31.01.2014

Traum und Bild als Zeichen

Ein recht hartnäckiges Problem in meinem Beruf ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Zeichen. Das mag auf den ersten Blick nicht so einsichtig sein. Tatsächlich aber haben wir schon in ganz einfachen Sätzen sehr unterschiedliche Arten von Zeichen und dies auf sehr unterschiedlichen Ebenen. 

Das typischste Zeichen ist das Symbol (dies bitte nicht mit dem literarischen Symbol verwechseln). Dieses linguistische oder semiologische Symbol stellt eine Beziehung zwischen dem Lautbild und dem Vorstellungsbild her, welches auf Willkürlichkeit beruht. Meine Vorstellung vom Hund muss nicht notwendig mit dem Wort ›Hund‹ bezeichnet werden. Nun hat mich diese Behauptung, die Beziehung seien willkürlich, immer auch gestört. Sie ist natürlich nicht in dem Sinne willkürlich, dass man einen Hund jetzt auf beliebige Art und Weise bezeichnen kann. Hier ist man einer Tradition verpflichtet.
Anders gesagt: die innere Bindung zwischen Lautbild und Vorstellungsbild wird durch äußere historische Prozesse aufgezwungen.

Das Ikon ist ebenfalls ein Zeichen (laut Semiologie). Hier wird die innere Verbindung durch eine Ähnlichkeit hergestellt. So sind Fotografien Ikone mit einer hohen Ähnlichkeit. Wenn der vierjährige Sohn seinen Kopffüßler vom Papa malt, dann ist die Ähnlichkeit sehr gering. (Kopffüßler: es gibt in der Entwicklung der Kinderzeichnung ein Stadium, in dem das Kind Köpfe mit Füßen dran malt. Diese Figuren nennt man Kopffüßler.)

Nun schreiben Adorno und Horkheimer in ihrem Buch Dialektik der Aufklärung folgendes:
Auf der magischen Stufe galten Traum und Bild nicht als bloßes Zeichen der Sache, sondern als mit dieser durch Ähnlichkeit oder durch den Namen verbunden. Die Beziehung ist nicht die der Intention sondern der Verwandtschaft.
(Seite 17)
Man könnte also sagen, dass der Unterschied zwischen dem archaischen und dem modernen Denken in der Wahl der Problemlösungen liegt. Das archaische Denken nutzt die Analogiebildung, dass moderne Denken die Mittel-Ziel-Analyse.

Und wenn man Adorno und Horkheimer weiterverfolgt, dann sind Symbole (oder wie sie hier genannt werden: Bezeichnungen) säkularisierte Ikone. Die Ähnlichkeit wurde im Laufe des historischen Prozesses vergessen. Geblieben ist die Gewohnheit, das Original und das Abbild zu verknüpfen, egal, wie sehr diese in den Merkmalen noch übereinstimmen.
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