26.11.2012

Was sind gute Metaphern?

fragt Barbara.

Liebe Barbara! Wenn ich das wüsste. Es gibt zwar so etwas wie grobe Richtlinien. Aber das sind eben nur grobe Richtlinien.

Früher hat man Metaphern unter anderem in tote, verblassende, lebendige und kühne Metaphern eingeteilt. Je nachdem, wie neuartig eine Metapher empfunden wurde. Eine tote Metapher wäre zum Beispiel "die Müdigkeit in seinen Knochen spüren". Sie sind zu Floskeln oder zu Redewendungen geworden und werden in ihrer Bildlichkeit kaum noch wahrgenommen.
Kühne Metaphern dagegen sind höchst "poetisch" und manchmal sogar unverständlich. "Sie schwamm im ausgefransten Nachtherz." Dazwischen ist dann sozusagen alles an Metaphern möglich.
Wie Metaphern gut ausgewählt werden, ist eine Sache der Textsorte.
Kühne Metaphern taugen nicht für Spannungsromane. Lebendige Metaphern können hier zur Verbildlichung von Landschaften oder Gegenständen eingesetzt werden ("eine diamantenhelle Luft"), auch zur Personencharakterisierung ("ein klebriges Buckeln"). Aber sie wirken, wenn sie zu häufig eingesetzt werden, als überpoetisierend. Und das sollte man in Spannungsromanen vermeiden. Deshalb sind Metaphern nicht die erste Wahl, was zum Beispiel Thriller angeht. Stephen King nutzt häufig Vergleiche. Crichton dagegen schafft es, durch sehr präzise Beschreibungen und einem insgesamt sehr nüchternen Sprachstil sogar weitestgehend auf die Metapher zu verzichten (was ich faszinierend finde: weil das Fehlen von Metaphern in erzählenden Texten normalerweise als schlecht empfunden wird).
Es ist also eine Frage des Geschmacks und des persönlichen Stils, was eine gute Metapher ist.
Es gibt, wie gesagt, zahlreiche Arten zu verbildlichen. Die Metapher, bzw. die Analogie sind zwei Formen davon. Und wie du diese einsetzt, ist eben eine Frage des Genres auf der einen Seite und eine Frage des Geschmacks auf der anderen Seite. Hier kann ich dann nur noch den Tipp geben: ausprobieren und herumexperimentieren, was für dich richtig ist.
Kommentar veröffentlichen