01.05.2008

Die liebe Werbung

Man denkt sich nichts Böses. Und - schwupps! - läuft einem die Werbung über den Weg. Zum Beispiel Anfang dieser Woche. Da strolchte ich ziellos durch einen Supermarkt meiner Wahl, als mir ein großes Plakat ankündigte, dass nun auch hier Telefonkarten verkauft werden. Blaue Telefonkarten. Und der Slogan lautete dementsprechend: "Deutschland telefoniert blau!" - Das erinnerte mich an den seltsamen Menschen, der unbedingt ein Rehfoto auf der Titelseite der TVtotal haben wollte, ansonsten würde er sie abbestellen. Und es erinnert mich an jenen französischen Profifussballer, der Werbung für eine quietschegelbe Limonade machte, mit dem Slogan "France boit noir!" (ungefähr übersetzt mit Frankreich trinkt schwarz und Frankreich betrinkt sich).
Jetzt kann man im Internet die Werbung für ein Haargel bewundern, in dem Pheromone enthalten sind. Pheromone! - Statt wie Steinzeitmännchen die Damen bewusstlos zu schlagen, wird jetzt die chemische Keule ausgepackt. Als ob wir jetzt Nachtfalter wären, wir Männer, und nicht mehr leidgeprüfte Schweine. Und was passiert, wenn nun alle Männer pheromongetränktes Haargel benutzten? Massensex süßkindhafterweise? Und wenn ich nun in die Disco gehe, völlig ohne sexuelle Hintergedanken, und ich in eine Pheromonwolke gerate, die mein Tanznachbar gleich über mich mitausschüttet? Ich mich plötzlich vor Frauen garnicht mehr retten kann? Das erscheint mir grauenvoll. Blutbäder durchzucken meine Phantasie. Ich glaube, ich werde neben rauchfreien Zonen als nächstes lockstofffreie Zonen in Discotheken fordern, oder einfach zu Hause bleiben, mir eine Glatze rasieren und wimmernd über das Wort metrosexuell meditieren.
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