11.02.2014

Ach Maischberger, ach Mursula

Niggemeier findet an äußerst unpassenden Stellen Anführungszeichen und an anderen wieder nicht. Das ist (mal wieder) sehr klug lesen.

Es geht um die Sendung „Menschen bei Maischberger“ und die Sendung mit dem Titel „Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die moralische Umerziehung?“.
Niggemeier ärgert sich nun darüber, dass „moralische Umerziehung“ nicht in Anführungsstrichen steht, dafür aber die „sexuelle Vielfalt“. (HIER)

Der Chiasmus der sexuellen Vielfalt

In dieser ganzen Debatte gibt es nicht nur ein oberflächliches Toleranz-Problem, sondern ein viel tiefer sitzendes, worauf die Rhetorik dieser Debatte hinweist. Es scheint nämlich so, als gäbe es hier zwischen dem grammatisch-semantischen Geschlecht und dem ontologischen Geschlecht einen Chiasmus. Die „sexuelle Vielfalt“ scheint wie ein Mann der „sexuellen Homogeneität“ einer unbestimmten Anzahl von Heterosexuellen gegenüberzustehen. Und als wollte das Erste dies unterstreichen, wird die „sexuelle Vielfalt“ in einer elliptischen Aufzählung eingesperrt und homogenisiert: „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle“.

Nun muss man diese Verwirrung vor dem Hintergrund lesen, dass das ontologische Geschlecht nicht das grammatisch-semantische Geschlecht ist und auch nicht das biologische.
Jenes ontologische Geschlecht, das gender, und immer etwas unglücklich als kulturelles Geschlecht gekennzeichnet, das ist auch jenes Geschlecht, das sich ent-wirft, weil es noch nicht ist. Man muss dieses deutlich abgrenzen, weil es auf dieser Ebene keine Heterosexuellen gibt, noch nie gegeben hat und auch nie geben wird. Und mit ihr existieren auch nicht alle anderen Kategorien des Geschlechts.
Es ist eben jenes Geschlecht, dem man selbst mit einem Eigennamen nicht Herr werden wird und das nie alleine daherkommt, sondern immer zu zweit und mehrfach. Dem man auch mit den grammatischen Konstruktionen des Geschlechts nur eine andere Form der Gleichgültigkeit zufügt, nicht besser und nicht schlechter als mit dem biologischen Geschlecht.

Von Pornofilmchen zum Onanieren

Insgesamt aber ist diese Debatte weiterhin lächerlich. Es scheint ja so, als würde man mit der Erwähnung von Homosexuellen auch gleich kleine, praktische Pornofilmchen zum Vorzeigen und Nachmachen in den Unterricht einbringen.
Ebenso lächerlich ist dieses Gefasel von den „traditionellen Werten“, deren Tradition viel später begonnen hat, als die „konservativen Kreise“ behaupten. Die christliche Familie, die Mutterliebe: alles eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Das Kindeswohl ebenfalls. Man bedenke, dass sich die Frage nach dem Kindeswohl in erheblichem Maße daran entwickelt hat, dass die Kinder (angeblich) von Natur aus eine Verdorbenheit mit sich bringen. Und diese Verdorbenheit hat sich dann in der sexuellen Selbstbetätigung, also der Masturbation niedergeschlagen. Dies ist die berühmt-berüchtigte Onanie-Debatte des 19. Jahrhunderts.

Der Samen eines frühzeitigen Ergusses

Unschlagbar: Anni Mursula. Ihren neuesten Erguss zu lesen hat mich richtig fertig gemacht. Und offensichtlich wollte sie das ja auch. Denn sie schreibt: „Wenn ich wollte, könnte ich als moderne Frau jeden Mann fertig machen.“ Stimmt: man muss als moderne Frau einfach nur immer mal wieder einen völlig lächerlichen und haltlosen Artikel schreiben. Dieser vorschnelle Erguss wird wohl den Samen zu einigen recht geschmacklosen Steckrüben liefern (sexuell gesprochen).
Diese so genannte Journalistin kommt nach einigen verallgemeinernden Sätzen zu einem einzelnen, wahrscheinlich tatsächlich äußerst skandalösen Rechtsfall, dem von Horst Arnold. Arnold soll eine Kollegin in der Schule vergewaltigt haben, wurde dafür schuldig gesprochen und büßte darauf hin fünf Jahre Gefängnisstrafe ab. Dies war 2002. 2011 wurde er dann freigesprochen. Eine Rehabilitierung hat nicht stattgefunden.

Verallgemeinerung und Sippenhaft

Am Ende des Artikels kommt Mursula zu ihren Verallgemeinerungen zurück. Aus jener einzelnen Frau wird dann wieder die Frau im allgemeinen.

Sie changiert damit zwischen den Individualrecht und der Sippenhaft hin und her. Würde sie vom Individualrecht aus das Verhalten jener Heidi K. anklagen, dann wäre das tatsächlich in Ordnung. Dass sie hier aber gleich sämtliche Frauen mit auf die Anklagebank stellt, das ist schon ein etwas krauser Gedanke. Und er ist umso gefährlicher, dass viele Menschen diesen Gedanken nicht einmal mehr als Graus empfinden würden.

Statt also den Staat in einer solchen Weise zu retten, dass in ihm noch eine größtmögliche Gerechtigkeit herrscht (was sie ja zunächst zu fordern scheint), torpediert sie die Nationalität mit einem geradezu umstürzlerischen Ton. Und das ist vielleicht das Frappanteste an dieser Frau: dass sie unter ihrem „law and order“-Denken eine recht widersprüchliche Verquickung einer Werte-Elite und eines Ordnungschaos vereint.

Mursulas Männerfeindlichkeit

Und nicht anders ergeht es den Männern. Denn nur ganz an der Oberfläche scheint sie den alten Status des Mannes wieder zurückzuwünschen. In Wirklichkeit aber spricht sie den Männern jeglichen vernünftigen Gedanken ab, denunziert sie als Objekte einer exzentrischen weiblichen Verschwörung, der sie sich argumentationslos und willenslos ausliefern. Und selbstverständlich weiß sie dann, als Frau, was für die (also: DIE) Männer wirklich gut ist und wem sie sich wirklich willenlos und argumentationslos zu fügen haben.
Das allerdings ist kein konservatives Männerverständnis mehr, auch nicht mehr mit dem Mann als Patriarch in der kleinbürgerlichen Familie. Das ist nur noch Männerfeindlichkeit auf einer höheren Ebene. (HIER)
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