22.01.2014

Verbeugung vor meinem Publikum

Kleiner Nachtrag: obwohl ich selbst unzufrieden bin, erfahre ich gerade viel Lob für dieses erste Video mit mir selbst. Es gibt natürlich auch Kritikpunkte, aber die sind durchaus immer sehr konstruktiv. So muss ich zum Beispiel an meiner Mimik arbeiten. Ich hatte natürlich vor, eine etwas umfassendere Aufnahme von mir selbst zu machen, möglichst eben noch mit den Händen im Blickfeld. Als Dozent werde ich immer als recht lebhaft beschrieben und das kommt in diesem Video nun gar nicht rüber. Allerdings ließ sich das mit meiner WebCam auch nicht wirklich machen.

Ich habe mir natürlich überlegt, ob ich mir eine digitale Kamera kaufe. Aber ich kann mich dazu überhaupt nicht entschließen. Ich müsste mir erst mal genauer ansehen, welches Modell ich mir zulegen möchte.

Normalerweise stehe ich diesen ganzen sozialen Netzwerken eher kritisch gegenüber. Ich habe auf Facebook relativ wenig Gutes erfahren. Meist sind dort, so wie ich das erlebt habe, sehr eingeschränkte Menschen unterwegs. Umso mehr haben mich in den letzten Wochen einige Diskussionen auf Facebook aber auch sonst die Resonanz sehr positiv überrascht. Und auch hier kann ich sagen, dass es nicht uneingeschränktes Lob gab, aber wenn Kritik, dann eben sehr konstruktiv. Ich habe es jetzt zweimal ganz direkt hintereinander auch auf Facebook erlebt, dass sich Menschen mit Sachverstand und einen differenzierten Blick zu Wort gemeldet und nicht nur geurteilt haben, sondern Interesse bekundet haben. Es ist nicht so, dass ich hier ein Interesse an mir erwartet hätte, sondern das überhaupt jemand da steht und ein Interesse an sachlichen Themen mit seiner eigenen Person verbindet. Natürlich liegt das auch am Medium, aber letzten Endes ist vieles, was dann durch diese sozialen Netzwerke geht, sehr unpersönlich. Und deshalb empfinde ich ja diese Bezeichnung ›soziales Netzwerk‹ als sehr zynisch. Auch wenn man die Gesellschaft nicht in einzelnen Personen aufgehen lassen kann (dazu habe ich Niklas Luhmann zu gründlich gelesen), ist sie ohne Menschen nicht denkbar.

Es gibt zwei Menschen, denen ich über lange Zeiten hinweg zutiefst verbunden bin. Der eine ist mein Onkel Hanfried. Ihm verdanke ich es, dass für mich der Begriff der Familie überhaupt noch Sinn ergibt. Es gab Zeiten, zu denen ich ganz stark gezweifelt habe, dass Familie aus mehr besteht als einem institutionell eingerichteten Egotrip. Mittlerweile sind auch meine Geschwister wieder dazugekommen. Denen kann ich nun keine Versäumnisse vorwerfen, da sie selbst mit diversen Anforderungen fertig werden mussten, die einem als junger Erwachsener so begegnen.
Der andere Mensch ist natürlich Nico. Meist zuckt er mit den Achseln, wenn ich sein Verhalten als zutiefst solidarisch empfinde. Aber manchmal ist es eben tatsächlich nicht dieses große, massenmedial aufgeblähte Theatralisieren von Anerkennung, sondern es sind diese kleinen Gesten und Interessen am anderen, die man kaum benennen kann und die sich gleichsam um das gemeinsame Bierchen drumherum ansammeln.

Seltsamerweise sind es vor allem die Leute, denen ich wirklich in der Vergangenheit sehr geholfen habe, manchmal sogar über die Grenzen hinaus, wo es für mich noch angenehm war (was dann manchmal auch als Selbstverleugnung meiner selbst kritisiert wurde), die es nie geschafft haben, etwas zurückzugeben.
Meist sind das solche Leute, bei denen man hinterher entdeckt, dass sie ihre Hilfsbedürftigkeit zum Teil wirklich simuliert haben oder unter falschen Voraussetzungen haben laufen lassen. Ich erinnere mich an eine Autorin, die mich wegen eines Romans angeschrieben hatte, als sie noch nicht bekannt war und auch noch keinen Erfolg hatte. Ihr Erfolg ist auch heute noch recht mäßig. Aber zumindest hat sie einen. Und ich glaube, dass ich da nicht unwichtig war. Nun liegt mir wenig daran, dass sie mir dafür dankt. Was mich an dieser ganzen Geschichte erschreckt hat, war, dass sie mittlerweile nicht mehr unter 18 Jahren alt ist, sondern auf die vierzig zugeht, innerhalb von zwei Jahren, und dass sie wohl in diesem Fall sehr bewusst darauf spekuliert hat, dass ich keinen Beratungsvertrag mit ihr abschließen kann. Diese bewusste Manipulation könnte man noch irgendwie hinnehmen, wenn das hinterher zumindest in irgendeiner Art von Wissen hinausläuft. Bei dieser Frau ist es nun anders geschehen: Sie hat dann auf Facebook ganz bewusst gegen mich intrigiert. Ich habe das auch erst später erfahren. Und es mag ja sein, dass ich hier tatsächlich nicht geholfen habe. In einem so schwierigen Feld wie dem Verfassen von langen fiktionalen Texten (also Romanen) kommt das durchaus vor. Man kann aber seine Kritik dann direkt bei dem betreffenden Menschen loswerden, also bei mir, und macht das bitte schön nicht hintenherum.
Es gibt aber auch eine Frau, der ich finanziell sehr unter die Arme gegriffen habe, der ich jahrelang durch viel Zeit und Kraft geholfen habe und die hinter meinem Rücken wohl ein Gebäude aus Lügen und Halbwahrheiten gebaut hat, durch das sie praktisch gezwungen war, mich aus ihrem Leben schließlich herauszuschmeißen, denn sonst wäre dieses Lügengewebe zerrissen worden oder sie hätte auch mal zurückgeben müssen, was sie von mir bekommen hat.

Nun: in solchen Zeiten, wenn ich an den Menschen zweifle, halte ich mich tatsächlich an diesen Freunden und Familienmitgliedern fest, aber auch an den Grundgedanken meiner Philosophie, insbesondere der von Kant. Ansonsten wäre ich längst völlig homophob und frauenfeindlich und rassistisch und was weiß ich noch.
Und im Moment ist es eben auch ganz wunderbar, plötzlich auf Menschen zu stoßen, die jenseits von Lobhudelei und besserwisserischer Ignoranz dazu bereit sind, etwas zu diskutieren und an dieser Stelle nochmal ganz ausdrücklich eine Verbeugung vor all diesen Menschen, die den Mut aufbringen, so über Sachen zu reden, dass sie diese nicht schon im Vorfeld dogmatisch eingepfercht und dingfest gemacht haben.
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