27.01.2014

Und dann wieder die beiden alten Probleme

Was denn das für ein Mist sei, fragte mich jemand betreffs meiner Überschrift Eigentlich langweilig, rhetorisch aber immer wieder interessant. Ich wagte dann ihm zu antworten, die Überschrift sei ironisch, auch selbstironisch gemeint. Natürlich kann ein Thema rhetorisch für kurze Zeit interessant werden, wenn man es von der Rhetorik aus betrachtet und es dort noch einiges zu entdecken gibt. Mir jedenfalls hat das Thema wenig gebracht. Es erstaunt mich zwar kurzfristig immer wieder, wie schlecht manche Menschen zuhören können und wie selbstgefällig sie dann über andere Menschen urteilen, deren Aussagen sie aber gar nicht verstanden haben. Doch was die Debatte Lanz/Wagenknecht angeht, so war sie inhaltlich dermaßen flach gehalten, dass sie mir überhaupt nichts Neues und Nachdenkenswertes erzählt hat, aber auch in der Rhetorik altbekannt, eben die altbekannte Paranoia.

Zugegeben: diese diffuse Ironie, die nach beiden Seiten ausstrahlt, in Richtung Publikum, aber auch zurück zu mir, die ist wohl nicht so einfach zu verstehen. Denn im Prinzip sagt sie widersprüchlich: beachtet doch mehr die Rhetorik dieses Ereignisses; und auf der anderen Seite weiß ich, dass viele Menschen gar nicht die Chance hatten, sich so intensiv mit Rhetorik auseinanderzusetzen und ich nicht zu viel erwarten darf.
Hier gibt es einen alten Automatismus: wenn man jemandem sagt, er habe nicht so viel Ahnung davon, kommt automatisch diese Reaktion: Hältst du mich für dumm? Doch das ist mit Sicherheit überhaupt kein Thema. Die Intelligenz als Maßstab für menschliches Verhalten ist äußerst fragwürdig. Deshalb benutze ich sie auch nicht mehr. Stattdessen ersetze ich sie durch den Kompetenzaufbau. Und Kompetenzen kann man immer aufbauen. Hier stellt sich eher die Frage, ob man dafür Zeit in seinem Leben findet oder nicht.

Mein anderes Problem: ich habe mal wieder weiße Flecken auf meiner Landkarte entdeckt.
Der eine weiße Fleck: das ist die Bildsprache in Videos. Gestern habe ich den ganzen Tag ausprobiert, geschnitten, zusammengesetzt, überlagert, maskiert und mit Effekten versehen. Und eigentlich beherrsche ich jetzt die einzelnen Werkzeuge der Programme recht gut. Ich kenne sie und weiß, was sie im einzelnen machen. Doch spätestens dann stellen sich auch die Herausforderungen ein. Es geht nicht nur darum, die Werkzeuge irgendwie zu benutzen, sondern sie in einem sinnvollen Zusammenklang zu benutzen. Es geht also um den Arbeitsprozess selbst und um die Qualität des Endproduktes. Der Arbeitsprozess selbst, der ist auf den Weg. Ich weiß nicht genau, wo ich stehe. Hier fehlt mir einfach das kompetente Urteil. Beim Produkt selbst weiß ich, dass ich noch eine ganze Menge zu tun habe. Ich habe jetzt einige ordentliche Ergebnisse erzielt. Doch diese Ergebnisse sind alle sehr bieder, sehr gewöhnlich. Und derzeit habe ich zwar eine Menge Ideen im Kopf, von denen ich grundlegend sagen kann, dass sie sich realisieren lassen, aber ich weiß nicht, wie ich dort hin komme. Ich müsste es ausprobieren und kann keinen genauen Plan entwerfen, an dem ich mich festhalten könnte. Und das ist eher ein Zeichen dafür, dass ich noch relativ unerfahren bin.

Der andere weiße Fleck auf meiner Landkarte ist eigentlich gar nicht so weiß. Es geht um die Erzählperspektive. Als ich vor acht Tagen den Artikel dazu veröffentlicht habe, dachte ich, dass das eher ein unbeachteter Artikel bleiben würde. Etwa zwei Tage später konnte ich 5000 Besucher verbuchen. Mittlerweile sind es weit über 8000, eher schon 9000. Das ist erstaunlich und hat mich beflügelt.
Nun bin ich dabei, dieses mir eigentlich gut bekannte Buch (Frank Stanzel: Theorie des Erzählens) neu zu sortieren. Kennen musste ich natürlich dieses Buch und zwar seit dem ersten Semester meines Germanistik-Studiums. Es ist ein Grundlagenwerk. Da es aber bis heute auch sehr umstritten ist (zu Recht), gibt es hier auch viel zu entwickeln und zu entdecken.
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