23.05.2016

Danke, liebe Welt!

Da rennt man durch die Welt, um sich etwas zu besorgen, was einem die Einsamkeit erleichtert, also zum Beispiel ein Buch über JavaScript. Und dann kommt man nach Hause und stellt fest, dass die Welt immer noch da ist, also zum Beispiel auf dem Internet. Und irgendwie ist das Internet wirklich voller Welt.
Mehr als einen Blick habe ich also noch nicht in das Buch werfen können. Schade. Ein wenig hätte ich gerne heute noch programmiert. Aber zunächst gab es diesen "Wahlkrimi", den aus Österreich. Dann den Tag des Grundgesetzes, dessen 67. Geburtstag. Und dann kamen natürlich noch andere Sachen hinzu: die Wochenfrage, etwas Kunst, etc.

Österreichischer Gewinner

Ich bin ja dankbar. Dankbar, dass die Österreichische Republik keinem rechtspopulistischen Politiker in die Hände fällt. Von einem Sieg, einem Gewinner, einem Aufatmen weiß ich aber nichts. Demokratie ist ein Prozess, kein punktuelles Ereignis; was also gewonnen wurde, das steht in den Sternen. Es ist, so möchte ich doch befürchten, noch nicht die Demokratie.
Und überhaupt die Metaphern! Sieg, Kapitulation, Niederlage. Sind wir demokratisch oder ziehen wir in den Krieg? Seien wir also vorsichtig, was diesen "Sieg" angeht. Österreich muss sich ändern. Hier konnten breite Wählerschichten für eine Partei gewonnen werden, die frauenfeindliche und antihumanistische Thesen vertritt. Trotzdem ein "Grüner" gesiegt hat. Das mag dann das kleinere Übel sein. Groß genug jedenfalls bleibt das Übel.
Nein, von Sieg mag ich nicht reden.

Argumentieren

Mit einiger Genugtuung entdecke ich meinen Wortlaut wieder, den ich in früheren Artikeln angeschlagen habe. Namentlich das Argumentieren, dem ich seit Jahren nachgehe. Habe ich vor einigen Jahren den Verlust des Argumentierens beklagt, habe ich mir über die Narrative Intelligenz Gedanken gemacht, die Die Kunst des klaren Denkens, Lewitscharoff und die Bio-Politik, über schriftstellernden Frauen, den BER, oder Simon Beckett's Roman Leichenblässe: all dies hat mich noch nicht ans Ende meiner Reise geführt.
Gelegentlich wird mir Arroganz vorgeworfen. Ich mag diesen Vorwurf nicht. Zu oft habe ich erlebt, dass beim Gegenüber keine Meinung vorhanden war, oder dass das Gegenüber einfach Macht besitzen wollte, gleich ob diese inhaltlich gerechtfertigt war oder nicht (und meist ja nicht). Es gab keine Menschen, an denen ich hinaufwachsen konnte (um mal den Nietzscheschen Duktus zu verwenden). Obwohl: ein paar Menschen in meiner Umgebung werde ich mit dieser Behauptung nicht gerecht. Ich beherrsche das Argumentieren nicht; so würde ich gerne sagen, weil ich durchaus nicht alles zum Argumentieren kenne, weil ich immer noch am Lernen bin, weil es keine Beherrschung gibt, wenn es nicht zugleich eine Vollständigkeit gibt. Aber das scheint dann zu implizieren, dass ich vom Argumentieren gleich gar nichts verstünde: und ganz so ist es eben doch nicht.
Ja, in Deutschland darf man sich gerne wieder mehr auf die deutsche Kultur besinnen. Darin stimme ich sogar mit Neonazis überein. Dann jedoch, jenseits dieses oberflächlichen Satzes, hört die Gemeinsamkeit meist schon auf. Kant, den zu lesen, das wäre doch was, um argumentieren zu lernen. Obwohl man sich da durchaus an Moderneres halten darf. Karl Popper? - Nicht schlecht. Adorno? Arendt? - Aber es ist wohl immer noch Wunschdenken, heilloses Wunschdenken, dass sich die Deutschen endlich auf ihre vielfältige Kultur besinnen und diese nicht nur plärrend behaupten, sondern zuallererst inhaltlich auffüllen.
Trotzdem: es wird besser. In diesen dunkler werdenden Zeiten kann das beruhigen, ein wenig.

JavaScript

JavaScript ist es also, um das ich mich eigentlich kümmern wollte; nicht um die grundlegenden Sachen, denn die sind mir seit Jahren vertraut. Sondern bei den größeren Zusammenhängen; dem Zusammenwirken von Datenstrukturen und operativen Ketten, der Trennung von V-Methoden, E-Methoden und A-Methoden (entlang des EVA-Prinzips), und so etwas eben.
Vielleicht wird es ja morgen etwas. Oder übermorgen. Vielleicht gibt es solche Tage, an denen die Welt so klein wird, dass sie das Programmieren ermöglicht.
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