18.01.2014

Die Zeit bringt Frauen zur Vernunft

Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Und offensichtlich jetzt auch die Wunden, die der Feminismus schlug. Welcher Feminismus? Darüber rätsele ich noch. Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich nicht von einem Feminismus ausgehe. Und wer meine Vorstellung von dem, was Ideologie ist, kennt, weiß auch, dass ich Ideologien nicht als Einheit nehme. Das gilt für den Nationalsozialismus, für den Stalinismus, für den Ästhetizismus oder den Rassismus. Und auch der Feminismus ist eben keine Einheit, sondern von Spannungen und Konflikten und verschiedenen Positionen durchzogen.
Manches am Feminismus ist elitär und Menschen verachtend. Judith Butler: die sollte man nicht nur deshalb nicht lesen, weil einige reaktionäre Machisten der Meinung sind, das sei eine radikale Lesbe, sondern es auch so genannte Feministinnen gibt, die Butler als unzutreffend und unsinnig bezeichnen. Denn nur wer Butler nicht kennt, wird eine solch unsinnige Aussage treffen und sie unter manche kruden und dämlichen Phänomene subsumieren, die sich als feministisch bezeichnen.

Nun kamen zwei Autorinnen der Zeit auf die Idee, die Männer zu verteidigen. Ich hatte ja schon Martenstein auf die Giftliste gesetzt. Der hat sich letztes Jahr im Sommer im Zeit-Magazin eine gruselige Kamelle geleistet. Und offenbar treten jetzt seine Adeptinnen nach.
Die Autorin vom Blog fuck the arts kommentiert entsprechend bissig:
“Männer stellen 93 Prozent der wegen Mordes, Mordversuchs oder Totschlags Inhaftierten. Und wenn man von Sexualdelikten absieht, sind zwei von drei Gewaltopfern ebenfalls Männer.” Entschuldigung, aber: What the fuck?? Wenn man von Sexualdelikten absieht? Warum sollte ich von Sexualdelikten absehen, wenn ich über Gewaltverbrechen spreche?
Nun: Das ist doch eine vernünftige Frage.
Natürlich werden auch Männer Opfer von Gewaltverbrechen und es sind nicht gerade wenige. Aber die Frage ist doch auch, warum sich Verbrechen in ihrer Art so sehr verteilen. Die Autorin des Artikels wendet sich gegen diese Vereinfachungen, die in dem Zeit-Artikel vorgenommen werden.

Ganz großartig dann aber folgende Stelle:
(Einschub an dieser Stelle: Was die beiden Autorinnen ohnehin meines Erachtens nicht zu verstehen scheinen, ist dass sich eine ‘Männerbewegung’ gegen etwas strukturell begründetes richten müsste. Dass als ‘Männer’ gelesene Menschen unserer Gesellschaft die – durchaus positiver konnotierte – Kehrseite dessen abbekommen, wie ‘Frauen’ wahrgenommen werden und welche Möglichkeiten ihnen offenstehen, ist dabei wohl evident, umso mehr sollten wir uns doch A. um bestehende Diskriminierung kümmern und B. gegen die binäre Kategorisierung als solche wehren.)
Das ist guter Feminismus und weit mehr als nur Feminismus.
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