12.02.2014

Glaubwürdigkeit: Edathy und Co.

Das ist ein so bitterer, wie wahrer Satz. Und ein beliebtes Spiel in Politik und Massenmedien:
Erschüttern Sie nur die Glaubwürdigkeit der Zeugen und das Spiel ist gewonnen. … Wenn er damit [mit einem Video mit Informationen] rauskommt, muss seine Glaubwürdigkeit zerstört sein. Die Leute müssen glauben, dass er lügt, bevor er etwas sagt. 
(Aus dem Film: State Enemy Nr. 1)
Dies hatte ich vor längerer Zeit bereits zu dem Fall Bettina Wulff angemerkt. Ebenso vorsichtig sollte man im Moment mit dem „Fall“ Edathy umgehen. Eine Ermittlung stützt sich zwar auf einen Verdacht und eine Hausdurchsuchung bei einem Bundestagsabgeordneten weist auf einen wohl eher gravierenden und gut geprüften Verdacht; ein Urteil allerdings ist das noch nicht, noch nicht mal der Abschluss der Beweisaufnahme. Bei Bettina Wulff zum Beispiel ist das Gerücht wohl auch aus den Reihen so genannter „Parteifreunde“ gekommen und im Zuge eines Karriere-Gerangels entstanden. So geht zumindest ein weiteres Gerücht.
Aktualisierung [14.02.2014]: Staatsanwaltschaft zum aktuellen Stand der Ermittlung.

Ich hatte vorgestern, nach sehr langer Überlegung, beschlossen, ebenfalls mit einem solchen Gerücht öffentlicher umzugehen. Es betrifft meine Ex-Frau. Und in diesem Fall handelt es sich um einen Text, den ich geschrieben habe und der von ihr passagenweise wortwörtlich übernommen wurde. Dies ist damals in meinem Einverständnis geschehen. Jene Autoren, die ich zitiert habe, hat sie meines Wissens nie gelesen. Es handelt sich um Walter Benjamin, Roland Barthes, Leon Wurmser und Friedrich Nietzsche. Bei Nietzsche weiß ich, dass sie zumindest Jenseits von Gut und Böse einmal in einer Lesegruppe behandelt hat. Jene Lesegruppe, die sich süffisanterweise „Postmoderne-Gruppe“ nannte, hatte herzlich wenig Ahnung von Philosophie und noch weniger Ahnung von einem guten Diskussionsstil. Das war nur ein Haufen kleinbürgerlicher selbst ernannter Linker; jener ebenso selbst ernannte Fachmann für Adorno, der jede kritische Klippe mit einem Auschwitz-Argument umschifft hat, dem spreche ich heute jegliche Ahnung von Adorno ab. Damals wusste ich es nicht besser, da ich noch zu wenig von Adorno gelesen hatte und das auch nicht gut.
Der Gang an die Öffentlichkeit ist allerdings kritisch zu sehen. Auch wenn ich mich hier gegen gut ausgestreute Unterstellungen wehre, zum Beispiel der Unterstellung, ich sei extrem schwierig und hätte diese Frau ohne ersichtlichen Grund verlassen, ist damit die Haltbarkeit meiner (nennen wir sie mal) Behauptungen keineswegs auf den ersten Blick und möglicherweise auch nicht auf dem dritten und fünften nachvollziehbar.
Nachvollziehbar dagegen ist, dass ich einen Text veröffentlicht habe, der eine Zeit lang zu einem der beliebtesten Artikel meines Blogs gehörte und dieser Artikel in seinem Gang und seinen Zitaten in einer wesentlich gekürzten Form unter dem Namen einer anderen Person, der meiner Ex-Frau, auftaucht. Zudem mit der Feinheit, dass hier auch noch falsch ein Zitat belegt wurde, welches in meinem Artikel richtig belegt ist. Dies weiß ich nun seit über drei Jahren.
Frappant an der ganzen Sache ist auch folgendes: offensichtlich erzählt sie heute herum, sie hätte mich in die Theorie von Niklas Luhmann eingeführt. Das ist allein schon deshalb lächerlich, weil ich die Systemtheorie gut kannte, bevor ich sie überhaupt kennen gelernt hatte. Und wer mich hier tatsächlich eingeführt hat, war jener Mensch namens Knut, mit dem ich zusammen eine pflegebedürftige alte Frau betreut habe. Ebenso hätte ich Foucault nur durch sie kennen gelernt. Mein erstes Buch von Foucault habe ich mir während meines Zivildienstes gekauft, also 1992, lange vor ihrer Zeit. Und gekauft habe ich mir das auf den Hinweis meiner damaligen Freundin, die später, soweit ich weiß, in Freiburg Psychologie studiert hat.
Ich erinnere mich allerdings daran, dass ich meiner Ex-Frau über einige wichtige Stellen von Luhmann (Buch: Soziale Systeme) Übersichten und Lesehilfen angelegt habe. Und noch 2007, an jenem Abend, als ich den von ihr plagiierte Artikel geschrieben habe, hatten wir eine kurze Diskussion inwieweit man Luhmann einbauen könnte. Und soweit ich mich zurückerinnere, allerdings auf einer sehr dünnen empirischen Lage begründet, zugegeben, hatte sie auch dort noch nicht die Systemtheorie verstanden.
Gerade erhalte ich für meine Artikel (und auch Videos) sehr viel Lob, sogar mehr Lob, als ich für angemessen halte. Da ich seit Jahren recht regelmäßig veröffentliche, kann ich, glaube ich, auf eine gewisse Eigenständigkeit meiner Gedanken und meiner Betrachtungen pochen. Und da ich zurzeit wahnsinnig verärgert bin, sowohl, was meine familiäre Situation angeht, als auch die Unterstützung, die meine Ex-Frau mir nicht nur verweigert hat, sondern die sie im Hintergrund offensichtlich sogar zu ihren Vorteilen und auf Kosten meines Rufs missbraucht hat, muss ich jetzt einfach auch meinem Ärger öffentlich Luft machen.

Mehr und mehr erscheint es mir nämlich auch als falsch und für mich unerträglich, dass ich öffentlich falsche Diskussionen anprangere, sie aber in meinem privaten Bereich in einem solchen Umfang dulde. Gerade im Moment habe ich das Gefühl, als würde ich daran letztendlich zerbrechen. Und dafür bin ich mir nun wirklich zu schade.
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