08.11.2012

Kleiner Tadel an einige meiner Leser und an mich in Sachen Andreas Adlon

Ich hatte es schon einmal gesagt, allerdings nur nebenbei (Kleines Eigenlob: Besucherzahlen): an dieser Stelle möchte ich noch einmal deutlich darauf hinweisen, was ich überhaupt zu Adlon sage und was nicht. Denn die Zustimmung, die ich hier erfahre, wird meinen Argumentationen nicht gerecht. Und eben auch dem Autor von Ausgehandelt nicht.
Ja, ich habe mich sehr geärgert. Ich gebe es zu! Aber das ist bitte kein Grund, jetzt so massiv auf ihm herumzuhacken. Und sei es nur in lobenden E-Mails an mich.
Ich habe zum Beispiel geschrieben, Adlon verstehe zu wenig vom guten Erzählen. Er lasse seine Leser „manchmal komplett orientierungslos zurück“. Ich habe bereits geschrieben, dass dies so, wie es dort steht, ein unbegründetes Geschmacksurteil ist. Nicht einer meiner Leser, die mir dann eine E-Mail geschrieben haben, ist aber auf die Idee gekommen, mich aufzufordern, mein Urteil an Beispielen zu begründen. Das allerdings wäre fair gewesen! (zur guten Orientierung in Texten: Den Charakter verorten)
Derzeit wird auf Amazon, aber auch auf Facebook, in einer Art und Weise aufeinander herumgehackt, die einfach nur noch verletzend ist. Und hier zeigt sich, dass die Leute, die im Hintergrund am meisten lästern, auch die Leute sind, die am wenigsten begründen können, was „objektiv“ nun gut oder schlecht sei. Ich bitte meine Leser, über das, was sie sagen, ein wenig nachzudenken.
Ein anderer Grund, warum mein Artikel unvorsichtig ist: er suggeriert, dass die „seltsame politische Ansicht“, die sich in dem Wort Hassprediger ausdrückt, etwas mit seinem Erzählstil zu tun hat. Genau das unterschreibe ich aber nicht. Das sind zwei sehr unterschiedliche Gebiete. Und vor allem müssen die beiden Gebiete unterschiedlich argumentativ behandelt werden. Hier war ich in meinem Artikel viel zu unklar (siehe zum Beispiel den Abschnitt zur ethischen Disjunktion in meinem Artikel Disjunktion: ausschließende und alternative Urteile).

Ich entschuldige mich also an dieser Stelle öffentlich bei Andreas Adlon. Nicht, weil er nun doch ein guter Autor ist (oder ich meine Meinung gewechselt hätte), sondern weil er ein Mensch ist und egal, wie sein Werk nun qualitativ zu beurteilen ist, einfach einen grundlegenden Respekt verdient. Den verdiente er sogar, wenn er, scheinbar, diesen Respekt selbst nicht zeigt oder zeigen würde.
Es ist nun so, dass ich natürlich gerne an Texten herumkritisiere. Oder an Wörtern. Aber: ich hätte auch die Reichweite meiner Kritik bedenken dürfen. Und die habe ich nun anscheinend nicht bedacht. Ich bin immer noch etwas erschrocken, was ich ausgelöst habe. Und lösche zum ersten Mal Kommentare, die mich selbst gar nicht angreifen. Was viel schlimmer ist: ich hätte es wissen müssen. Ich habe ja Erfahrung damit gemacht. Und so richtig ich es finde, Ruprecht Frieling an dieser Stelle zu unterstützen, so falsch ist es, dann auch noch die ganze Sache durch einen Nebenschauplatz und einen gewissen spöttischen Ton anzuheizen. Das war von meiner Seite aus höchst unprofessionell. Und auch dafür entschuldige ich mich bei dem Autoren.

Im übrigen kann ich nur davor warnen, ein solches Werk einfach als schlecht zu bezeichnen. Beim Lesen ist es wichtig, welches Ziel ich habe. Und sich unterhalten zu lassen ist eben nur ein Ziel. Mich hat das Buch von Adlon nicht unterhalten. Ich bin zu häufig aus dem Lesefluss rausgestolpert, weil mich die logischen Zusammenhänge, die er konstruiert, verwirrt haben. Doch genau dies wäre zum Beispiel ein Ziel, mit dem man dieses Buch fruchtbar lesen könnte: warum verwirrt mich diese Erzählweise? Ließe sich dies objektiver ausdrücken? (siehe auch: Singularität der Erfahrung)

Und falls jetzt jemand auf die Idee kommt, Herr Adlon habe mich verklagt und eine öffentliche Stellungnahme von mir gefordert: Nein, das hat er nicht. Hier einen Rückzieher zu machen, zumindest in gewissen Bereichen, bin ich nicht nur Herrn Adlon schuldig, sondern auch mir selbst. Und in gewisser Weise vielen anderen Autoren, die auf Kindle veröffentlichen und sich heftigen Anfeindungen ausgesetzt sehen.
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