29.11.2012

Antisemitismus, noch einmal

Jakob Augstein beklagt den inflationären Gebrauch des Wortes Antisemitismus. Broder stichelt zurück. Und ich versuche gerade, die Rhetorik dieser beiden Herren in den Griff zu kriegen. 
Das ist übrigens von Mal zu Mal für mich schwieriger. Durch meine Beschäftigung mit der Logik in ihren „Feinheiten“ verkompliziert sich die Sache extrem. Früher habe ich vor allem rhetorische Figuren untersucht. Aber hier bin ich ein ganzes Stück weit den Trugschlüssen moderner, populärer Rhetoriken aufgesessen, die dieses Gebiet mit dem sprachlichen Schmuck gleichsetzen. Die zweite Phase der Redegestaltung, die dispositio, ist allerdings immer die Ausgestaltung der Argumentation und gehört damit zur Argumentationslehre, bzw. zur Logik.
Ich mag Broders Text nicht wirklich. Aber in einem hat er auf jeden Fall recht: Antisemitismus beginnt nicht erst mit dem Holocaust. Und der Begriff ist nicht gut definiert. Auch darin hat Broder recht. Auf der anderen Seite bin ich aber auch strikt dagegen, den jüdischen Glauben und die israelische Staatsräson gleichzusetzen. Hier müssen unterschiedliche Argumentationen geführt werden und diese müssen auch hinreichend scharf getrennt werden. Ich bin ja mehr und mehr davon überzeugt, dass in dieser schlechten Trennung der Begriffe, in diesem Durcheinander der Argumentation ein wesentlicher Grund für den seit Jahren unverhohlen schwelenden Antisemitismus des deutschen Kleinbürgers ist. Aber hier muss man mit dem Finger gerade nicht nur auf Broder zeigen, sondern auch wiederum auf Augstein.
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