur als abwesend behauptet wird, um so die Geschichte zu legitimieren.
Hitchcock zum Beispiel war ein Meister des MacGuffin. In Der unsichtbare Dritte ist es ein Mann, der gar nicht existiert, durch den die ganze Erzählung strukturiert wird.

Die Notwendigkeit des Zufalls

Heute bin ich, übrigens zufällig, auf eine Seite gestoßen, wo jemand das Geflecht von Notwendigkeit und Zufall erklärt, übrigens erkenntnistheoretisch gar nicht richtig, aber für die Geschichte und ihren Erzähler sehr brauchbar.
Er hat es mit folgendem Beispiel verdeutlicht: es gebe da einen Ziegelstein, der locker säße. Und dieser Ziegelstein würde nun herunterfallen. Dieser Fall sei notwendig. Schopenhauer würde sagen, dass sich darin ein Naturgesetz ausdrücke. Dann gibt es dort einen Mann, der aus dem Haus zu einem öffentlichen Verkehrsmitteln läuft, weil er auf dem Weg zur Arbeit ist. In dieser Tätigkeit drückt sich nun ein Vertrag und seine Pflichten aus, in diesem Fall ein Arbeitsvertrag.
Jetzt kreuzen sich der Ziegelstein und der Weg des Mannes. Will sagen: der Ziegelstein fällt dem Mann auf den Kopf. Diese Begegnung nun ist zufällig. Der Ziegelstein hätte den Vorübereilenden auch knapp verfehlen können.
Das ist, wie gesagt, erkenntnistheoretisch nicht wirklich richtig. Als Zufall wird immer das wahrgenommen, was wir uns noch nicht erklären können, dessen Gesetzmäßigkeiten wir noch nicht verstanden haben. Für den Autor aber genügt diese Erklärung vollkommen. Sie zeigt nämlich, wie man zwei ganz plausible Handlungen zusammenbringt, um daraus ein recht ungewöhnliches Zusammentreffen und eine komplette Veränderung der Geschichte erreichen kann.
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