29.08.2011

Schreiben, schreiben, schreiben

Letzten Samstag hat mich mein Buch zum Kompetenzaufbau ziemlich genervt. Ich bin mittlerweile mit dem Hauptteil fertig und arbeite zu einem ersten Anhang, der Lesekompetenz; der zweite Anhang skizziert die Menschenkenntnis.

Arroganz des Lesens
Was mich frustriert, ist die Arroganz, mit der das Lesen auf teilweise vollkommen mythische Ideen gestützt wird. So, wie die junge Frau hier ihren Lehrer als Legitimation nutzt, um ihre eigene Sensibilität zu verkürzen.
So, wie ich immer wieder die Diskussion über "Das Heideröschen" von Goethe anführe. Der andere Diskutant meinte, es ginge in dem Gedicht um eine Vergewaltigung. Aber nein: von Vergewaltigung steht dort nichts. (Vor einem Monat habe ich den Prometheus und den Ganymed von Goethe auseinander gepflückt. Das Problem von Goethes Gedichten ist, dass sie anspielungsreich sind, aber undeutlich bleiben.)

Ich bin also mehr oder weniger deprimiert. Mein ganzes Studium habe ich mich mit diesem Problem des Lesens beschäftigt; ich habe eine umfangreiche Arbeit zu der Ballade Die Mergelgrube (Annette von Droste-Hülshoff) geschrieben, eine andere zu Die Hermannsschlacht (Heinrich von Kleist), habe mich mit der Begriffsbildung und den Lesarten von Intelligenztests auseinandergesetzt (zum Schluss in meiner großen Abschlussarbeit zu der Diagnostik von Lernprozessen).
Was nützt aber diese ganze Arbeit, wenn man mit einer argumentatio ad auctoritas, einer Schlussfolgerung aufgrund einer hierarchischen gesellschaftlichen Position und deren Meinung ausgehebelt wird? Wenn jede Wahrnehmung ausgehebelt wird, jede Pflicht zur Empirie; doch was nützt - um mit Schopenhauer zu reden -, wenn man vernünftig ist, aber nicht verständig, wenn man Begriffe bilden kann (die Aufgabe der Vernunft), diese aber nicht an wahrgenommene Kausalitäten (die Aufgabe des Verstands) rückbinden kann? Siehe dazu Schopenhauer: Über den Satz vom Grunde im dritten Band der Gesamtausgabe:


Also bin ich einen Umweg gegangen und habe eine andere Arbeit vorgezogen, die ich eigentlich später beenden wollte: meine Notizen zu Abenteuergeschichten. - Das Wochenende habe ich dazu genutzt, um den Film Thor zu analysieren. Das ist nur aus dem Gedächtnis geschehen; er wird erst am 12. September auf DVD veröffentlicht. Deshalb habe ich meine Notizen nicht in das Skript eingearbeitet.




Abenteuergeschichten
Außerdem habe ich mich mit Rilke beschäftigt. Und gestern abend angefangen, meinen bisherigen Text zum Schreiben von Abenteuergeschichten zu überarbeiten. Inhaltlich ist er in Ordnung; und ich stelle mit großer Zufriedenheit fest, dass meine Analyse auch für Thor taugt, und sogar Final Destination 5 erklären kann (obwohl das ein ganz entsetzlicher Film ist).
Heute habe ich vor allem Grafiken erstellt, circa 20 bisher.



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