15.03.2008

Alice und das Moorhuhnsyndrom

Ich habe es geschafft: an meiner Arbeitsstelle liegen die ersten Bücher von Alice herum. Ich hatte zwar den Kollegen angeboten, ihnen meine auszuleihen, aber nachdem das erste von einer Kollegin gekauft war, folgte das zweite. Sogar unsere Chefin ist schon aufmerksam geworden, denn Alice erzeugt so etwas wie ein Moorhuhnsyndrom: die Kolleginnen arbeiten nicht. Sie lesen. Recht haben sie.

Mittlerweile ist auch meine Rezension von Schlechte Karten auf media-mania veröffentlicht. HIER.

Gerade habe ich vier Bücher von Donna Leon gelesen, die ersten vier Fälle von Commissario Brunetti. Die sind leider etwas schwerfällig. Mal schreibt Leon zu wenig, mal zu viel. Beschreiben will eben gelernt sein. Und zu beschreiben, dass die Geschichte in Gang kommt, der Haken gesetzt wird und der Leser angespannt auf die nächsten Schritte wartet, ist noch schwerer. Nein, leicht fällt das der Autorin nicht. - Dazu später mal mehr.

Faszinierend finde ich jedenfalls, dass die Leon-Krimis und die Camilleri-Krimis mit einem ähnlichen Figurenarsenal arbeiten. Während aber Leon eher einen romatic suspense abliefert, fällt die ganze Sache bei Camilleri slapstickartig aus. - Auch hier dürfte sich ein genauerer Vergleich lohnen.

Und wo wir bei romatic suspense sind: vor drei Tagen habe ich nach einem langen und qualvollen Lesen endlich Erica Spindlers Roman Entscheidung einer Sommernacht abgeschlossen. Das Buch hat mir vom Stil so wenig bis garnicht zugesagt, dass ich nur abschnittsweise lesen konnte. Stellenweise musste ich sogar aufhören, so elend war mir zumute.
Dabei ist es garnicht die Geschichte, die diesen Text so schlecht macht, sondern dass Spindler genau die Abschnitte der Geschichte aufbläht, die sich in ewiger Wiederholung um die Protagonisten drehen. Hätte sie das Drumherum ausgebaut und dem anderen Hauptfaden der Erzählung die ihm zustehende Hälfte gegönnt, statt höchsten ein Zehntel, dann wäre vielleicht ein besserer Roman entstanden.
Liebesromane scheinen sich heute generell um zwei Menschen und selten um mehr zu drehen. Man kann aber genauso generell sagen, dass zwei Menschen für einen Roman nicht genügen, um diesem Tiefe zu geben. Die Figuren werden flach und langweilig, die Verwicklungen werden wie Kaninchen aus dem Hut gezaubert, nur weiß man als Leser, dass dieser Hut eine Notmaßnahme des Autors ist. Kurz: man fühlt sich veralbert.
Das andere Problem von Liebesromanen ist, dass sie inhaltlich zur Sexbesessenheit neigen, stilistisch aber zur Prüderie: wie sonst sollte man sich erklären, dass der Sex in solch einem Schwulst an indirekten Umschreibungen geschildert wird? Jedenfalls waren das dann die Stellen, an denen ich mir schnell etwas anderes zu lesen gesucht habe.

Meine Rezension von einem anderen Liebesroman ist HIER zu finden.

Mit großem Vergnügen lese ich die Romane Fontanes. Wer es elektronisch mag, findet sie HIER.
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