09.09.2012

Deutschland und sein Wir-Gefühl (Nein! — Doch! — Oh!)

Ach Frau Böhmer! Wir-Gefühle in Deutschland! Ist das nicht gleich ein bisschen doppelt doof? Einmal hatten wir das schon, Stichpunkt: Nibelungentreue, und hier war das ›wir‹ besonders wichtig für all die, die sich verheizen lassen sollten. Zum anderen: geht die Spaltung in Deutschland nicht auf ganz andere Umstände zurück, Umstände, bei denen ein bisschen Wir-Gefühl auch ganz sinnvoll wäre, so vom Kapitalisten zum Arbeiter? Vom korrupten Bankier zum sich plagenden Kleinbürger?
Ich finde es ja gut, dass Sie Missstände aufdecken. Aber bei Politikern habe ich mir angewöhnt, gleichzeitig zu fragen, welche anderen Missstände damit verdeckt werden sollen. So wichtig es ist, gegen Rassismus vorzugehen, so ist die Instrumentalisierung des Anti-Rassismus und des „Multi-Kulti“ doch ein wenig … unchristlich, oder?

Was aber hat Frau Böhmer eigentlich getan? Die Zeitung Junge Freiheit fasste einige Aussagen der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung zu einem Artikel zusammen. Die genauere Herkunft dieser Aussagen ist übrigens, wie bei guten online-Artikeln üblich, unbekannt. Es kann sich jedenfalls nicht um ein Selbstgespräch auf der Toilette handeln, denn hier liest Frau Böhmer, wie aus gut informierten Insidern-Kreisen zu erfahren war, Shades of Grey (Oh, I found some baby-oil. Rub it on my back).
Spaß beiseite. Zurück zur CDU und ihrer Integrationsbeauftragten.

Böhmer warnt.
„Gefährlich sind auch Vorurteile und dumpfe Parolen, die ein Klima der Verachtung von Minderheiten erzeugen.
Nein! — Doch! — Oh! (frei nach Louis de Funès)
Um so wichtiger sei es, stets wachsam zu sein und rechtsextremistisches Gedankengut im Keim zu ersticken, warnte Böhmer.
Warum dieser letzte Satz eine Warnung ist, will mir allerdings nicht so recht in den Kopf. Dem Artikelschreiber hätten so viele andere schöne Wörter einfallen können, zum Beispiel lächeln, seufzen, hauchen oder schnarren. Zur Not hätte es sogar ein einfaches ›empfehlen‹ getan (Nein! — Doch! — Oh!).

Und was sagt Frau Böhmer sonst noch so?
Den üblichen Quark. Die Ausschreitungen in Lichtenhagen waren menschenverachtend. Die ›nationalsozialistischer Untergrund‹ sei eine rechtsextremistische Terrorgruppe (Nein! — Doch! — Oh!). Die Einwanderer müssten sich auf den deutschen Rechtsstaat verlassen dürfen, was ich übrigens toll fände, denn ich würde mich gerne auch mal auf den deutschen Rechtsstaat verlassen dürfen wollen, vor allem, wenn es um den Bereich der Hochfinanz geht. Dort sitzen nämlich Menschen, denen die Hypothesenbildung und der Konjunktiv komplett unbekannt scheinen, sonst würden sie den Satz ›Die Würde des Menschen ist unantastbar.‹ besser verstehen.

Wir-Gefühle in Deutschland, das wäre doch mal was. Damit ist die Vermassung der Individualität, wie sie nach der Auflösung der bürgerlichen Familie unser alltägliches Brot geworden ist, in eine wunderbare Vokabel verpackt. Das dahinter ein schleichender Nationalismus steckt und ein solcher Nationalismus immer auch die Brutstätte von Rassismen ist, auf dieses Paradox möchte ich gar nicht hinweisen (Nein! — Doch! — Oh!).
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