20.01.2011

Frau Sarrazin

Ein etwas spitzer Artikel erschien gerade auf Zeit online, mit dem Titel Der Sarrazin-Effekt.
Ja und Nein, mag man dazu sagen. Ja, es gibt Eltern, die notorisch meckern und ihre Kinder nicht zu respektvollem Verhalten gegenüber den Lehrern anleiten. Ja, es gibt Eltern, die sind bei ihren Kindern richtig hilflos. Und es gibt Eltern, die schieben ihr Kind und dessen ganze Probleme in die Schule ab. Nein, Frau Sarrazin ist mittlerweile selbst schuld, wenn sie dermaßen im Rampenlicht steht. Es ist ihr gutes Recht, auf öffentlich geäußerte Vorwürfe zu antworten, aber die Art und Weise, in der sie das tut, sind nicht mehr sachgemäß. Auch wenn ich meine Zweifel an der Problemlösefähigkeit des Berliner Bildungssenats habe, so hätte nach einer kurzen Erklärung von Frau Sarrazin jede weitere öffentliche Äußerung unterbleiben müssen, mit dem Hinweis darauf, dass es organisatorische und demokratische Regelungen für diese Klärung gibt und dass die Öffentlichkeit diese abzuwarten habe. Nein, es ist nicht interessant, dass die Vorwürfe von türkischen Familien erhoben wurden. Selbst wenn von den Familien aus ein solcher Gedanke umgedreht bei den Vorwürfen mitspielt, so darf gerade eine Lehrerin diese Gedanken nicht äußern. Lehrer sind Vertreter des Rechtsstaates und damit Vertreter des Grundgesetzes. Im Art. 3, Abs. 3 des Grundgesetzes steht nun: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden." Besieht man die derzeitigen Äußerungen von Ursula Sarrazin, die Äußerungen ihres Mannes, aber auch zahlreiche Aussagen von anderen Politikern, so muss man an der demokratischen Orientierung dieser Menschen zweifeln. Und selbst wenn nun die Vorwürfe gegen Frau Sarrazin unhaltbar sind, hat sie sich mittlerweile als Lehrerin ins moralische Zwielicht gesetzt. Ob eine solche Lehrerin weiterhin tragfähig ist, muss man bezweifeln.


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